Drachenblutbaum (Dracaena cinnabari, )
Dracaena cinnabari ist ein einkeimblättriger Baum der Spargelgewächse (Asparagaceae), der nur auf dem jemenitischen Sokotra-Archipel im Arabischen Meer heimisch ist. Seine ungewöhnliche, umgekehrt schirmförmige Krone entsteht durch wiederholte Gabelung nach jeder Blüte. Verletzte Rinde gibt ein rotes Harz ab, das seit der Antike als Drachenblut genutzt wird.
WeiterlesenDrachenblutbaum, Drachenpalme, Socotra dragon tree und Dragon’s Blood Tree
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Weltweite Verbreitung
Dracaena cinnabari ist ausschließlich auf dem Sokotra-Archipel im Jemen im Arabischen Meer heimisch. Anderswo sind keine natürlichen Populationen bekannt. Angaben außerhalb dieses Areals betreffen kultivierte Exemplare botanischer Sammlungen, keine eingebürgerten Bestände.
- Heimisch1
- Jemen (Sokotra)
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Der einkeimblättrige Baum Dracaena cinnabari (Dracaena cinnabari Balf.f., 1882), auch Drachenblutbaum genannt, gehört zur Gattung Dracaena in der Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae). Das Artepitheton cinnabari verweist auf Zinnober, das leuchtend rote Mineral. Gemeint ist das rote Harz, das unmittelbar nach einer Verletzung aus der Rinde austritt und der Art ihren Nutzungsnamen gab. 1 5
Ausschließlich auf dem jemenitischen Sokotra-Archipel im Arabischen Meer ist diese Art heimisch; dort gilt sie als Nationalbaum. Ihre auffällige, umgekehrt schirmförmige Krone ist unter Bäumen selten. Sie entsteht, weil sich die Zweige mit jedem Blühzyklus wiederholt gabeln. Die wiederkehrende dichotome Verzweigung prägt damit die gesamte spätere Baumgestalt. 8
Erkennung
Ausgewachsene Exemplare erreichen meist 6–10 m, mit Angaben bis 12 m Höhe. Ihre Krone kann sich auf 12 m Durchmesser ausbreiten. Bei den ältesten Bäumen misst der kräftige Stamm in Brusthöhe mitunter über 1,5 m im Durchmesser. Die breite Krone steht damit auf einem vergleichsweise massiven Stamm. 2 8
Schmale, steife Blätter werden bis 60 cm lang und kaum 3 cm breit. Sie stehen ausschließlich in dichten Rosetten an den Zweigenden, niemals entlang des Stamms. Das Laub bleibt ganzjährig grün. Jedes einzelne Blatt wird dabei nach drei bis vier Jahren ersetzt; immergrün bedeutet hier also keinen unbegrenzten Erhalt desselben Blatts. 8
Kleine, duftende, grünlich weiße Blüten erscheinen etwa im März in endständigen Rispen. Die folgenden fleischigen Beeren wechseln ihre Farbe zunächst von Grün zu Schwarz und reifen schließlich orangerot aus. Jede Beere enthält ein bis vier Samen von 4–5 mm Größe. Blüten und Früchte bleiben gegenüber der markanten Krone eher unscheinbar. 2
Nützliche Taxonomie
Der schottische Botaniker Isaac Bayley Balfour beschrieb Dracaena cinnabari Balf.f. 1882 im Rahmen seiner wissenschaftlichen Reise nach Sokotra. Bereits 1835 hatte Leutnant Wellsted den Baum erwähnt, ihn allerdings irrtümlich der Gattung Pterocarpus zugeordnet. Als einziges anerkanntes homotypisches Synonym gilt Draco cinnabari (Balf.f.) Kuntze; der akzeptierte Name bleibt unverändert. 1 8
Unter den 60–100 Arten der Gattung Dracaena entwickeln nur sechs einen baumförmigen Wuchs, darunter Dracaena cinnabari. Eine Untersuchung der Chloroplastengenome zeigt, dass die Art genetisch näher mit Dracaena serrulata verwandt ist als mit dem Kanarischen Drachenbaum Dracaena draco. Die sehr ähnliche Schirmkrone aller drei Arten bildet ihre Verwandtschaftsverhältnisse daher nicht unmittelbar ab. 9 6
Lebensraum und Verbreitung
Trockene Kalkplateaus und Berghänge des Sokotra-Archipels im Jemen bilden den natürlichen Lebensraum. Die Bäume wachsen zwischen 150 und 1.600 m, vor allem oberhalb von 600 m. Der örtlich khareef genannte Monsunnebel liefert Feuchtigkeit und gleicht so die geringen Niederschläge aus. Das Nebelwasser ist für diese trockenen Standorte von besonderer Bedeutung. 3 8
Wenige Schlüsselgebiete tragen einen großen Teil des Bestands. Das Firmihin-Plateau umfasst nur etwa 2 % des potenziellen Areals, soll aber mehr als 40 % der lebenden Population beherbergen. Das mittlere Alter der Bäume liegt dort bei ungefähr 300 Jahren. Diese Konzentration auf einzelne Standorte verdeutlicht die räumliche Begrenzung der Bestände. 8
Außerhalb Sokotras ist Dracaena cinnabari nur aus Kultur bekannt, etwa aus botanischen Gärten oder privaten Sammlungen. Eingebürgerte Populationen wurden andernorts nicht dokumentiert. Damit unterscheidet sich der Verbreitungsstatus von dem vieler Zierpflanzen, die nach einer Einführung in neue Gebiete selbstständig wild wachsende Bestände bilden. 6
Lebenszyklus und Vermehrung
Meist etwa im März und abhängig vom Klima setzt die Blüte ein. Vorausgehen können mehrere Jahrzehnte Jugendwachstum an einem einzigen unverzweigten Stamm. Nach der Blüte endet das Wachstum der Terminalknospe; anschließend entstehen zwei neue Triebe. Blüte für Blüte baut sich auf diese Weise die charakteristische Schirmkrone auf. 2
Ziegenverbiss ist das größte Hindernis für die Erneuerung der Wildbestände. Jungpflanzen und junge Triebe werden gefressen, bevor sie eine für das Vieh unerreichbare Größe erlangen. So erklärt sich der überalterte Aufbau vieler Drachenbaumwälder: Alte Bäume bleiben bestehen, während zu wenige junge Exemplare nachwachsen können. 3
Die gärtnerische Vermehrung erfolgt fast ausschließlich durch Aussaat. In warmem, gut durchlässigem Substrat keimen die Samen innerhalb einiger Wochen. Danach bleibt das Wachstum über Jahrzehnte extrem langsam. Ausgewachsene Bäume sind außerhalb ihrer Heimatinsel deshalb selten, selbst wenn die Keimung erfolgreich war und die Pflanzen in Kultur weiterwachsen. 2
Verwendung und Risiken
Das rote Stammharz, Drachenblut, wird seit der Antike als Farbstoff, Firnis und traditionelles Mittel gegen Verdauungsbeschwerden, Fieber und Wunden genutzt. Auf Sokotra dient es außerdem zum Färben von Wolle, als Klebstoff für Keramik und als handwerklich hergestellte Lippenfarbe. Diese überlieferten Verwendungen beschreiben seine Kulturgeschichte und keine gesicherte medizinische Wirksamkeit. 7 8
Alle Dracaena enthalten reizende Saponine in Blättern, Stamm und Rinde, die für Katzen und Hunde giftig sind. Nach Aufnahme können teils blutiges Erbrechen, starker Speichelfluss und Mattigkeit auftreten. Die Angaben zur Giftigkeit sind auf Gattungsebene dokumentiert und beziehen sich nicht auf eine eigene Untersuchung dieser selten als Zimmerpflanze gehaltenen Art. 4
Seit 2004 führt die IUCN die Art als gefährdet (Vulnerable). Überweidung durch Ziegen, fortschreitende Austrocknung des Klimas, nicht nachhaltige Harzgewinnung und heftige Zyklone gefährden gemeinsam die Verjüngung. Ein solcher Sturm entwurzelte 2015 mehrere Tausend erwachsene Bäume. Sowohl fehlender Nachwuchs als auch der Verlust alter Exemplare belasten damit den Bestand. 3
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Stabile gärtnerische Sorten von Dracaena cinnabari gibt es nicht. Die wenigen Exemplare in Sammlungen stammen aus Wildsaat oder aus Ex-situ-Erhaltungsprogrammen. Ihre Herkunft verweist auf bestimmte Populationen Sokotras und nicht auf gärtnerische Auslesen. Solche Herkunftsangaben sollten deshalb nicht als Namen eigenständiger Sorten gelesen werden. 8
Am häufigsten wird der Baum mit dem Kanarischen Drachenbaum, Dracaena draco (L.) L., verwechselt. Beide besitzen Schirmkronen, doch über 3.000 km Entfernung verhindern einen natürlichen Austausch zwischen den Populationen. Eine neuere Genomstudie stellt Dracaena cinnabari sogar näher zu Dracaena serrulata Baker, dem weniger auffälligen Drachenbaum aus Oman und Saudi-Arabien. Zusätzliche Verwirrung schafft der Handelsname „Drachenblut“: Er bezeichnet auch rote Harze südostasiatischer Rattanpalmen der Gattung Daemonorops und mancher südamerikanischer Croton, die botanisch nicht mit Dracaena verwandt sind. 9 7
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Dracaena cinnabari Balf.f.
- Royal Horticultural Society, Dracaena cinnabari - Drachenblutbaum
- IUCN Red List, Dracaena cinnabari - Bewertung 2004
- ASPCA, Dracaena (Drachenbaum) - Giftigkeit
- Encyclopaedia Britannica, Drachenbaum
- GBIF, Dracaena cinnabari Balf.f. - Artdatensatz
- Gupta, Bleakley & Gupta 2008, Drachenblut - Botanik, Chemie und therapeutische Nutzung
- Attorre & Van Damme 2020, Dracaena cinnabari - ein Relikt des Känozoikums, IntechOpen
- Vollständige Chloroplastengenome von Dracaena serrulata und Dracaena cinnabari: Sequenzierung und Vergleich, PMC9537188
Häufig gestellte Fragen
Ist Dracaena cinnabari derselbe Baum wie der Kanarische Drachenbaum?
Nein. Dracaena cinnabari hat wie Dracaena draco eine schirmförmige Krone, doch es sind zwei Arten derselben Gattung, deren Populationen mehr als 3.000 km trennen. Eine Genomstudie zeigt sogar eine engere Verwandtschaft von Dracaena cinnabari mit Dracaena serrulata, dem anderen arabischen Drachenbaum, als mit Dracaena draco.
Warum hat der Baum eine schirmförmige Krone?
Die dichte, abgeflachte Krone entsteht durch wiederholte gabelige Verzweigung nach jeder Blüte. Diese Form verringert die Verdunstung an der Bodenoberfläche und schützt Jungpflanzen, die im Schatten des Altbaums keimen. Im trockenen Klima ist das ein deutlicher Vorteil.
Stammt Drachenblut immer von dieser Art?
Nein. Der Handelsname Drachenblut bezeichnet auch rote Harze botanisch nicht verwandter Pflanzen, insbesondere Rattanpalmen der Gattung Daemonorops aus Südostasien und manche Croton-Arten Südamerikas.
Ist Dracaena cinnabari für Tiere giftig?
Wie andere Dracaena enthält sie Saponine, die für Katzen und Hunde giftig sind. Nach dem Verzehr können Erbrechen, starker Speichelfluss und Mattigkeit auftreten. Diese Giftigkeit ist für die Gattung dokumentiert, nicht eigens für diese Art.
Warum gilt die Art als gefährdet?
Die IUCN stuft Dracaena cinnabari seit 2004 als gefährdet ein. Ziegenverbiss verhindert das Nachwachsen junger Bäume, ein trockener werdendes Klima verkleinert geeignete Lebensräume, und heftige Zyklone wie 2015 entwurzeln Tausende Altbäume.
Wie alt wird Dracaena cinnabari?
Die Bäume im Wald von Firmihin sind durchschnittlich etwa 300 Jahre alt; einzelne Exemplare überschreiten 500 Jahre. Das bei Einkeimblättrigen seltene sekundäre Dickenwachstum des Stamms erschwert jedoch eine genaue Altersbestimmung.
Kann Dracaena cinnabari außerhalb Sokotras kultiviert werden?
Ja, aber selten und mit sehr langsamem Wachstum. In gemäßigten Klimaten braucht sie ein frostfreies Gewächshaus oder einen Wintergarten, volle Sonne und sehr durchlässiges Substrat. Bis annähernd eine ausgewachsene Schirmkrone entsteht, vergehen mehrere Jahrzehnte.
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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.







