Ölpalme (Elaeis guineensis, )
Ölpalme (Elaeis guineensis) ist eine der beiden Arten der Gattung Elaeis aus der Familie der Palmengewächse (Arecaceae). Sie stammt aus feuchten lichten Wäldern West- und Zentralafrikas. Ihre dichten Fruchtstände liefern sowohl Palmöl aus dem Fruchtfleisch als auch Palmkernöl aus dem Samen und machen sie zur wichtigsten Quelle für Pflanzenöl weltweit.
WeiterlesenÖlpalme, Afrikanische Ölpalme, African oil palm und Palmera de aceite
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Weltweite Verbreitung
Das natürliche Areal von Elaeis guineensis erstreckt sich über etwa 6.000 km entlang der Atlantikküste West- und Zentralafrikas, von Senegal und Gambia bis Angola. Seit Langem gehört die Art auch zu alten westafrikanischen Agrarlandschaften. Dadurch lassen sich wilde und vom Menschen geförderte Bestände teilweise schwer unterscheiden.
- Heimisch5
- Eingeführt1
- Senegal
- Elfenbeinküste
- Nigeria
- Kamerun
- Angola
- Costa Rica
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Die Ölpalme (Elaeis guineensis Jacq., 1763) gehört zu den nur zwei Arten der Gattung Elaeis innerhalb der Palmengewächse (Arecaceae). Der französische Naturforscher Michel Adanson beschrieb sie als erster Europäer und brachte Samen aus Westafrika mit, bevor Jacquin die Art botanisch gültig beschrieb. 4 1
Das Artepitheton guineensis bezieht sich auf die historische Küstenregion, die europäische Naturforscher des 18. Jahrhunderts „Guinea“ nannten. Gemeint ist ein weites westafrikanisches Gebiet und nicht allein der heutige Staat. Der deutsche Name verweist unmittelbar auf die wichtigste Nutzung der Pflanze: die Gewinnung des weltweit am meisten verbrauchten Pflanzenöls. 5 4
Erkennungsmerkmale
Ein einzelner, geringelter Stamm kennzeichnet Elaeis guineensis. Die Ringe sind Narben abgefallener Blätter; seitliche Verzweigungen fehlen. Im natürlichen Lebensraum erreicht die Ölpalme bis zu 20 m Höhe. In Plantagen werden die Pflanzen weit früher ersetzt, weil die Fruchtstände sonst von Hand kaum noch geerntet werden können. 4 6
Die Krone trägt gefiederte Blätter von 3 bis 7 m Länge, die dicht um die Endknospe stehen. Eine junge Palme bildet jährlich etwa dreißig neue Blätter. Ihre Früchte sitzen in großen, kompakten Fruchtständen mit oft mehreren Hundert Einzelfrüchten; je nach Alter der Palme wiegt ein solcher Fruchtstand 5 bis 30 kg. 4 6
Jede Frucht enthält ölreiches Fruchtfleisch, das Mesokarp, aus dem Palmöl gewonnen wird. Eine harte Schale umschließt den Samen als Quelle des Palmkernöls. Bei der verbreitetsten Form sind unreife Früchte schwarz; mit zunehmender Reife färben sie sich zunächst orange und schließlich rot. 4 7
Taxonomie
Innerhalb der Gattung Elaeis werden nur zwei Arten unterschieden: die afrikanische Elaeis guineensis und Elaeis oleifera (Kunth) Cortés aus dem tropischen Amerika, die gelegentlich Corozo genannt wird. Beide lassen sich in Kultur kreuzen. Solche OxG-Hybriden sind besonders in Lateinamerika gefragt. 4 3
Die Fruchttypen Dura, Pisifera und Tenera wurden zunächst als formale botanische Varietäten beschrieben. Später erkannte man sie als Fruchtformen, deren Schalendicke durch ein einzelnes Gen bestimmt wird. Die Unterscheidung anhand der Schale bleibt für die moderne Züchtung entscheidend; kommerzielles Pflanzmaterial gehört heute fast ausschließlich zum Typ Tenera. 4 3
Lebensraum und Verbreitung
Entlang der Atlantikküste West- und Zentralafrikas erstreckt sich das natürliche Areal von Elaeis guineensis über etwa 6.000 km, von Senegal und Gambia bis Angola. Sie wächst unterhalb von 700 m in feuchten lichten Wäldern, auf sandigen, oft schlecht entwässerten Böden, an Flüssen und auf Lichtungen. 5 6
In alten westafrikanischen Agrarlandschaften ist die Ölpalme seit Langem verbreitet. Als Pionierart profitiert sie von Lichtungen und menschlich gestörten Böden. Deshalb lässt sich nicht überall eindeutig bestimmen, welche Bestände wild sind und welche lediglich geduldet oder gezielt gefördert wurden. 6 7
Der größte Teil der Weltproduktion stammt dennoch aus Südostasien und damit aus Gebieten außerhalb des natürlichen Areals. Niederländische Kolonisten brachten 1848 vier Pflanzen in den Botanischen Garten von Bogor auf Java; 1910 gelangte die Art nach Malaysia. Diese wenigen Gründerpflanzen erklären teilweise die geringe genetische Vielfalt heutiger Plantagen. 4 5
Lebenszyklus und Fortpflanzung
Getrennte männliche und weibliche Blütenstände wachsen an derselben Ölpalme: Die Art ist einhäusig. Da sich beide Blütenstandstypen an einem Individuum selten gleichzeitig öffnen, wird die Fremdbefruchtung begünstigt. Von der Bestäubung bis zur vollständigen Fruchtreife vergehen 5 bis 6 Monate. 4 5
Für die natürliche Bestäubung sorgen nahezu ausschließlich Insekten. Der Rüsselkäfer Elaeidobius kamerunicus wurde 1980–1981 gezielt nach Südostasien eingeführt. Innerhalb weniger Vegetationsperioden machte er die zuvor nötigen, kostspieligen Kampagnen zur Bestäubung von Hand überflüssig. 4 5
Nach 24 Stunden Einweichen in lauwarmem Wasser keimen die Samen innerhalb von 2 bis 5 Monaten. Die Dauer hängt davon ab, ob eine Wärmebehandlung in der Erwerbsgärtnerei die Keimruhe bricht; dieses Verfahren ermöglicht etwa 80 % Keimerfolg. Nach dem Auspflanzen setzt der Ertrag nach etwa 3 Jahren ein und erreicht nach 7 bis 8 Jahren sein volles Niveau. Die kommerzielle Nutzung dauert anschließend ungefähr 25 Jahre, bevor die Palme ersetzt wird. 6 7
Verwendung und Risiken
Aus einem Fruchtstand werden zwei verschiedene Öle gewonnen: Palmöl aus dem Fruchtfleisch und Palmkernöl aus dem Samen, ungefähr im Verhältnis 9 zu 1. Die wichtigste Verwendung liegt in verarbeiteten Lebensmitteln und Kosmetika. Die Seifenherstellung bildet daneben einen weiteren, weniger bedeutenden industriellen Absatzbereich. 7 5
Zu den traditionellen Nutzungen Westafrikas gehört Palmwein aus vergorenem Saft eines abgeschnittenen Blütenstands. Auch das Palmherz, die als Gemüse genutzte Endknospe, wird geerntet. Ihre Entnahme tötet die Palme, denn diese einstämmige Art besitzt keine seitlichen Erneuerungstriebe. 5 7
Für Menschen oder Haustiere wird Elaeis guineensis nach den verfügbaren Angaben nicht als giftig eingestuft. Die Useful Tropical Plants Database nennt keine dokumentierten Gefahren. Das wichtigste belegte Umweltrisiko betrifft die jüngere Ausweitung von Monokulturen in Südostasien, die mit Verlusten an Regenwald und natürlichen Lebensräumen verbunden ist. Diese Landnutzungsfrage unterscheidet sich von der Ökologie der Art in ihrem natürlichen Areal. 7 4
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Für den Handel sind drei Fruchttypen besonders bedeutsam: Dura mit dicker Schale und geringem Ölertrag, Pisifera ohne Schale und meist mit weiblicher Sterilität sowie Tenera, ihre Hybride. Die dünne Schale und das reichliche Fruchtfleisch haben Tenera seit den 1960er-Jahren zum vorherrschenden Typ in Plantagen gemacht. 4 3
In Lateinamerika gewinnen die zwischenartlichen OxG-Hybriden mit Elaeis oleifera an Bedeutung. Sie wachsen langsamer in die Höhe und vertragen Knospenfäule besser. Dafür fällt ihr Ölertrag häufig geringer aus als bei reinem Tenera-Material; der agronomische Vorteil ist somit mit einer Ertragseinbuße verbunden. 3 4
Am ehesten lässt sich die Ölpalme mit Elaeis oleifera verwechseln. Deren deutlich kürzerer, oft niederliegender Stamm unterscheidet sich vom aufrechten Stamm der afrikanischen Art. Junge Pflanzen können auch einer Kokospalme ähneln. Die Früchte schaffen Klarheit: dichte Fruchtstände aus eiförmigen Früchten bei der Ölpalme stehen den einzelnen, viel größeren Nüssen von Cocos nucifera gegenüber. 4
Hauptquellen
Häufig gestellte Fragen
Ist die Ölpalme für Katzen und Hunde giftig?
Nein. Elaeis guineensis wird nach den verfügbaren Angaben weder für Haustiere noch für Menschen als giftig eingestuft. In den Referenzdatenbanken sind keine dokumentierten Fälle verzeichnet.
Was unterscheidet Palmöl von Palmkernöl?
Palmöl stammt aus dem Fruchtfleisch, dem Mesokarp. Palmkernöl wird aus dem Samen innerhalb der harten Schale gewonnen. Ein Fruchtstand liefert beide Öle, ungefähr im Verhältnis 9 zu 1 zugunsten des Palmöls.
Was bedeuten Dura, Pisifera und Tenera?
Diese drei Fruchttypen unterscheiden sich durch die Schalendicke. Dura ist dickschalig, Pisifera schalenlos. Tenera ist ihre Hybride und verbindet eine dünne Schale mit viel Fruchtfleisch; sie stellt heute den größten Teil des Pflanzmaterials.
Woher stammt die Ölpalme?
Ihr natürliches Areal liegt an der Atlantikküste West- und Zentralafrikas, von Senegal bis Angola. Fast die gesamte heutige Produktion stammt dagegen aus Südostasien, wohin die Art im 19. Jahrhundert eingeführt wurde.
Wann ist die erste Ernte möglich?
Meist beginnt die Ernte 3 Jahre nach dem Auspflanzen. Der volle Ertrag wird nach etwa 7 bis 8 Jahren erreicht. Die kommerzielle Nutzung dauert anschließend ungefähr 25 Jahre.
Warum werden Ölpalmen regelmäßig neu gepflanzt?
Mit zunehmendem Alter wird der Stamm für eine effiziente Ernte von Hand zu hoch. Deshalb werden Plantagen etwa alle 25 Jahre erneuert, unabhängig vom Gesundheitszustand der Palmen.
Ähnelt die Ölpalme einer Kokospalme?
Beide haben einen einzelnen geringelten Stamm und gefiederte Blätter. Die Früchte unterscheiden sich deutlich: Ölpalmen tragen große dichte Fruchtstände, während die einzelne Kokosnuss viel größer ist.
Ähnliche Pflanzen
Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.



