Kanarische Dattelpalme (Phoenix canariensis, )
Kanarische Dattelpalme (Phoenix canariensis) ist eine auf den Kanarischen Inseln endemische Palme der Arecaceae. Ihr kräftiger Einzelstamm und die dichte Krone mit mehr als hundert Wedeln machen sie zu einer der weltweit häufigsten Zierpalmen, vom Mittelmeer bis Kalifornien. Anders als bei der oft mit ihr verwechselten Echten Dattelpalme bleiben ihre Früchte klein und wenig schmackhaft.
WeiterlesenKanarische Dattelpalme, Canary Island date palm und Palmera canaria
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Weltweite Verbreitung
Phoenix canariensis ist ausschließlich auf den Kanarischen Inseln heimisch und dort endemisch. Seit dem späten 19. Jahrhundert weit im Gartenbau verbreitet, ist die Art in mehreren mediterranen oder subtropischen Gebieten eingebürgert und teils invasiv geworden, besonders in Kalifornien und Australien.
- Heimisch1
- Eingeführt2
- Invasiv3
- Kanarische Inseln (Spanien)
- Spanisches Festland
- Marokko
- Kalifornien (USA)
- Australien
- Neuseeland
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Kanarische Dattelpalme (Phoenix canariensis H.Wildpret, 1882) ist eine auf den Kanarischen Inseln streng endemische Palme der Arecaceae. Anders als bei der verwandten Echten Dattelpalme, deren Ursprung mangels bestätigter Wildpopulationen unklar bleibt, ist ihr natürliches Areal eng begrenzt. Genau darauf verweist das Artepitheton canariensis. 1 7
Bis zum altgriechischen φοῖνιξ lässt sich der Gattungsname Phoenix zurückverfolgen. Theophrast bezeichnete damit bereits Dattelpalmen, vermutlich in Anspielung auf die Phönizier, die diese Bäume im Mittelmeerraum verbreiteten. Das geschah lange vor Wildprets wissenschaftlicher Beschreibung von 1882. 8
Erkennung
Der kräftige Einzelstamm kennzeichnet Phoenix canariensis auch ohne Blüten oder Früchte. Er erreicht mehr als 60 cm Durchmesser und 10 bis 20 m Höhe; für besonders alte Exemplare werden bis 36 m angegeben. In gemäßigter Kultur bildet die Kanarische Dattelpalme im Unterschied zur Echten Dattelpalme keine Basalschösslinge und bleibt zeitlebens einzeln. 2
Beim Vergleich beider Arten hilft die Zahl der Wedel: Die Kanarische Dattelpalme besitzt gewöhnlich 75 bis 125, ein außergewöhnliches Exemplar an der Côte d’Azur sogar mehr als 400; Phoenix dactylifera trägt nur 30 bis 40. Jeder 4 bis 6 m lange Wedel hat beiderseits der Blattspindel 80 bis 100 kräftig grüne Fiedern. Die untersten verhärten zu starren, scharfen Dornen. 3
Reife Früchte sind oval und gelb bis orange, nur etwa 2 cm lang und 1 cm dick. Damit bleiben sie viel kleiner als Handelsdatteln. Das dünne Fruchtfleisch ist essbar, aber wenig süß, weshalb eine Ernte in großem Maßstab fast nie erfolgt. 4
Nützliche Taxonomie
Lange wurde diese Palme mit ihrer kultivierten Verwandten verwechselt. Der 1885 von Webb ex Christ veröffentlichte Name Phoenix jubae geht auf eine 1847 als Phoenix dactylifera var. jubae beschriebene Varietät zurück. Zunächst galt die Kanarische Dattelpalme somit als Form der Echten Dattelpalme, bevor sie als eigene Art anerkannt wurde. Wichtige Synonyme sind:
- Phoenix jubae (Webb & Berthel.) Webb ex Christ, botanisches Synonym
- Phoenix cycadifolia Regel, botanisches Synonym
- Phoenix erecta Sauv., botanisches Synonym
- Phoenix tenuis B.S.Williams, botanisches Synonym
- Phoenix senegalensis Lesch. ex André, botanisches Synonym
- Phoenix canariensis var. porphyrococca Vasc. & Franco, botanisches Synonym
Gegenüber historischen Synonymen wie Phoenix jubae oder Phoenix cycadifolia bietet der akzeptierte Name Phoenix canariensis H.Wildpret die zuverlässigste taxonomische Zuordnung. Im Gartenhandel wird die Urheberschaft gelegentlich fälschlich Chabaud zugeschrieben. 1 7
Lebensraum und Verbreitung
Auf den Kanaren besiedelt die Art einen Übergangsbereich zwischen Lorbeer- oder höher gelegenem Kiefernwald und trockenheitsangepasster Küstenvegetation. Er reicht vom Meeresspiegel bis etwa 1200 m. Diese Zwischenstellung erklärt ihre Verträglichkeit sowohl feuchter Luft als auch trockener, mineralischer Substrate. 4
Seit dem späten 19. Jahrhundert, also seit mehr als 130 Jahren, wird Phoenix canariensis in großem Umfang gärtnerisch verbreitet. In mehreren mediterranen oder subtropischen Regionen ist sie eingebürgert und stellenweise invasiv. An Kaliforniens Küste verdrängt sie heimische Vegetation; dokumentiert sind die Verdrängung einheimischer Bäume und Veränderungen des Wasserhaushalts einzelner Fließgewässer. Vergleichbare Störungen werden aus Australien und Neuseeland gemeldet. 6
Für das französische Festland wird dagegen vor allem die häufige Zierpflanzung am Mittelmeer beschrieben. Eine großflächige Einbürgerung wie in Kalifornien ist dort nicht dokumentiert. 2
Lebenszyklus und Vermehrung
Getrennte männliche und weibliche Pflanzen machen Phoenix canariensis zu einer zweihäusigen Art. Beide Blütengeschlechter kommen nie auf derselben Pflanze vor. Der Blütenstand steckt zunächst in einer holzigen, 60 bis 100 cm langen Spatha. Bei ausgewachsenen Exemplaren verlängert sich sein Stiel bis zur Reife auf 1,6 bis 2 m. 3
Besonders ausgeprägt ist das langsame Jugendwachstum bei ausgepflanzten Exemplaren. Rund fünfzehn Jahre vergehen, bis der sichtbare Stamm kaum mehr als 3 m erreicht. Zunächst fließt die Energie vorwiegend in Wurzeln und den bodennahen Blattschopf. 2
Fast ausschließlich erfolgt die Vermehrung durch Aussaat. Bei anhaltender Wärme keimen die Samen innerhalb von 1 bis 2 Monaten. Ohne nutzbare Basalschösslinge wie bei der Echten Dattelpalme bleibt dies die einzige Methode für kräftige Jungpflanzen. 4
Nutzen und Risiken
Die wichtigste Verwendung ist die Zierpflanzung in städtischen Alleen und mediterranen Gärten, während der ersten Jahre auch im Topf, sofern das Klima geeignet ist. 1897 pflanzte Healdsburg in Kalifornien die Art auf dem zentralen Platz, um ein tropisches Stadtbild zu schaffen. Diese Nutzung trug stark zu ihrer Verbreitung an der amerikanischen Westküste bei. 2
Für Hunde, Katzen und Pferde führt die ASPCA Phoenix-Palmen einschließlich der Kanarischen Dattelpalme als ungiftig. Dennoch sind Verletzungen durch die starren Dornen der unteren Blattfiedern gut dokumentiert, besonders beim Rückschnitt. 5
Zu den wichtigsten Bedrohungen gehört der Rote Palmrüssler, der Anfang der 2000er Jahre Europa erreichte. Er zerstört die Endknospe und kann erwachsene, besonders unbeobachtete Pflanzen innerhalb weniger Jahre töten. Fusarium-Welke und tödliche Vergilbung gehören ebenfalls zu den gefürchteten Krankheiten; bei befallener Krone fehlt eine verlässlich heilende Behandlung. 3
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Weit verbreitete Gartensorten besitzt die Art nicht. Die von den Kapverden gemeldete var. porphyrococca mit dunkleren Früchten und der teils für dieselben Populationen verwendete Name Phoenix atlantica sind umstrittene taxonomische Fälle und keine üblichen Gartenauslesen. 1
Vier andere Palmen verursachen häufig Verwechslungen. Phoenix dactylifera, die Echte Dattelpalme, hat einen schlankeren Stamm, bildet Basalschösslinge und liefert Handelsdatteln. Phoenix sylvestris, die wilde indische Dattelpalme, wird hauptsächlich wegen ihres süßen Safts genutzt. Phoenix roebelenii, die Zwerg-Dattelpalme, bleibt mit höchstens 3 m deutlich unter den 10 bis 20 m dieser Art und wird als Zimmerpflanze verkauft. Washingtonia besitzt einen ähnlichen Stamm, aber fächerförmige, handförmig geteilte statt gefiederte Wedel, die eine andere Verwandtschaftslinie erkennen lassen.
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Phoenix canariensis H.Wildpret
- Missouri Botanical Garden Plant Finder, Phoenix canariensis
- Royal Horticultural Society, Phoenix canariensis
- Plants For A Future, Phoenix canariensis
- ASPCA, Kanarische Dattelpalme (Phoenix canariensis), Giftigkeit
- Global Invasive Species Database (IUCN SSC), Phoenix canariensis
- INPN, Phoenix canariensis (Chabaud) hort. ex H.Wildpret, 1882
- Antropocene, Phoenix, Systematik und Etymologie der Gattung
Häufig gestellte Fragen
Ist Phoenix canariensis giftig für Hunde und Katzen?
Nein. Die ASPCA stuft Phoenix-Palmen einschließlich der Kanarischen Dattelpalme als ungiftig für Hunde, Katzen und Pferde ein. Die unteren, zu starren Dornen umgebildeten Blattfiedern bergen dennoch ein Verletzungsrisiko.
Kann man Früchte der Kanarischen Dattelpalme essen?
Grundsätzlich ja. Das orange Fruchtfleisch ist essbar, aber dünn und verglichen mit echten Datteln wenig süß. Die Früchte werden kaum gehandelt. Als tatsächliche Nahrungsnutzung dient vor allem der auf La Gomera zu Palmhonig verarbeitete Saft.
Wie unterscheiden sich Phoenix canariensis und Phoenix dactylifera?
Die Kanarische Dattelpalme hat einen kräftigeren Einzelstamm ohne Basalschösslinge und eine viel dichtere Krone mit 75 bis 125 statt 30 bis 40 Wedeln. Ihre Früchte sind klein und wenig schmackhaft; Phoenix dactylifera liefert Handelsdatteln.
Warum wächst die Kanarische Dattelpalme so langsam?
In den ersten 10 bis 15 Jahren bleibt der Stamm unsichtbar, während die Pflanze vor allem Wurzeln und einen bodennahen Blattschopf bildet. Ausgepflanzt braucht sie bis zur Endgröße 15 bis 30 Jahre. Daher sind große verpflanzte Exemplare teuer.
Ist die Kanarische Dattelpalme invasiv?
Ja, in mehreren mediterranen oder subtropischen Regionen, besonders an Kaliforniens Küste und in Australien. Dort bürgert sie sich an Fließgewässern ein und verdrängt heimische Vegetation. Auf dem französischen Festland bleibt sie bislang eine Kulturpflanze ohne großflächig dokumentierte Einbürgerung.
Welche Gefahren bedrohen die Kanarische Dattelpalme?
Der zu Beginn der 2000er Jahre nach Europa gelangte Rote Palmrüssler zerstört die Endknospe und kann erwachsene Pflanzen in wenigen Jahren töten. Gefürchtet sind außerdem Fusarium-Welke und tödliche Vergilbung. Ist die Krone betroffen, gibt es keine verlässlich heilende Behandlung.
Woher stammt der Name Phoenix canariensis?
Das Artepitheton canariensis bezeichnet die Herkunft von den Kanarischen Inseln. Phoenix stammt aus dem Altgriechischen und bezeichnete schon bei Theophrast Dattelpalmen, lange vor Hermann Wildprets botanischer Beschreibung der Art 1882.
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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.






