Indigopflanze (Indigofera tinctoria, L. 1753)

Indigopflanze (Indigofera tinctoria) ist ein Halbstrauch aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae), der im tropischen Afrika und vom indischen Subkontinent bis Indochina heimisch ist. Seine indicanreichen Blätter lieferten jahrtausendelang den wichtigsten blauen Farbstoff des weltweiten Textilhandels, bis die chemische Synthese den natürlichen Indigo Ende des 19. Jahrhunderts fast vollständig verdrängte.

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Wissenschaftlicher NameIndigofera tinctoria
GattungIndigofera
OrdnungFabales

Indigopflanze und True indigo

Identität
Toxizität
Keine bekannte Giftigkeit für Katzen und Hunde; Vorsicht bei Vieh
Pflegeaufwand
Mäßig
Pflanzenart
Strauch · Strauch
Blattart
Halbimmergrün
Lebensdauer
Mehrjährig
Herkunft
IndienTansaniaSüdafrikaVietnam
Lebensraum
Brachen, Feldränder und arme, durchlässige Böden warmer Klimate mit ausgeprägter Trockenzeit
Jahresverlauf
Blütezeit
Sommer
Erntezeit
SommerHerbst
Wachstum
Ruhephase
Keine Ruhephase
Wuchsgeschwindigkeit
7/10
Reifezeit
Blüte im ersten warmen Jahr, Blatternte ab dem zweiten Jahr
Vermehrung
Aussaat, Steckling
Klima & Wasser
Temperatur
Winterhärte
Windverträglichkeit
Mäßig, geschützten Standort bevorzugen
Luftfeuchtigkeit
40–70 %
Wasserbedarf
Sehr wenig
Wenig
Mittel
Hoch
Sehr hoch
Trockenheitsverträglichkeit
Ja
Boden
Boden-pH-Wert
Bodenarten
Entwässerter Boden, Ton, Schluff oder Sand
Salzhaltiger Boden
Wird nicht vertragen
Licht & Standort
Lichtverhältnisse

Volle Sonne

In die volle Sonne mit intensivem direktem Licht den ganzen Tag stellen.

Innenbereich
Veranda, Warmhaus
Abstand zum Fenster
Etwa 40 cm vom Südfenster für im Haus überwinterte Topfpflanzen
Außenbereich
Beet in voller Sonne, Pflanzgefäß
Pflanzgefäße
Terrakotta, Abflusstopf
Erscheinungsbild
Höhe100–250 cmBreite100–250 cm
Blätter
Grün
Indigopflanze (Indigofera tinctoria): Herkunft und Verwendung — blätter 1
Indigopflanze (Indigofera tinctoria): Herkunft und Verwendung — blätter 2
Indigopflanze (Indigofera tinctoria): Herkunft und Verwendung — blätter 3
Indigopflanze (Indigofera tinctoria): Herkunft und Verwendung — blätter 4
Indigopflanze (Indigofera tinctoria): Herkunft und Verwendung — blätter 5
Blüten
RosaRot
Indigopflanze (Indigofera tinctoria): Herkunft und Verwendung — blüten 1
Indigopflanze (Indigofera tinctoria): Herkunft und Verwendung — blüten 2
Indigopflanze (Indigofera tinctoria): Herkunft und Verwendung — blüten 3
Indigopflanze (Indigofera tinctoria): Herkunft und Verwendung — blüten 4
Indigopflanze (Indigofera tinctoria): Herkunft und Verwendung — blüten 5
Früchte
Braun
Indigopflanze (Indigofera tinctoria): Herkunft und Verwendung — früchte 1
Indigopflanze (Indigofera tinctoria): Herkunft und Verwendung — früchte 2
Indigopflanze (Indigofera tinctoria): Herkunft und Verwendung — früchte 3
Indigopflanze (Indigofera tinctoria): Herkunft und Verwendung — früchte 4
Indigopflanze (Indigofera tinctoria): Herkunft und Verwendung — früchte 5
Wuchsform
Indigopflanze (Indigofera tinctoria): Herkunft und Verwendung — wuchsform 1
Indigopflanze (Indigofera tinctoria): Herkunft und Verwendung — wuchsform 2
Indigopflanze (Indigofera tinctoria): Herkunft und Verwendung — wuchsform 3
Indigopflanze (Indigofera tinctoria): Herkunft und Verwendung — wuchsform 4
Indigopflanze (Indigofera tinctoria): Herkunft und Verwendung — wuchsform 5
Rinde
GrünBraun
Indigopflanze (Indigofera tinctoria): Herkunft und Verwendung — rinde 1
Indigopflanze (Indigofera tinctoria): Herkunft und Verwendung — rinde 2
Indigopflanze (Indigofera tinctoria): Herkunft und Verwendung — rinde 3
Indigopflanze (Indigofera tinctoria): Herkunft und Verwendung — rinde 4

Weltweite Verbreitung

Das dokumentierte natürliche Areal reicht vom tropischen Westafrika bis Tansania und ins südliche Afrika sowie vom indischen Subkontinent bis Indochina. Jahrtausendelanger Anbau als Färbepflanze hat diese Grenzen verwischt; manche Quellen vermuten den Ursprung in China und im tropischen Asien, ohne die Frage abschließend zu klären. Einführungen und Einbürgerungen sind deshalb vom ursprünglichen Areal zu unterscheiden.

  • Heimisch4
  • Eingeführt1
  • Invasiv1
  • Indien
  • Tansania
  • Südafrika
  • Vietnam
  • Vereinigte Staaten
  • Australien

Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1

Identität

Indigopflanze (Indigofera tinctoria L., 1753) bezeichnet einen Halbstrauch der Gattung Indigofera aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae), Unterfamilie Faboideae. Auch der englische Name True indigo verweist auf den blauen Farbstoff, den die Blätter jahrtausendelang lieferten. Erst Ende des 19. Jahrhunderts verdrängten synthetische Farbstoffe den natürlichen Indigo fast vollständig. 1 2

Mit tinctoria, „zum Färben dienend“, beschreibt das Artepitheton eine Verwendung und keine sichtbare Farbe der lebenden Pflanze. Die Blätter werden erst durch Gärung und Oxidation an der Luft blau. Historische Bezeichnungen wie „Indigo aus Indien“ erinnern an den indischen Subkontinent als wichtigen Produktionsraum, obwohl die Art auch im tropischen Afrika wild wächst. 3

Erkennung

Aufrechte, 1 bis 2,5 m hohe Halbsträucher oder Sträucher mit etwa gleicher Breite kennzeichnen Indigofera tinctoria. Kurze seidige Haare bedecken die feinen Zweige. Die unpaarig gefiederten Blätter besitzen 7 bis 13 ovale Fiederblättchen, oben hellgrün und unterseits noch heller. Das lockere Laub unterscheidet die Indigopflanze von dichter belaubten Sträuchern derselben Familie. 2 3

Kleine rosa bis rotviolette Schmetterlingsblüten stehen je nach Population in kurzen achselständigen Trauben und öffnen sich vorwiegend während der warmen Jahreszeit. Die für Hülsenfrüchtler typische Blütenform geht später in schmale, leicht gebogene braune Hülsen über. Jede Hülse enthält 7 bis 10 Samen. 5

Zerriebene oder getrocknete Blätter färben sich allmählich blau. Diese einfache Beobachtung hilft bereits vor der Blüte bei der Bestimmung: Sichtbar wird die Umwandlung des enthaltenen farblosen Indicans, eines Vorläufers von Indigotin. 2

Nützliche Taxonomie

POWO/WCVP akzeptiert Indigofera tinctoria L. Dasselbe Epitheton verwendeten jedoch auch andere Botaniker für deutlich andere Pflanzen. Ältere Kataloge können deshalb folgende Namen enthalten:

  • Indigofera tinctoria Forssk., 1775, tatsächlich Indigofera articulata Gouan zugeordnet, einem Halbstrauch von der Sahara bis Pakistan;
  • Indigofera tinctoria Chapm., 1860, tatsächlich Indigofera sphaerocarpa A.Gray zugeordnet, einer Art aus Arizona und Nordmexiko;
  • Anil tinctoria (L.) Kuntze, ein direktes Synonym derselben Pflanze.

Wegen dieser gleichlautenden Namen bleibt das vollständige Binomen mit Autorenangabe, Indigofera tinctoria L., der verlässliche Bezugspunkt. Das Epitheton allein reicht zur eindeutigen Zuordnung nicht aus. 1 6

Lebensraum und Verbreitung

Zwei Schwerpunkte umfasst das dokumentierte natürliche Areal: das tropische Westafrika bis Tansania und ins südliche Afrika sowie den indischen Subkontinent bis Indochina. Jahrtausendelange Färbekultur hat die ursprünglichen Grenzen verwischt. Mehrere Quellen vermuten einen Ursprung in China und im tropischen Asien, ohne die Frage abschließend zu klären. 1 3

Brachen, Feldränder und arme, gut durchlässige Böden warmer Klimate mit ausgeprägter Trockenzeit besiedelt die Indigopflanze bevorzugt. Außerhalb ihres ursprünglichen Areals ist sie seit Langem eingeführt. Im Norden Australiens wurde sie eingebürgert; im östlichen Queensland und in der Region Daintree tritt sie örtlich als Unkraut gestörter Flächen auf. 5

In den USDA-Zonen 10 bis 12 braucht die Indigopflanze während des aktiven Wachstums einen frisch bleibenden Boden, im Winter ohne Staunässe. Unter 5 °C kann Frost zum Blattverlust führen und den Austrieb im folgenden Frühjahr verzögern, sofern der Wurzelstock nicht gemulcht oder geschützt überwintert wird. 3

Lebenszyklus und Vermehrung

Sommerblüte und rasches Wachstum bei Wärme prägen die Indigopflanze in den meisten Anbauklimaten. Unter 15 °C verlangsamt sich das Wachstum deutlich. Wie die meisten Hülsenfrüchtler lebt sie mit stickstoffbindenden Rhizobien in Wurzelknöllchen zusammen und reichert dadurch den Boden auch ohne Düngergaben an. 2

Direkt ins Freiland gesäte Samen keimen bei warmem Klima meist innerhalb weniger Tage. Das ist deutlich schneller als bei vielen verholzenden Sträuchern und erklärt die Verwendung als rasch etablierte Bodenbedeckung. 2

Zur Vermehrung eignen sich Aussaat mit rascher Keimung bei Wärme und Stecklinge halbreifer Triebe. In der Landwirtschaft dient die Art zudem als Gründüngung und Bodendecker in Reisfeldern. Dort kann sie den Bedarf an synthetischem Stickstoffdünger um etwa 50 % verringern. 2

Nutzen und Risiken

Die Gewinnung von blauem Farbstoff bleibt die historisch wichtigste Nutzung. Vor der Vollblüte geerntete Blätter besitzen besonders viel Indican; durch Gärung und Oxidation an der Luft fällt blaues Indigotin aus. Natürlicher Indigo beherrschte den weltweiten Handel mit blauem Textilfarbstoff bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, unter anderem über Bengalens koloniale Plantagen. Dann ersetzte die industrielle chemische Synthese den Pflanzenfarbstoff fast vollständig. 3

Für übliche Haustiere ist keine nennenswerte Giftigkeit verzeichnet. In der Gattung Indigofera kommt jedoch Indospicin vor, eine leberschädigende Aminosäure, die bei anderen Arten gut dokumentiert ist und Weidevieh vergiften kann. Fütterungsversuche mit I. tinctoria selbst zeigten bei mäßiger Dosierung allerdings keine nachteiligen Wirkungen auf Rinder. 7 9

Ein ethanolischer Blattextrakt zeigte in Untersuchungen zur traditionellen tiermedizinischen Nutzung eine messbare wurmwidrige Wirkung gegen Magen-Darm-Strongyliden bei Schafen. Sie blieb jedoch hinter der Wirkung des Vergleichsmittels Albendazol zurück. 8

Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen

Als botanische Referenzform gilt allein Indigofera tinctoria var. tinctoria, die von POWO/WCVP akzeptierte Typusvarietät. Historische Handelsnamen wie Indigo aus Bengalen und Indigo aus Guatemala bezeichnen landwirtschaftliche Herkünfte und keine registrierten Sorten. 1

Besonders leicht verwechselt man die Art mit anderen zur Färbung genutzten Indigofera-Arten, etwa Indigofera suffruticosa in Amerika und Indigofera arrecta in Ostafrika. Aussehen und Nutzung ähneln sich stark. Färberwaid, Isatis tinctoria, liefert denselben blauen Farbstoff über einen anderen chemischen Weg, gehört aber zu den Brassicaceae. Trotz der gemeinsamen Färbenutzung besteht keine botanische Verwandtschaft mit der Indigopflanze. 4

Hauptquellen

Häufig gestellte Fragen

Ist die Indigopflanze dasselbe wie Färberwaid?

Nein. Färberwaid, Isatis tinctoria, gehört zu den Brassicaceae und ist mit Indigofera tinctoria botanisch nicht verwandt. Beide liefern den blauen Farbstoff Indigotin, jedoch über unterschiedliche chemische Wege und aus verschiedenen Pflanzenfamilien.

Ist die Indigopflanze für Katzen und Hunde giftig?

Für die üblichen Haustiere ist keine nennenswerte Giftigkeit verzeichnet. Die Gattung Indigofera enthält allerdings Indospicin, dessen Giftwirkung bei anderen Arten gut dokumentiert ist und bei der Nutzung als Viehfutter beachtet werden muss.

Warum werden die Blätter der Indigopflanze beim Trocknen blau?

Die Blätter enthalten Indican. Dieser farblose Vorläufer wird durch Gärung und anschließende Oxidation an der Luft zu blauem Indigotin, ohne dass von außen Chemikalien zugegeben werden.

Woher stammt der Name Indigopflanze?

Indigo geht auf das lateinische indicum zurück, wörtlich „Stoff aus Indien“. Gemeint ist die historische Herkunft des nach Europa eingeführten blauen Farbstoffs.

Wird heute noch natürlicher Indigo hergestellt?

Seit der industriellen chemischen Synthese Ende des 19. Jahrhunderts ist die Produktion stark zurückgegangen. In Indien und andernorts bestehen jedoch handwerkliche Verfahren zur traditionellen Textilfärbung fort.

Kann die Indigopflanze in kühlen gemäßigten Regionen wachsen?

Sie ist unter 5 °C frostempfindlich und hält sich in den meisten kühleren Regionen nicht dauerhaft im Freiland. Üblich sind Topfkultur mit Überwinterung im Haus oder sehr milde, geschützte Standorte.

Welche Pflanzen werden mit der Indigopflanze verwechselt?

Häufig sind es andere Färbepflanzen der Gattung, etwa Indigofera suffruticosa und Indigofera arrecta. Wegen desselben Färbezwecks wird auch der botanisch nicht verwandte Färberwaid, Isatis tinctoria, verwechselt.

Ähnliche Pflanzen

Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.