Gift-Lattich (Lactuca virosa, L. 1753)

Gift-Lattich (Lactuca virosa L.) ist eine zweijährige Pflanze der Asteraceae, die in Frankreich auf Brachen, Schuttplätzen und an Straßenrändern häufig ist. Sein weißer, sehr bitterer Milchsaft ergibt getrocknet Lactucarium, das im 19. Jahrhundert als mildes Beruhigungsmittel und Opiumersatz diente. Verwechslungen mit dem nahe verwandten Stachel-Lattich (Lactuca serriola) sind häufig.

Weiterlesen
Wissenschaftlicher NameLactuca virosa
GattungLactuca
OrdnungAsterales

Gift-Lattich, Wilder Lattich, Stinklattich, Wild lettuce, Bitter lettuce und Opium lettuce

Identität
Toxizität
Vorsicht : Menschen, darunter Kinder · Unbekannt : Katzen, Hunde, Pferde und Tiere
Pflegeaufwand
Niedrig
Pflanzenart
Kräuterartig · Wildpflanze
Blattart
Laubabwerfend
Lebensdauer
Zweijährig
Herkunft
FrankreichMediterranes und gemäßigtes EuropaMakaronesien (Madeira)NordafrikaVereinigtes Königreich
Lebensraum
Brachen, Schuttplätze, Straßenränder, Äcker und Gärten; stickstoffreiche Böden, oft nahe Siedlungen
Jahresverlauf
Blütezeit
Sommer
Erntezeit
FrühlingSommer
Wachstum
Ruhephase
Keine Ruhephase
Wuchsgeschwindigkeit
7/10
Reifezeit
Rosette im 1. Jahr; Blütenstängel und Fruchtbildung im 2. Jahr
Vermehrung
Aussaat
Klima & Wasser
Temperatur
Winterhärte
Windverträglichkeit
Gut, sobald der Stängel gegen Zyklusende verholzt ist
Luftfeuchtigkeit
40–70 %
Wasserbedarf
Sehr wenig
Wenig
Mittel
Hoch
Sehr hoch
Trockenheitsverträglichkeit
Ja
Boden
Boden-pH-Wert
Bodenarten
Entwässerter Boden, Gestörter Boden, Reicher Boden
Salzhaltiger Boden
Wird nicht vertragen
Licht & Standort
Lichtverhältnisse

Volle Sonne

Täglich einige Stunden direkte Sonne ermöglichen, vorzugsweise morgens oder abends.

Außenbereich
Straßenrand, Städtisches Brachland, Kontrolliertes Brachland, Grabenrand
Pflanzgefäße
Großes Becken, Terrakotta
Erscheinungsbild
Höhe50–200 cmBreite30–60 cm
Blätter
Grün
Gift-Lattich (Lactuca virosa): Herkunft und Verwendung — blätter 1
Gift-Lattich (Lactuca virosa): Herkunft und Verwendung — blätter 2
Gift-Lattich (Lactuca virosa): Herkunft und Verwendung — blätter 3
Gift-Lattich (Lactuca virosa): Herkunft und Verwendung — blätter 4
Gift-Lattich (Lactuca virosa): Herkunft und Verwendung — blätter 5
Blüten
GelbGröße1–1.5 cm
Gift-Lattich (Lactuca virosa): Herkunft und Verwendung — blüten 1
Gift-Lattich (Lactuca virosa): Herkunft und Verwendung — blüten 2
Gift-Lattich (Lactuca virosa): Herkunft und Verwendung — blüten 3
Gift-Lattich (Lactuca virosa): Herkunft und Verwendung — blüten 4
Gift-Lattich (Lactuca virosa): Herkunft und Verwendung — blüten 5
Früchte
SchwarzViolett
Gift-Lattich (Lactuca virosa): Herkunft und Verwendung — früchte 1
Gift-Lattich (Lactuca virosa): Herkunft und Verwendung — früchte 2
Wuchsform
Gift-Lattich (Lactuca virosa): Herkunft und Verwendung — wuchsform 1
Gift-Lattich (Lactuca virosa): Herkunft und Verwendung — wuchsform 2
Gift-Lattich (Lactuca virosa): Herkunft und Verwendung — wuchsform 3
Gift-Lattich (Lactuca virosa): Herkunft und Verwendung — wuchsform 4
Gift-Lattich (Lactuca virosa): Herkunft und Verwendung — wuchsform 5
Rinde
GrünViolett
Gift-Lattich (Lactuca virosa): Herkunft und Verwendung — rinde 1
Gift-Lattich (Lactuca virosa): Herkunft und Verwendung — rinde 2
Gift-Lattich (Lactuca virosa): Herkunft und Verwendung — rinde 3
Gift-Lattich (Lactuca virosa): Herkunft und Verwendung — rinde 4
Gift-Lattich (Lactuca virosa): Herkunft und Verwendung — rinde 5

Weltweite Verbreitung

POWO nennt Madeira, Europa und Nordafrika als natürliches Areal von Lactuca virosa, in gemäßigtem bis mediterranem Klima. In Frankreich beschreibt Tela Botanica die Art als häufiges Wildkraut auf Ödland, Schuttplätzen und an Straßenrändern. Außerhalb des Areals dokumentiert das USDA lokale Einführungen in Nordamerika, wo die Pflanze selten und zerstreut bleibt, statt invasiv aufzutreten.

  • Heimisch5
  • Eingeführt2
  • Europäisches Frankreich
  • Mediterranes und gemäßigtes Europa
  • Makaronesien (Madeira)
  • Nordafrika
  • Vereinigtes Königreich
  • Nordamerika
  • Australien

Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1

Identität

Gift-Lattich (Lactuca virosa L., 1753) ist eine zweijährige Pflanze der Asteraceae und gehört wie der deutlich weniger bittere Gartensalat zur Gattung Lactuca. Das lateinische Artepitheton virosa bedeutet „giftig“ oder „übel riechend“. Es verweist auf den sehr bitteren, unangenehm riechenden weißen Milchsaft, auf den sich auch der französische Trivialname bezieht. 1 4

Die englische Bezeichnung wild lettuce gilt sowohl für diese Art als auch für ihren nahen Verwandten Lactuca serriola, den Stachel-Lattich. Opium lettuce erinnert an eine medizinische Nutzung im 19. Jahrhundert: Getrockneter Milchsaft ersetzte damals gelegentlich Opium in bestimmten Behandlungen. Deutsche Namen sind außerdem Wilder Lattich und Stinklattich. 7

Erkennung

Zunächst bildet Lactuca virosa eine grundständige Rosette aus blaugrünen Blättern. Sie misst 15 bis 40 cm im Durchmesser und besitzt eine tiefe Pfahlwurzel. Im zweiten Jahr wächst ein kräftiger, steif behaarter, an der Basis oft violetter Stängel bis 2 m hoch. Damit erreicht er fast das Fünffache der Rosettenbreite. 4 5

Sitzende, stängelumfassende Blätter haben gezähnte bis buchtige Ränder. Stacheln sitzen am Rand und auf der unterseits sichtbaren, pyramidenförmig erhabenen Mittelrippe. Ein verletzter Stängel gibt übel riechenden weißen Milchsaft ab, der an der Luft schwärzlich wird. Vor der Blüte ist dieses Merkmal zuverlässiger als der Blattumriss allein. 4

Von Juli bis September erscheinen kleine gelbe Blütenkörbchen in einer lockeren Schirmrispe, ohne auffällige Schauwirkung. Die folgenden Achänen sind purpurschwarz. Ihr weißer Pappus ermöglicht die Verbreitung durch Wind. 5

Nützliche Taxonomie

Als akzeptierte Art der Asteraceae gehört Lactuca virosa L. nach POWO zur Tribus Cichorieae, ebenso wie Löwenzahn und Wegwarte. Anerkannt werden zwei Unterarten: die Nominatunterart und Lactuca virosa subsp. cornigera (Pau & Font Quer) Emb. & Maire, die auf Marokko beschränkt ist. 1 2

Lange behandelte man Gift-Lattich lediglich als Variante des Stachel-Lattichs. Daher sind in Datenbanken noch mehrere botanische Synonyme verzeichnet:

  • Lactuca scariola subsp. virosa (L.) Maire & Petitm. – botanisches Synonym
  • Lactuca scariola proles virosa (L.) Rouy – botanisches Synonym
  • Lactuca scariola subsp. virosa (L.) Bonnier & Layens – botanisches Synonym

Die wechselnde taxonomische Abgrenzung beider Arten erklärt, warum Gift-Lattich und Stachel-Lattich im Gelände weiterhin häufig verwechselt werden. 1

Lebensraum und Verbreitung

Madeira, Europa und Nordafrika bilden laut POWO das natürliche Areal des Gift-Lattichs. Dort wächst er in gemäßigtem bis mediterranem Klima. 1

Für Frankreich nennt Tela Botanica häufige Vorkommen auf Ödland, Schuttplätzen, an Straßenrändern, auf Äckern und in Gärten. Die Art bevorzugt deutlich stickstoffreiche Böden. Entsprechend wächst sie gern auf Ablagerungsflächen und nahe Bauernhöfen, wo der Stickstoff im Boden die Keimung begünstigt. 4

Außerhalb des natürlichen Areals wurde Gift-Lattich nach Nordamerika eingeführt. Das USDA dokumentiert ihn in Kalifornien, Alabama, Iowa und Washington sowie in Australien. Dort bildet er eher zerstreute Bestände, statt invasiv aufzutreten. 6

Lebenszyklus und Vermehrung

Beim zweijährigen Gift-Lattich entsteht die Rosette im ersten Jahr, in mildem Klima oft schon im Februar oder März. Sie bleibt ohne ausgeprägte Ruhephase den ganzen Winter grün, was den Entwicklungszyklus gegen Spätfröste schützt. 4

Im Frühjahr des zweiten Jahres beginnt das Schossen. Die Blüte reicht je nach Klima von Juli bis Mitte August oder September. Nach der Fruchtbildung vertrocknet die gesamte Pflanze und treibt aus demselben Wurzelstock nicht wieder aus. 4

Jedes Körbchen bildet mehrere Achänen mit Pappus. Der Wind trägt sie über weite Strecken und fördert die Besiedlung benachbarter Brachen. Mähen vor der Pappusbildung verringert die Selbstaussaat deutlich. Aussaat ist die einzige bekannte Vermehrungsweise dieser Pfahlwurzelpflanze; Teilung oder Stecklinge kommen nicht infrage. 5

Nutzen und Risiken

Durch Einschnitte während der Blüte gewonnener Stängelmilchsaft ergibt getrocknet Lactucarium. Seit dem 19. Jahrhundert war es als milder Opiumersatz in bestimmten Entzugskuren bekannt. Es konzentriert zwei wirksame Sesquiterpenlactone, Lactucin und Lactucopikrin. 7

An Mäusen zeigen beide Stoffe schmerzstillende Eigenschaften, die mit Ibuprofen vergleichbar sind, sowie eine beruhigende Wirkung auf die spontane Bewegungsaktivität. Lactucopikrin erwies sich dabei als der wirksamere der beiden Stoffe. 7

Eine biomedizinische Übersicht über natürliche psychoaktive Substanzen führt Lactuca virosa unter Pflanzen mit beruhigenden Inhaltsstoffen auf, die in den meisten Ländern ohne strenge medizinische Überwachung verkauft werden. Oberhalb traditioneller Dosen berichtet ältere Literatur von Kopfschmerzen und deutlicher Schläfrigkeit. Besonders während Schwangerschaft und Stillzeit ist Vorsicht geboten. 8

Weniger bittere junge Rosettentriebe werden gelegentlich gebraten oder in sehr kleinen Mengen in gemischtem Blattsalat gegessen. Nach dem Schossen werden sie keinesfalls in großen Mengen roh verzehrt. 5

Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen

Für Lactuca virosa sind keine Gartensorten anerkannt. Die Wildpflanze wurde weder für Zierzwecke noch für den Verkauf in Baumschulen ausgelesen. 5

Besonders häufig wird Gift-Lattich mit Lactuca serriola, dem Stachel-Lattich, verwechselt. Dessen obere Blätter stehen senkrecht, sind starr und eichenblattartig gelappt. Gift-Lattich hat dagegen eher waagerechte, locker stehende Blätter. Auch die Achänen unterscheiden sich: hellbraun bei L. serriola, purpurschwarz bei L. virosa. Natürliche Kreuzungen zwischen beiden Arten können diese Merkmale verwischen. 4

Weitere ruderal wachsende Cichorieae teilen den weißen Milchsaft und ähnliche Standorte: Gemeine Wegwarte (Cichorium intybus), Löwenzahn (Taraxacum) und Gartensalat (Lactuca sativa), der auf einen nahen Vorfahren von Lactuca serriola zurückgeht. Bei diesen drei Verwandten ist der wissenschaftliche Name zuverlässiger als die bloße Blattähnlichkeit. Diese täuscht besonders bei Jungpflanzen, bevor die Blüte Klarheit schafft. 3

Hauptquellen

Häufig gestellte Fragen

Ist Gift-Lattich giftig?

Sein getrockneter Milchsaft enthält die beruhigend wirkenden Sesquiterpenlactone Lactucin und Lactucopikrin. In traditionellen Dosen wirkt er vor allem leicht schlaffördernd. Bei höheren Dosen nennt ältere Literatur Kopfschmerzen und paradoxe Unruhe. Besonders während der Schwangerschaft ist Vorsicht geboten.

Kann man Gift-Lattich und Stachel-Lattich verwechseln?

Ja, sehr häufig. Lactuca serriola hat senkrechte, starre, eichenblattartig gelappte obere Blätter und hellbraune Achänen. Lactuca virosa besitzt eher waagerechte Blätter und purpurschwarze Achänen.

Was ist Lactucarium?

Es ist der getrocknete Milchsaft aus dem Stängel von Lactuca virosa, gewonnen durch Einschnitte während der Blüte. Er konzentriert Lactucin und Lactucopikrin, zwei auf schmerzstillende und beruhigende Wirkungen untersuchte Stoffe.

Ist Gift-Lattich essbar?

Nur junge, weniger bittere Rosettentriebe werden gelegentlich gebraten oder in sehr kleinen Mengen roh gegessen. Nach dem Schossen wird die Pflanze rasch scharf und schwer verdaulich.

Wo wächst Gift-Lattich in Frankreich?

Tela Botanica beschreibt ihn als häufiges Wildkraut in ganz Frankreich, auf Ödland, Schuttplätzen, an Straßenrändern, auf Äckern und in Gärten. Stickstoffreiche Böden werden deutlich bevorzugt.

Ist Gift-Lattich mit Gartensalat verwandt?

Ja, beide gehören zur Gattung Lactuca. Der Gartensalat Lactuca sativa stammt von einem nahen Vorfahren von Lactuca serriola ab, einer direkten Verwandten von Lactuca virosa, besitzt aber nicht dasselbe beruhigende Potenzial.

Ähnliche Pflanzen

Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.