Waldgeißblatt (Lonicera periclymenum, )
Waldgeißblatt (Lonicera periclymenum) ist eine verholzende, windende Kletterpflanze aus der Familie der Caprifoliaceae, die aus West- und Südeuropa bis Marokko stammt. Seine cremeweißen bis gelben Röhrenblüten duften besonders nachts intensiv, erscheinen den ganzen Sommer und werden im Herbst von roten Beeren abgelöst.
WeiterlesenWaldgeißblatt, Deutsches Geißblatt, Wildes Geißblatt, Wald-Heckenkirsche, Woodbine und European honeysuckle
Viel Umgebungslicht bieten, ohne direkte Sonne auf den Blättern.
Wurzeln schattig, Triebspitzen sonnig bis halbschattig




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Weltweite Verbreitung
Das natürliche Areal umfasst West- und Südeuropa vom südlichen Skandinavien bis Marokko und reicht ostwärts bis in die Türkei und den Kaukasus. In Frankreich ist die Art fast überall vertreten, außer im Mittelmeerraum, wo andere Geißblattarten an ihre Stelle treten.
- Heimisch7
- Frankreich
- Vereinigtes Königreich
- Spanien
- Marokko
- Deutschland
- Norwegen
- Türkei
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Waldgeißblatt (Lonicera periclymenum L., 1753), auch Deutsches Geißblatt, Wildes Geißblatt oder Wald-Heckenkirsche genannt, ist eine verholzende, windende Kletterpflanze der Gattung Lonicera in der Familie der Caprifoliaceae. Der Gattungsname ehrt Adam Lonitzer, einen deutschen Botaniker des 16. Jahrhunderts. Das griechisch abgeleitete Epitheton periclymenum spielt auf das Umschlingen der Stütze an. 1 8
Im Vereinigten Königreich gilt das Waldgeißblatt als einzige wirklich heimische Geißblattart. Shakespeare erwähnt es unter dem englischen Namen Woodbine zweimal in Ein Sommernachtstraum. Seine Bekanntheit verdankt es vor allem dem Duft, der nach Einbruch der Dunkelheit besonders intensiv wird. European honeysuckle ist eine weitere englische Bezeichnung der Art. 7
Erkennung
Schlanke, verholzte und hohle Stängel winden sich beim Waldgeißblatt nach links um eine Stütze. Ranken und Haftorgane fehlen. Die sommergrüne Kletterpflanze erreicht gewöhnlich 3 bis 8 m Höhe bei 2 bis 4 m Breite. Sobald sie gut eingewurzelt ist, wächst sie rasch und erschließt mit ihren windenden Trieben die bereitgestellte Kletterhilfe. 3 8
Die gegenständigen, ovalen bis elliptischen Blätter besitzen kurze oder gar keine Blattstiele. Ihre Blattbasen bleiben stets getrennt, selbst unmittelbar unter den Blüten. An den Triebenden stehen dichte Quirle aus 4 bis 17 Blüten. Die röhrigen, zweilippigen Einzelblüten werden 3 bis 5 cm lang. Beim Öffnen sind sie cremeweiß bis gelblich, außen oft purpurrot getönt; mit zunehmendem Alter werden sie gelber. 7 3
Tagsüber bleibt der Duft zurückhaltend, nachts nimmt er stark zu. Dann werden Nachtfalter mit langem Rüssel angelockt, die allein den Nektar am Grund der Blütenröhre erreichen. Auf die Blüte folgen leuchtend rote Beeren in kleinen Gruppen. Ihre Reife liegt im Spätsommer und Herbst. 7
Nützliche Taxonomie
Unter Lonicera periclymenum L. führt POWO/WCVP die Art als akzeptiert. Der Name wurde 1753 in Species Plantarum veröffentlicht. Mehrere regionale Varietäten und Formen sind beschrieben worden, besonders auf der Iberischen Halbinsel und in Marokko. Dort wird die Pflanze teilweise gesondert als Lonicera periclymenum subsp. hispanica (Boiss. & Reut.) Nyman behandelt. 1 2
Für die Abgrenzung zum nah verwandten Gartengeißblatt ist die Blattstruktur entscheidend. Beim Waldgeißblatt bleiben die Blätter nahe den Blüten stets voneinander getrennt. Bei Lonicera caprifolium verwachsen die oberen Blätter dagegen zu einem Kragen um den Stängel. Dieser Unterschied ist deutlicher als die Blütenfarbe und reicht im Gelände oft schon aus, um die beiden Arten sicher auseinanderzuhalten. 4
Lebensraum und Verbreitung
Vom südlichen Skandinavien bis nach Marokko erstreckt sich das natürliche Areal in West- und Südeuropa; ostwärts reicht es bis in die Türkei und den Kaukasus. In Frankreich wächst die Art nahezu landesweit. Eine Ausnahme bildet der Mittelmeerraum, wo andere Geißblätter an ihre Stelle treten, die an trockene Sommer besser angepasst sind. 7 8
Waldsäume, ländliche Hecken, Gebüsche und schattiges Gestrüpp sind typische Wuchsorte. In der Natur meidet die Art meist stark kalkhaltige Böden. In Gartenkultur zeigt sie sich erheblich toleranter: Sie gedeiht auf tonigen, lehmigen und sandigen Böden, sowohl mit als auch ohne Kalk. Natürliches Standortverhalten und gärtnerische Bodentoleranz sind daher getrennt zu betrachten. 4 3
Drosseln und Gimpel fressen die Beeren und verbreiten die Samen nach der Verdauung. Die Haselmaus, ein kleiner Waldbewohner, nutzt die faserige Rinde für ihr Sommernest und nimmt Blütennektar auf. Außerhalb des natürlichen Areals wird die Art als Zierpflanze kultiviert und nur selten als problematisch gemeldet. Darin unterscheidet sie sich von Lonicera japonica, die in mehreren gemäßigten Regionen invasiv ist. 7
Lebenszyklus und Vermehrung
Von Juni bis September erscheinen die Blüten, bei mildem Klima gelegentlich noch bis zu den ersten Frösten. Sie sind zwittrig und selbstfruchtbar. Die Bestäubung übernehmen vor allem langrüsselige Nachtfalter, die den Nektar am Grund der tiefen Blütenröhre erreichen können. Honigbienen bleibt dieser Zugang weitgehend verwehrt. Damit hängen Blütenform und Bestäubergruppe unmittelbar zusammen. 4 7
Im Spätsommer und Herbst reifen die leuchtend roten Beeren. Die einzelnen Früchte in den kleinen Gruppen messen etwa 8 mm im Durchmesser. Gärtnerisch wird die Art hauptsächlich durch Triebstecklinge mit Knoten vermehrt, die im Sommer von halb ausgereiftem Holz geschnitten werden. Das ist schneller und zuverlässiger als die Aussaat, deren Keimung nach Kaltstratifikation langsam und unregelmäßig bleibt. 8 4
Nutzen und Risiken
Mauern, Pergolen, Drahtzäune und alte ländliche Hecken lassen sich mit Waldgeißblatt begrünen. Es dient vor allem als Zierpflanze in naturnahen und tierfreundlichen Gärten. Die klassische Standortregel lautet: Wurzeln im Schatten, Triebspitzen in der Sonne oder im lichten Halbschatten. Sie verbindet einen geschützten Wurzelbereich mit genügend Licht für die blühenden Triebe. 3 5
Getrocknete Blüten wurden früher für Tees gegen Husten und Atemwegsbeschwerden verwendet. Die roten Beeren sind schwach giftig: In größeren Mengen wirken sie beim Menschen abführend. Auch für Hunde und Katzen gelten sie als giftig und sollten deshalb außerhalb der Reichweite kleiner Kinder bleiben. Die historische Verwendung der Blüten ist von der Giftigkeit der Früchte zu unterscheiden. 4 8
Schwere Pflanzenschutzprobleme treten im Allgemeinen nicht auf. Dennoch können Geißblattblattläuse, Thripse, Weiße Fliegen und Echter Mehltau vorkommen. Letzterer entwickelt sich besonders dann, wenn der Wurzelbereich zu wenig Wasser erhält und die Luft im Inneren eines sehr dichten Triebgerüsts kaum zirkuliert. 5
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Im Gartensortiment dominieren 'Serotina' und 'Graham Thomas'. 'Serotina' blüht früh und anhaltend mit außen purpurroten Blüten. 'Graham Thomas' setzt später mit cremeweißen Blüten ein, die sich goldgelb verfärben. Beide Sorten erhielten den Award of Garden Merit der Royal Horticultural Society. Die Auslesen unterscheiden sich damit vor allem in Blühzeit und Farbwirkung. 3
Andere Kletterpflanzen in Hecken können ähnlich wirken. Das asiatische Lonicera japonica bleibt halbimmergrün und windet sich in derselben Richtung, wird außerhalb seines natürlichen Areals aber invasiv, anders als Waldgeißblatt. Clematis vitalba hält sich mit den Blattstielen fest, statt den Stängel um die Stütze zu winden. Hedera helix verankert sich mit haftenden Luftwurzeln und nutzt damit eine völlig andere Klettertechnik. 7
Die Art des Festhaltens liefert zu jeder Jahreszeit einen zuverlässigeren Hinweis als die Farbe von Blüten oder Beeren allein. Beim Waldgeißblatt ist es der windende Stängel selbst, der den Kontakt zur Stütze herstellt; weder Blattstielranken noch haftende Luftwurzeln übernehmen diese Aufgabe.
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Lonicera periclymenum L.
- International Plant Names Index, Lonicera periclymenum L.
- Royal Horticultural Society, Lonicera periclymenum (wd)
- Plants For A Future, Lonicera periclymenum
- NC State Extension Gardener Plant Toolbox, Lonicera periclymenum
- Missouri Botanical Garden Plant Finder, Lonicera periclymenum
- Wikipedia (EN), Lonicera periclymenum
- Wikipedia (FR), Waldgeißblatt
Häufig gestellte Fragen
Wie lassen sich Lonicera periclymenum und Lonicera caprifolium unterscheiden?
Bei Lonicera caprifolium verwachsen die Blätter unterhalb der Blüten und umschließen den Stängel wie ein Kragen. Bei Lonicera periclymenum bleiben die Blätter immer getrennt, auch direkt am Blütenstand.
Ist Waldgeißblatt giftig?
Die roten Beeren sind in großen Mengen schwach giftig; beim Menschen ist eine abführende Wirkung beschrieben. Sie gelten auch für Hunde und Katzen als giftig und sollten für kleine Kinder unerreichbar bleiben.
Warum blüht mein Waldgeißblatt kaum oder gar nicht?
Zu wenig Licht an den Triebspitzen und ein Rückschnitt vor der Blüte sind die häufigsten Ursachen. Die Blüten entstehen am Holz des Vorjahres, weshalb erst nach der Blüte geschnitten werden sollte.
In welche Richtung windet sich Waldgeißblatt?
Der Stängel windet sich nach links um die Stütze, ohne Ranken oder Haftorgane. Damit unterscheidet sich die Art von Clematis, die sich mit Blattstielen festhält, und Efeu, der sich mit Luftwurzeln verankert.
Ist Waldgeißblatt in Frankreich invasiv?
Nein, die Art ist außerhalb des Mittelmeerraums fast im gesamten französischen Gebiet heimisch. Ein invasiver Status betrifft vor allem Lonicera japonica, eine verwandte, aber eigenständige asiatische Art außerhalb ihres natürlichen Areals.
Wie unterscheiden sich 'Serotina' und 'Graham Thomas'?
'Serotina' blüht früh und anhaltend mit außen purpurroten Blüten. 'Graham Thomas' blüht später in der Saison; seine cremeweißen Blüten werden beim Altern goldgelb.
Kann Waldgeißblatt im Kübel wachsen?
Ja, in einem großen Kübel mit Stab oder kleinem Spalier. Regelmäßiges Umtopfen und eine Kontrolle der Wasserversorgung sind nötig, weil das Substrat im Gefäß schneller austrocknet als der Boden im Freiland.
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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.







