Weg-Malve (Malva neglecta, )
Weg-Malve (Malva neglecta) ist eine ein- oder zweijährige krautige Pflanze aus der Familie der Malvaceae und eng mit der Wilden Malve verwandt. Sie ist im gemäßigten Europa, in Nordafrika und Westasien verbreitet und besiedelt stickstoffreiche Böden an Wegen, auf Bauernhöfen und neben Komposthaufen. Ihre weißen bis blasslila Blüten sind deutlich kleiner als die von Malva sylvestris. Zusammen mit der ringförmigen Fruchtscheibe mit abgerundeten Rändern ermöglichen sie die Unterscheidung im Gelände.
WeiterlesenWeg-Malve, Wegmalve, Feld-Malve, Gänse-Malve, Käsepappel und Common mallow
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Weltweite Verbreitung
Nach POWO reicht das natürliche Areal von Malva neglecta von den Kanarischen Inseln und Marokko über Europa bis Zentralasien und zum westlichen Himalaya. Andere Quellen fassen es weiter und nennen fast die gesamte gemäßigte Alte Welt außerhalb Afrikas südlich der Sahara, vom Maghreb bis China. In Nord- und Südamerika wurde die Art vielfach eingeführt und gilt heute in mehreren Regionen als invasives Unkraut.
- Heimisch5
- Eingeführt1
- Invasiv1
- Frankreich
- Marokko
- Spanien
- Vereinigtes Königreich
- Deutschland
- Kanada
- Vereinigte Staaten
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Weg-Malve (Malva neglecta Wallr., 1824), auch Wegmalve, Feld-Malve, Gänse-Malve oder Käsepappel genannt, ist eine krautige Art der Malvaceae und gehört derselben Gattung wie die Wilde Malve an. Der Gattungsname Malva wird vom altgriechischen malakos, weich, abgeleitet. Er bezieht sich auf die lindernden Schleimstoffe, die sie mit verwandten Malven teilt. 4 1
Das lateinische Artepitheton neglecta, vernachlässigt, verweist auf eine lange taxonomische Verwechslungsgeschichte. Die Art wurde immer wieder mit anderen kleinblütigen Malven zusammengefasst und hinter älteren Namen wie Malva rotundifolia übersehen. Wallroth grenzte sie 1824 formal ab und veröffentlichte sie unter ihrem heutigen Namen. 7
Erkennung
Niederliegende bis aufsteigende Stängel von 15 bis 60 cm Länge verzweigen sich bereits an der Basis. Der flache Wuchs mit allenfalls aufgerichteten Triebspitzen lässt die Art schon aus einiger Entfernung erkennen; die Wilde Malve wächst deutlich höher und aufrechter. Die rundlichen bis nierenförmigen Blätter sitzen an langen, gefurchten, behaarten Stielen. Sie sind 2 bis 6 cm groß und schwach in 5 bis 9 Lappen geteilt. 5 6
Je 2 bis 5 Blüten stehen in den Blattachseln. Ihre fünf weißen bis blasslila Kronblätter sind nur 8 bis 12 mm lang und damit zwei- bis dreimal kürzer als die kräftig rosa Kronblätter von Malva sylvestris, die häufig auf denselben Böschungen wächst. 5
Eine etwa 5 mm breite, ringförmige Scheibe bildet die Frucht. Sie besteht aus rund zehn bis fünfzehn kleinen, glatten oder schwach gerippten Fruchtblättern mit abgerundeten Rändern. Die Rippung fällt schwächer aus als bei der Wilden Malve. 4
Nützliche Taxonomie
Unter Malva neglecta Wallr., veröffentlicht 1824, wird die Art taxonomisch akzeptiert. Sie gehört wie die gesamte Gattung Malva zur Familie der Malvaceae. 1
In älteren Floren begegnet die Art unter verschiedenen Namen: Malva rotundifolia var. crispa Wimm. & Grab. ist homotypisch zum akzeptierten Namen. Auch Malva vulgaris Fr., Malva orbiculata Pomel und Malva prostrata Gilib. behandelt POWO als Synonyme. 1
Zahlreiche ältere Floren und Herbarien führen die Weg-Malve dennoch als Malva rotundifolia. POWO ordnet diesen 1753 von Linné veröffentlichten Namen einer anderen Art zu, Malva pusilla Sm. Diese unterscheidet sich botanisch von der hier beschriebenen Pflanze. Angesichts der überlieferten Namensverwirrung bezeichnet Malva neglecta die kleine Ruderalmalve eindeutig. 1 7
Lebensraum und Verbreitung
Von den Kanarischen Inseln und Marokko über Europa bis nach Zentralasien und zum westlichen Himalaya reicht nach POWO das natürliche Areal von Malva neglecta. Es liegt im gemäßigten Klima. Andere Quellen beschreiben es weiter: nahezu die gesamte gemäßigte Alte Welt außerhalb Afrikas südlich der Sahara, vom Maghreb bis China und zum indischen Subkontinent. 1 3
Gestörte, stickstoffreiche Böden bieten der Weg-Malve geeignete Wuchsorte: Wegränder, Böschungen, Hofplätze, Schuttflächen sowie die Umgebung von Mist- und Komposthaufen. Ihre Vorliebe für Stickstoff erklärt, warum sie sich fast regelmäßig neben Misthaufen ansiedelt, wo nur wenige andere Unkräuter ebenso dichte Bestände bilden. In Frankreich wächst sie landesweit auf Brachen und Ruderalflächen. 5
Weit außerhalb ihres natürlichen Areals eingeführt, hat sich die Art in Nord- und Südamerika großflächig eingebürgert. Mehrere US-Bundesstaaten stufen sie heute als invasives Unkraut ein. 6 8
Lebenszyklus und Vermehrung
Überwiegend wächst Malva neglecta in den beobachteten Beständen als winterannuelle Pflanze. Bleibt der Boden locker und frostfrei, kann sie zweijährig oder sogar kurzlebig ausdauernd werden. In frischer, erwärmter Erde keimen die Samen in 1 bis 2 Wochen. Das begünstigt die rasche Besiedlung frisch gestörter Brachen. 3 2
Je nach Region blüht sie von Mai bis September. Dunklere Adern auf den Kronblättern locken Bestäuber an. Die Blattlaus Acyrthosiphon malvae besiedelt häufig junge Triebe; die Raupen des Distelfalters, Vanessa cardui, ernähren sich vom Laub. 4
Wie bei der Wilden Malve ist die Aussaat die einzige dokumentierte Vermehrungsmethode. Eine einmal etablierte Pfahlwurzel ist zäh und verholzt. Dadurch lässt sich die Pflanze nur schwer von Hand ausreißen und kann sich von Jahr zu Jahr leicht erneut aussäen. 6
Nutzen und Risiken
Als essbar dokumentiert sind sämtliche Teile der Weg-Malve. Junge Blätter werden roh im Salat oder gekocht wie Spinat verwendet; ihre schleimige Konsistenz erinnert an Okra. Die nussig schmeckenden Samen enthalten 21 % Eiweiß und 15,2 % Fett. In Notzeiten dienten sie zur Herstellung eines Ersatzmehls. 3 2
Für traditionelle Schmorgerichte wie Bakoula oder Khobiza werden in Marokko die Blätter verwendet; diese Nutzung ist bei Sammlerinnen von Wildgemüse weiterhin dokumentiert. Die mild schmeckende Wurzel kann nach dem Abkochen und Aufschlagen als Eiklarersatz zur Herstellung von Baiser dienen. 9 5
Für Menschen, Katzen und Hunde nennen maßgebliche Quellen keine dokumentierten Giftstoffe. Auf mit Stickstoff überversorgten Böden reichert die Pflanze jedoch Nitrate im Gewebe an. Diese können für Nutztiere gefährliche Konzentrationen erreichen, wenn große Mengen der Pflanze gefressen werden. 5
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Gärtnerisch gefestigte Zierauslesen fehlen bei der Weg-Malve. Sie ist ein spontan auftretendes Unkraut, das für die Ziernutzung nie wirklich domestiziert wurde. 2
Verwechslungen im Gelände betreffen vor allem die folgenden verwandten Arten:
- Malva sylvestris, die Wilde Malve, hat deutlich größere und kräftiger gefärbte Blüten sowie einen aufrechteren Wuchs;
- Malva pusilla wird häufig irrtümlich Malva rotundifolia genannt und teilt den ruderalen Lebensraum, bleibt nach POWO jedoch eine eigene Art;
- Malva parviflora, die Kleinblütige Malve, hat bei Reife deutlicher netzartig strukturierte Fruchtblätter.
Zusammen ergeben der niederliegende Wuchs, die kleinen blassen Blüten und die ringförmige Frucht mit abgerundeten Rändern eine verlässliche Merkmalskombination. Wer nur eines dieser Kennzeichen betrachtet, kann Malva neglecta leicht mit verwandten Malven verwechseln. 4
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Malva neglecta Wallr.
- Plants For A Future, Malva neglecta
- Wikipedia EN, Malva neglecta
- Wikipedia FR, Malva neglecta
- Wikipedia DE, Weg-Malve (Malva neglecta)
- NC State Extension, Malva neglecta, Pflanzenporträt
- Integrated Taxonomic Information System, Malva neglecta Wallr.
- USDA PLANTS Database, Malva neglecta, Pflanzenporträt
- Ethnobotanische Studie über wildes Blattgemüse einschließlich Malva neglecta in Marokko
Häufig gestellte Fragen
Ist die Weg-Malve für Katzen oder Hunde giftig?
Nein. Maßgebliche Quellen nennen keine dokumentierten Giftstoffe für Menschen, Katzen oder Hunde. Auf mit Stickstoff überversorgten Böden kann die Pflanze jedoch Nitrate anreichern, die für Nutztiere gefährlich sind.
Kann man die Weg-Malve essen?
Ja. Blätter, Samen und Wurzeln sind als essbar dokumentiert. Die nussig schmeckenden Samen enthalten etwa 21 % Eiweiß und 15,2 % Fett.
Wie unterscheidet sich Malva neglecta von Malva sylvestris?
Die Weg-Malve wächst niederliegend bis aufsteigend, die Wilde Malve aufrecht. Zudem sind ihre Blüten deutlich kleiner und blasser: nur 8 bis 12 mm gegenüber fast 2 cm bei der verwandten Art.
Was bedeutet der Artname neglecta?
Das lateinische Wort bedeutet vernachlässigt. Die Art wurde lange mit anderen kleinblütigen Malven verwechselt, darunter Malva rotundifolia im früheren Sinn, bevor Wallroth sie 1824 formal abgrenzte und veröffentlichte.
Ist die Weg-Malve invasiv?
In ihrem natürlichen europäischen und nordafrikanischen Areal ist sie ein häufiges, meist unproblematisches Unkraut. Nach ihrer Einführung in Nord- und Südamerika gilt sie dort hingegen in mehreren Regionen als invasiv.
Wo wächst die Weg-Malve?
Sie bevorzugt stickstoffreiche, gestörte Böden an Wegen, Böschungen, auf Hofplätzen und Schuttflächen sowie neben Kompost- oder Misthaufen.
Welche traditionellen Nutzungen hat die Weg-Malve?
In Marokko werden ihre Blätter für Schmorgerichte wie Bakoula oder Khobiza verwendet. Die abgekochte und anschließend aufgeschlagene Wurzel diente auch als Eiklarersatz für Baiser.
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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.





