Chinesische Hanfpalme (Trachycarpus fortunei, )
Chinesische Hanfpalme (Trachycarpus fortunei) ist eine Palme aus der Familie der Arecaceae aus Zentral- und Südostchina, Südjapan, Myanmar und Nordindien. Ihr einzelner faseriger Stamm und die fächerförmigen Blätter kennzeichnen sie. Für ihre weite Verbreitung in westlichen Gärten ist vor allem eine für Palmen ungewöhnliche Frostverträglichkeit verantwortlich.
WeiterlesenChinesische Hanfpalme, Hanfpalme, Tessinerpalme, Chusanpalme, Chusan palm und Windmill palm
Täglich einige Stunden direkte Sonne ermöglichen, vorzugsweise morgens oder abends.
Volle Sonne ideal, Halbschatten wird vertragen





© Foto
(c) ChuSR, some rights reserved (CC BY-NC), uploaded by ChuSR · cc-by-nc
Михаил Орлов · cc-by
Peter de Lange · cc-by
Taken May 3, 2017 by Pierre Bonnet (cc-by-sa)
Taken Oct 29, 2022 by Leitão Elis (cc-by-sa)
Taken Oct 5, 2020 by vinay arora (cc-by-sa)
Taken Oct 12, 2019 by thehooklisbon (cc-by-sa)
Taken Feb 16, 2022 by Marzanna Bug (cc-by-sa)
© copyright of the Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew.
Weltweite Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet von Trachycarpus fortunei umfasst Zentral- und Südostchina, Südjapan, Nordmyanmar und Nordindien, in Gebirgen bis 2.400 m Höhe. Die lange Kulturgeschichte in China und Japan erschwert die genaue Abgrenzung. Als Zierpalme wird sie in gemäßigtem Klima weithin gepflanzt; südlich der Schweizer Alpen ist sie eingebürgert und wird örtlich invasiv.
- Heimisch4
- Invasiv1
- China
- Japan
- Myanmar
- Indien
- Schweiz
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Chinesische Hanfpalme (Trachycarpus fortunei (Hook.) H.Wendl., 1861) gehört zur Gattung Trachycarpus innerhalb der Palmengewächse (Arecaceae). Ein gut verwurzeltes erwachsenes Exemplar verträgt -15 bis -20 °C. Jungpflanzen derselben Art erleiden dagegen bereits bei -8 °C Schäden. Diese innerhalb der Familie ungewöhnliche Frostverträglichkeit erklärt die Verbreitung weit nördlich des Ursprungsgebiets, vom Vereinigten Königreich bis zur französischen Atlantikküste. 3 1
Das Artepitheton fortunei ehrt den englischen Botaniker Robert Fortune, der um 1850 Samen von Chusan mitbrachte. Die Insel heißt heute Zhoushan und liegt in Zhejiang. William Jackson Hooker beschrieb die Art 1860 zunächst als Chamaerops fortunei. Hermann Wendland ordnete sie 1861 der Gattung Trachycarpus zu. Nach ihrer Einführung in den Botanischen Garten Bordeaux 1856 verbreitete sie sich in Gärten gemäßigter Klimate. 2
Erkennung
Ein einzelner unverzweigter Stamm kennzeichnet die Wuchsform. Unter günstigen Bedingungen erreicht die Palme 12 bis 20 m; in Gärten gemäßigter Klimate bleiben die meisten Exemplare auch nach Jahrzehnten unter 8 bis 12 m. Ein dauerhafter brauner Faserfilz umgibt den Stamm. Seine Ähnlichkeit mit verflochtenem Hanf erklärt den deutschen Namen Hanfpalme. 3 4
Die langen Blattstiele tragen zwei Reihen kleiner Dornen und halten handförmig gegliederte Fächerblätter von 140 bis 190 cm Länge. Die Art ist zweihäusig: Leuchtend gelbe männliche und grünliche weibliche Blütenstände stehen auf verschiedenen Pflanzen. Zwischen Mai und Juni erscheinen sie als verzweigte, nahezu 1 m lange Rispen unterhalb der Blattkrone. 4 3
Nach erfolgreicher Bestäubung entwickeln weibliche Pflanzen kleine, nierenförmige Früchte. Sie sind etwa 1 cm lang und erinnern in ihrer Form an eine kleine Bohne. Bei voller Reife im Spätherbst nehmen sie eine violettschwarze Färbung an, die sich deutlich von den früheren Entwicklungsstadien unterscheidet. 4
Nützliche Taxonomie
POWO/WCVP führt die Art unter dem akzeptierten Namen Trachycarpus fortunei (Hook.) H.Wendl. Ihr 1860 veröffentlichtes Basionym lautet Chamaerops fortunei Hook.. Diese ursprüngliche Zuordnung erinnert daran, dass mehrere winterharte asiatische Palmen vor der Aufstellung von Trachycarpus in der mediterranen Gattung Chamaerops geführt wurden. 2 1
Zu den dokumentierten Synonymen gehören Chamaerops excelsa hort., Chamaerops fortunei Hook., Trachycarpus caespitosus Becc. und Trachycarpus wagnerianus hort. ex Becc.. Der letzte Name bezeichnet historisch die heute der Art zugeordnete Kulturform; diese Namen stehen somit nicht für vier zusätzlich anerkannte Arten.
Im Gartenbau begegnet wagnerianus häufiger als die drei übrigen Synonyme zusammen. Die Form wurde lange als eigene Art angeboten, bevor sie Trachycarpus fortunei als Sortengruppe zugeordnet wurde. Gegenüber solchen Handelsnamen bleibt der akzeptierte wissenschaftliche Name der verlässlichere Bezugspunkt für die botanische Identität. 1 5
Lebensraum und Verbreitung
Das natürliche Areal reicht von Zentral- und Südostchina nach Südjapan auf Kyushu sowie in den Norden von Myanmar und Indien. Bergpopulationen steigen bis 2.400 m Höhe auf. Da die Art in China und Japan seit langer Zeit kultiviert wird, lassen sich die genauen Grenzen ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets nur schwer feststellen. 4 5
In der Roten Liste der IUCN gilt Trachycarpus fortunei als nicht gefährdet. Das weite Verbreitungsgebiet und die lange Kulturgeschichte sprechen gegen ein kurzfristiges Aussterberisiko. Diese globale Einstufung ist von lokalen Auswirkungen eingebürgerter Bestände zu unterscheiden, die in einzelnen Regionen problematisch werden können. 6
Als Zierpalme ist sie im Vereinigten Königreich, in Frankreich und Belgien sowie an Atlantik- und Pazifikküsten der USA weit verbreitet. Südlich der Schweizer Alpen ist sie im Tessin eingebürgert und steht dort seit 2014 auf der Liste invasiver Arten. Mildere Winter begünstigen die Keimung der von Vögeln verbreiteten Samen. Die Konkurrenz um Licht und Raum könnte örtlich auch Steinschlagschutzwälder schwächen. 8
Lebenszyklus und Vermehrung
Zwischen Mai und Juni erscheinen die Blütenstände. Männliche und weibliche Blüten verteilen sich bei dieser zweihäusigen Art auf getrennte Pflanzen. Eine Selbstbefruchtung ist deshalb ausgeschlossen. Ein einzeln stehendes Exemplar kann Jahr für Jahr blühen, ohne jemals Samen hervorzubringen, wenn der erforderliche Bestäubungspartner fehlt. 4
Bei Wärme keimen die Samen in ein bis drei Monaten. Im ersten Jahr entstehen drei bis vier noch ungeteilte Blätter. Während der ersten drei Jahre wächst die Palme langsam, danach erreicht der jährliche Zuwachs ungefähr 15 bis 30 cm. Vom Samen bis zu einer etwa einen Meter hohen Palme vergehen dadurch nahezu fünf Jahre. 4
Die Vermehrung erfolgt bei dieser Art fast ausschließlich durch Aussaat. Am einzelnen unverzweigten Stamm entstehen keine für eine Teilung geeigneten Ausläufer. Auch eine verlässliche Stecklingsmethode steht nicht zur Verfügung. Die im Gartenbau üblichen vegetativen Methoden vieler anderer Zierpflanzen lassen sich daher nicht einfach auf die Hanfpalme übertragen.
Nutzen und Risiken
In China und Japan werden die groben, widerstandsfähigen Fasern der Blattscheiden seit Jahrhunderten für Seile und Gartensäcke verwendet. Neben dieser Fasergewinnung besteht eine traditionelle Nutzung als Nahrung: Die Blütenstände werden als Gemüse gegessen. Auch die reifen Früchte sind essbar, werden geschmacklich jedoch wenig geschätzt. 4
Nach Angaben der ASPCA ist Trachycarpus fortunei für Katzen, Hunde und Pferde ungiftig. Sie lässt sich damit als Zierpalme in einem Garten verwenden, der auch von Haustieren aufgesucht wird. Diese Einordnung bezieht sich auf die dokumentierte Giftigkeit der Art und unterscheidet sie von zahlreichen giftigen Zierpflanzen. 7
Ein dokumentierter Kälterekord aus Plowdiw in Bulgarien liegt bei -27,5 °C. Üblich sind für gut eingewachsene erwachsene Exemplare eher -15 bis -20 °C. Das Laub leidet schon ab -12 °C, Jungpflanzen werden ab -8 °C geschädigt. Seit 2001 bedrohen in Südeuropa außerdem Raupen des Schmetterlings Paysandisia archon die Palmen, indem sie Gänge in den Stamm bohren. 3
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Zur Gruppe Wagnerianus gehören halbzwergige Pflanzen mit steiferen, kürzer als 45 cm bleibenden Blattsegmenten. Sie übersteigen selten 5 m Höhe. Diese kompakte Gestalt verbessert ihre Windverträglichkeit gegenüber der typischen Form. Früher als Trachycarpus wagnerianus verkauft, gilt die Gruppe heute als Sorte von T. fortunei und nicht als selbstständige Art. 1
Verwechslungen betreffen besonders Chamaerops humilis, die einzige auf dem europäischen Festland heimische Palme. Sie wächst buschig und oft mehrstämmig, bleibt bei höchstens 2 m statt 12 bis 20 m und besitzt deutlich schärfer bedornte Blattstiele. Bei weiteren kultivierten Palmen unterscheiden sich die Blätter: Phoenix canariensis trägt gefiederte, Sabal palmetto costapalmate Blätter mit verlängerter Mittelrippe. Beide Blattformen weichen vom einfachen Fächer der Hanfpalme ab.
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Trachycarpus fortunei (Hook.) H.Wendl.
- International Plant Names Index, Chamaerops fortunei Hook. (Basionym)
- Royal Horticultural Society, Trachycarpus fortunei - Chusan palm
- NC State Extension Gardener Plant Toolbox, Trachycarpus fortunei
- GBIF, Trachycarpus fortunei (Hook.) H.Wendl.
- IUCN Red List, Bewertung von Trachycarpus fortunei (2024)
- ASPCA, Windmill Palm: Angaben zur Giftigkeit
- Tonelotto & al., 2022, Iconic but Invasive, Environmental Management
Häufig gestellte Fragen
Ist die Chinesische Hanfpalme giftig für Katzen oder Hunde?
Nein. Laut ASPCA ist Trachycarpus fortunei für Katzen, Hunde und Pferde ungiftig. Sie eignet sich damit als Zierpalme für einen Garten, den auch Haustiere nutzen.
Wie viel Frost verträgt die Chinesische Hanfpalme?
Ein gut eingewachsenes erwachsenes Exemplar verträgt gewöhnlich -15 bis -20 °C. Ein dokumentierter Rekord aus Plowdiw in Bulgarien liegt bei -27,5 °C. Das Laub kann jedoch schon bei -12 °C leiden; Jungpflanzen werden bereits ab -8 °C geschädigt.
Wie unterscheidet sich die Chinesische Hanfpalme von Chamaerops humilis?
Trachycarpus fortunei bildet einen einzelnen aufrechten Stamm. Chamaerops humilis wächst dagegen als buschiger, höchstens mehrere Meter breiter Horst mit deutlich stärker bedornten Blattstielen und wird selten höher als 2 m.
Was ist die Sorte Wagnerianus?
Diese halbzwergige Gruppe hat steifere und kürzere, unter 45 cm lange Blattsegmente und wird selten höher als 5 m. Früher wurde sie als Trachycarpus wagnerianus verkauft; heute gilt sie als Sorte von Trachycarpus fortunei.
Warum breitet sich die Chinesische Hanfpalme in der Schweiz invasiv aus?
Im Tessin ermöglichen mildere Winter den von Vögeln aus Gärten verbreiteten Samen eine unbeschadete Keimung. Die Palme besiedelt natürliche Lebensräume, konkurriert mit heimischen Gehölzen und könnte örtlich Schutzwälder beeinträchtigen.
Woher stammt der Name Trachycarpus fortunei?
Das Artepitheton fortunei ehrt den englischen Botaniker Robert Fortune, der um 1850 Samen von der chinesischen Insel Chusan mitbrachte. Die Art wurde 1860 zunächst als Chamaerops fortunei beschrieben und 1861 in die Gattung Trachycarpus umgeordnet.
Sind die Früchte der Chinesischen Hanfpalme essbar?
Reife Früchte sind essbar, werden aber wenig geschätzt. Die traditionelle Verwendung als Nahrungsmittel betrifft in China vor allem die Blütenstände, die als Gemüse gegessen werden.
Ähnliche Pflanzen
Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.


