Brasilianische Araukarie (Araucaria angustifolia, )
Brasilianische Araukarie (Araucaria angustifolia), auch Brasilkiefer genannt, ist ein großer Nadelbaum der Araukariengewächse (Araucariaceae) aus Süd- und Südostbrasilien, Nordostargentinien und Ostparaguay. Kennzeichnend sind die Kandelaberkrone alter Bäume und die großen weiblichen Zapfen. Nach dem Verlust fast ihres gesamten Waldlebensraums gilt die Art als vom Aussterben bedroht.
WeiterlesenBrasilianische Araukarie, Brasilkiefer, Paraná-Kiefer, Paraná pine und Candelabra tree






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Weltweite Verbreitung
Das natürliche Areal umfasst Süd- und Südostbrasilien mit Paraná, Santa Catarina und Rio Grande do Sul sowie Ausläufern nach São Paulo, Minas Gerais und Rio de Janeiro, die argentinische Provinz Misiones und Ostparaguay. Außerhalb dieses Gebiets bleibt die Art im Gartenbau selten und auf milde, geschützte Lagen beschränkt. Im heimischen Araukarienwald ist sie dagegen ein dominierender Waldbaum.
- Heimisch3
- Brasilien
- Argentinien
- Paraguay
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Die Brasilianische Araukarie (Araucaria angustifolia (Bertol.) Steud., 1840), auch Brasilkiefer und Paraná-Kiefer, ist ein großer Nadelbaum der Araukariengewächse (Araucariaceae) aus der Gattung Araucaria. Holzeinschlag und Landwirtschaft vernichteten binnen eines Jahrhunderts etwa 97 % ihres natürlichen Waldlebensraums; heute führt die IUCN sie als vom Aussterben bedroht. Antonio Bertoloni beschrieb die Art 1819 als Columbea angustifolia. Ernst Gottlieb von Steudel stellte sie 1840 zu Araucaria; diese Kombination ist weiterhin der akzeptierte Name. 6 1 8
Die Bezeichnung Paraná pine bezeichnet keine echte Kiefer der Gattung Pinus. Sie beruht auf der ähnlichen Gestalt und Holzverwendung. Im Herkunftsgebiet sind auch indigene Namen wie curi und curiúva gebräuchlich. Der portugiesische Name des essbaren Samens, pinhão, leitet sich von pinha, Zapfen, ab. 7
Erkennung
An ausgewachsenen Bäumen fällt die Kandelaberkrone besonders auf. Junge Bäume wachsen schmal pyramidenförmig und dicht; später sterben die unteren Äste ab, sodass auf einem freien Stamm eine flache, breite Krone verbleibt. Übliche Höhen liegen bei 25–40 m, der Stammdurchmesser kann 1 m überschreiten. Die bis 15 cm dicke Borke ist schuppig und waagerecht gefurcht. 3 5
Dreieckige, ledrige Blätter stehen dicht spiralig rings um die Zweige. Sie werden 2–6 cm lang und an der Basis 5–10 mm breit; sowohl ihr Rand als auch ihre Spitze sind sehr scharf. Junge fertile Zweige tragen kürzere und stärker spiralig angeordnete Blätter als sterile Zweige. Dieser Unterschied hilft, fortpflanzungsfähige Bäume zu erkennen. 2 3
Nützliche Taxonomie
Bertolonis ursprünglicher Name Columbea angustifolia von 1819 gehört zu einer heute aufgegebenen Gattung. Steudels Neukombination von 1840 stellte die Art zu Araucaria. Spätere Autoren veröffentlichten weitere Kombinationen, die heute als Synonyme gelten:
- Araucaria brasiliana A.Rich., ein historisches Synonym
- Araucaria brasiliensis G.Don, ebenfalls ein Synonym
- Araucaria dioica (Vell.) Stellfeld, eine weitere Kombination
- Pinus dioica Vell., historischer Name unter Pinus
- Araucaria elegans Carrière, als Synonym behandelt
Im 20. Jahrhundert beschriebene botanische Varietäten wie vinacea mit rötlich violetten Zapfen oder caiova mit angeblich früh reifenden Samen werden als Synonyme behandelt. Ihr gärtnerischer Status bleibt je nach Quelle unsicher. Der akzeptierte Name Araucaria angustifolia bietet daher die verlässlichere Orientierung. 1
Lebensraum und Verbreitung
Süd- und Südostbrasilien bilden den Schwerpunkt des natürlichen Areals: Paraná, Santa Catarina und Rio Grande do Sul sowie Ausläufer nach São Paulo, Minas Gerais und Rio de Janeiro. Hinzu kommen Misiones in Argentinien und Ostparaguay. Die Art wächst im subtropischen Bergmischregenwald in 500–2300 m Höhe auf sauren, durchlässigen Böden bei 1500–2000 mm Jahresniederschlag. 5 4
Im sogenannten mata de araucárias wächst der Baum unter anderem zusammen mit Podocarpus lambertii und verschiedenen Ocotea-Arten. Außerhalb seines natürlichen Areals ist er gärtnerisch selten und auf milde, geschützte Klimabedingungen beschränkt. Beispiele sind einzelne Sammlungen im Vereinigten Königreich und, noch seltener, in Frankreich. 5 3
Der IUCN-Status vom Aussterben bedroht folgt auf den geschätzten Verlust von 97 % des Waldlebensraums innerhalb eines Jahrhunderts. Zusammen wirkten dabei Holzeinschlag, Landwirtschaft und Pflanzungen, die den ursprünglichen Wald ersetzten. 6 7
Lebenszyklus und Vermehrung
Für die Samenbildung benötigt die zweihäusige Art männliche und weibliche Bäume: Ihre Zapfen stehen auf getrennten Individuen, die Bestäubung übernimmt der Wind. Ein isolierter Baum bildet daher keine keimfähigen Samen. Zylindrische männliche Zapfen werden 8–20 cm lang. Kugelige weibliche Zapfen erreichen 12–25 cm Durchmesser und wiegen reif fast 1 kg. 5 7
Nach der Bestäubung reifen weibliche Zapfen etwa 2–3 Jahre. Anschließend zerfallen sie am Baum und geben hundert bis hundertfünfzig etwa 5 cm lange Samen frei, die pinhões heißen. Der Azurhäher (Cyanocorax caeruleus) zählt zu ihren wichtigsten Ausbreitern: Für einen weiten Transport durch Wind sind die Samen zu schwer. 7 5
Unter günstigen Bedingungen entstehen an weiblichen Bäumen die ersten fertilen Zapfen häufig nach 10–15 Jahren. Zur Vermehrung werden frische Samen einzeln ausgesät. Bei etwa 15 °C laufen sie nach 1–2 Monaten auf. 4
Nutzen und Risiken
Unter dem Handelsnamen Paraná pine gehörte das Holz lange zu den am stärksten genutzten Hölzern Brasiliens. Es diente dem Bau, der Möbelherstellung, Sperrholz und Zellstoff. Die intensive Nutzung führte im gesamten natürlichen Areal zu einem deutlichen Rückgang. 4 7
Gekochte, stärkehaltige Samen sind ein wichtiges traditionelles Nahrungsmittel Südbrasiliens, insbesondere im Winter der Südhalbkugel. Für Menschen und Haustiere ist kein Giftstoff dokumentiert. Das wesentliche Risiko ist mechanisch: Starre, sehr scharfkantige Blätter können bei Berührung die Haut verletzen. 4
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Gärtnerisch beständige Sorten sind bei dieser Art nur wenige bekannt. Die botanischen Varietäten vinacea, alba und caiova wurden im 20. Jahrhundert anhand natürlicher Populationen beschrieben und gelten als Synonyme. Ihre Verbreitung in Baumschulen ist gering und schlecht dokumentiert. 1
Bei Verwechslungen steht die Chilenische Araukarie (Araucaria araucana) im Vordergrund. Ihre längeren, noch stärker stechenden Blätter lassen die Zweige wie Reptilienschwänze wirken. Die andine Art erträgt deutlich stärkere Fröste, etwa −20 °C gegenüber −6 °C bei der Brasilianischen Araukarie, und ist deshalb in europäischen Gärten weiter verbreitet. Die als Zimmerpflanze verkaufte Norfolk-Araukarie (Araucaria heterophylla) trägt dagegen weiches, nicht stechendes Laub. 2
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Araucaria angustifolia (Bertol.) Steud.
- Royal Horticultural Society, Araucaria angustifolia
- Trees and Shrubs Online (International Dendrology Society), Araucaria angustifolia
- Plants For A Future, Araucaria angustifolia
- The Gymnosperm Database, Araucaria angustifolia
- IUCN Red List, Araucaria angustifolia – Bewertung
- Wikipedia (EN), Araucaria angustifolia
- INPN / MNHN, Araucaria angustifolia (Bertol.) Kuntze, 1898 (cd_nom 610750)
Häufig gestellte Fragen
Ist die Brasilianische Araukarie eine echte Kiefer?
Nein. Araucaria angustifolia gehört zu den Araucariaceae und nicht zu den Pinaceae. Der Name Paraná-Kiefer bezieht sich auf die ähnliche Gestalt und Holzverwendung, nicht auf eine Verwandtschaft mit Pinus.
Warum ist Araucaria angustifolia vom Aussterben bedroht?
Binnen eines Jahrhunderts gingen durch Holzeinschlag, Landwirtschaft und Ersatzpflanzungen etwa 97 % ihres Waldlebensraums verloren. Die IUCN führt die Art auf ihrer Roten Liste als vom Aussterben bedroht.
Sind Pinhões, die Samen der Brasilianischen Araukarie, essbar?
Ja, gekocht. Die stärkehaltigen Samen sind ein traditionelles Nahrungsmittel Südbrasiliens, besonders im Winter der Südhalbkugel. Eine Giftigkeit für Menschen ist nicht dokumentiert.
Wie unterscheidet man männliche und weibliche Brasilianische Araukarien?
Vor der Fortpflanzungsreife ist das nicht möglich. Die Art ist zweihäusig; männliche und weibliche Zapfen wachsen auf getrennten Bäumen. Nur weibliche Bäume tragen ab etwa 10–15 Jahren die großen Samenzapfen.
Lässt sich Araucaria angustifolia im Freiland kultivieren?
Nur in mildem Klima, geschützt vor strengem Frost und an einem freien Einzelstandort. In europäischen Gärten bleibt die Art selten. Sie ist weniger winterhart als die Chilenische Araukarie und empfindlich gegen strenge Winter.
Was unterscheidet die Brasilianische von der Chilenischen Araukarie?
Araucaria angustifolia stammt aus subtropischen Wäldern Brasiliens und verträgt starke Kälte schlecht. Die andine Araucaria araucana hält dagegen Frost bis etwa −20 °C aus und hat längere, stärker stechende Blätter.
Warum verändert sich die Krone der Brasilianischen Araukarie im Alter?
Junge Bäume haben eine dichte, pyramidenförmige Krone. Später sterben die unteren Äste ab und fallen ab. Zurück bleibt eine flache Kandelaberkrone auf einem freien Stamm, typisch für erwachsene Bäume.
Ähnliche Pflanzen
Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.





