Weißer Gänsefuß (Chenopodium album, )
Weißer Gänsefuß (Chenopodium album L., 1753) ist ein einjähriges Fuchsschwanzgewächs aus dem gemäßigten Eurasien, das heute auf allen Kontinenten außer der Antarktis vorkommt. Sein kantiger Stängel und der weißliche Mehlbelag kennzeichnen das Wildkraut auf Äckern, in Gärten und auf Brachen. Die jungen Blätter sind essbar, während größere Mengen als Viehfutter wegen ihrer Nitrate problematisch sein können.
WeiterlesenWeißer Gänsefuß, Ackermelde, Fat hen und Lambsquarters
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Weltweite Verbreitung
Das ursprüngliche Areal von Chenopodium album liegt im gemäßigten Eurasien, vom indischen Subkontinent bis Westeuropa. Die jahrtausendelange Begleitung des Ackerbaus erschwert jedoch eine sichere Abgrenzung. Heute kommt die Art weltweit auf allen Kontinenten außer der Antarktis vor, stets verbunden mit gestörten, stickstoffreichen Böden.
- Heimisch3
- Eingeführt3
- Metropolitan-Frankreich
- Europa
- Gemäßigtes Asien und indischer Subkontinent
- Vereinigte Staaten
- Kanada
- Australien
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Weißer Gänsefuß (Chenopodium album L., 1753) ist eine einjährige krautige Pflanze der Gattung Chenopodium aus der Familie der Amaranthaceae. Plants of the World Online führt den 1753 von Linné veröffentlichten Namen als akzeptierten Namen in einer Gattung mit etwa 250 Arten. 1
Der Gattungsname verbindet die griechischen Wörter khến („Gans“) und poús („Fuß“), weil die Blattspreite einem Gänsefuß ähnelt. In Frankreich heißen die Pflanzen unter anderem chou gras, poule-grasse und senousse; im Englischen sind fat hen und lambsquarters gebräuchlich. 6 9
Erkennung
Ein aufrechter, kantiger Stängel kennzeichnet Chenopodium album. Er ist häufig grün und purpurrot gestreift und erreicht je nach Nährstoffgehalt des Bodens gewöhnlich 10 cm bis 1,50 m; außergewöhnliche Exemplare übersteigen 3 m. 2 4
Entlang des Stängels verändert sich die Form der wechselständigen Blätter. Die breiteren unteren Blätter sind rautenförmig bis nahezu dreieckig und unregelmäßig gezähnt; die schmalen, lanzettlichen oberen Blätter bleiben fast ganzrandig. Junge Blätter tragen einen weißlichen, mehligen Belag, besonders deutlich auf der Unterseite. Dieser Belag junger Gewebe gab der Art ihren Namen. 3 4
Die winzigen Blüten messen 2 bis 2,5 mm, besitzen keine Kronblätter und stehen in dichten Knäueln an verzweigten Ähren. Jede trägt fünf Staubblätter und fünf grünliche Kelchblätter, die häufig ebenfalls mehlig überzogen sind. 4
Nützliche Taxonomie
In der weit gefassten Familie Amaranthaceae steht Chenopodium album zusammen mit ehemaligen Chenopodiaceae wie Rübe und Spinat. Plants of the World Online erkennt drei Varietäten an: Chenopodium album var. album, verbreitet vom gemäßigten Eurasien bis zum indischen Subkontinent, Chenopodium album var. missouriense (Aellen) Bassett & Crompton aus den zentralen und östlichen USA sowie die in Westeuropa beschriebene Chenopodium album var. reticulatum (Aellen) Uotila. 1
Zahlreiche botanische Synonyme spiegeln frühere Abgrenzungen wider. Chenopodium viride L., lange als eigene Art behandelt, gehört heute ebenso wie Chenopodium album var. viride (L.) Mérat zu Chenopodium album var. album. Der von Plants of the World Online akzeptierte Name bietet angesichts dieser wechselnden Nomenklatur einen verlässlichen Bezug zwischen den Quellen. 1 7
Lebensraum und Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Weißen Gänsefußes liegt im gemäßigten Eurasien, vom indischen Subkontinent bis Westeuropa. Jahrtausende als Begleiter des Ackerbaus erschweren eine sichere Bestimmung seiner Grenzen. 1
Für Frankreich verzeichnet das INPN die Art als heimisch unter dem Namen chénopode blanc. Dort besiedelt sie Äcker ebenso wie Gärten, Stadtbrachen und Wegränder. 6
Durch menschliche Tätigkeiten gelangte Chenopodium album auf alle Kontinente außer der Antarktis. Er wächst bevorzugt auf gestörten, stickstoffreichen Böden, auf Schuttplätzen, Misthaufen und Ödland. In Illinois ist er beispielsweise in jedem County nachgewiesen, fehlt aber in gut erhaltenen natürlichen Lebensräumen. Das zeigt die Bindung an bewegten Boden stärker als an ein bestimmtes Klima. 8
Lebenszyklus und Vermehrung
Bereits eine einzige Pflanze von Chenopodium album bildet häufig 50 000 oder mehr Samen. Diese können bis zu 40 Jahre im Boden keimfähig bleiben und erklären den über viele Anbaujahre fortbestehenden Samenvorrat auf Äckern. 8
Vom Hochsommer bis zum Herbst dauert die Blüte, innerhalb eines Bestandes etwa ein bis zwei Monate. Aus den windbestäubten Blüten entstehen linsenförmige Achänen von nur 1 bis 1,5 mm. Ihr glänzender, glatter schwarzer Same ist von einer zähen häutigen Hülle umschlossen. 8 4
Anders als viele Wildkräuter besitzt Chenopodium album keine Samen mit Flugorganen oder Pappus. Die Verbreitung erfolgt vor allem durch bewegten Boden, landwirtschaftliche Geräte, körnerfressende Vögel, besonders Sperlinge, sowie Säugetiere wie den Weißwedelhirsch, dessen Verdauung die Samen nicht zerstört. 8
Nutzen und Risiken
Als Gemüse werden die jungen Blätter roh oder gekocht verwendet; ihr Geschmack ähnelt dem des botanisch verwandten Spinats aus den Amaranthaceae. Noch geschlossene Blütenstände dienen als Brokkoliersatz, getrocknete Samen lassen sich zu Mehl verarbeiten. 9 2
Für Nutztiere ist Chenopodium album dagegen als potenziell giftig dokumentiert. Besonders auf übermäßig stickstoffreichen Böden reichern seine Gewebe leicht Nitrate an. Die veterinärmedizinische Literatur beschreibt drei Rinder, die nach der Fütterung mit Gänsefußheu innerhalb einer halben Stunde starben; zuvor traten Bewegungsstörungen, bläuliche Schleimhäute und Atemnot auf. 5
Das Nitratrisiko betrifft vor allem große Mengen getrockneten Futters für Rinder, Pferde, Schafe und Schweine. Schafe sind am empfindlichsten; Rinder können einen Teil der Oxalate im Pansen entgiften. Für Menschen vermindert Kochen dagegen Oxalsäure und Saponine der Blätter deutlich, sodass angemessene Mengen ohne dokumentierte Schäden verzehrt werden. Entscheidend für den Unterschied zwischen riskantem Futter und essbarem Gemüse ist die Zubereitung, nicht allein die Ernte. 5 2
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Anerkannte gärtnerische Ziersorten von Chenopodium album gibt es nicht. Die Art ist eine Wild- und Ackerbegleitpflanze, die nicht für Zierzwecke ausgelesen wurde; ihre Vielfalt beruht auf den drei botanischen Varietäten. 1
Besonders häufig dokumentiert sind Verwechslungen mit Chenopodium berlandieri, dessen Fruchtoberfläche große, deutlich sichtbare abgerundete Zellen zeigt, und Chenopodium strictum. Dessen ovale Achäne ist länger als breit; der Same ragt über die ausgebreiteten Kelchblätter hinaus. 3
Zur sicheren Unterscheidung dieser nahen Verwandten ist meist eine Lupe an der Frucht entscheidend. Eine glatte Oberfläche weist auf Chenopodium album, eine wabenartige Oberfläche oder längliche Form auf eine der häufig verwechselten verwandten Arten.
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Chenopodium album L.
- Plants For A Future, Chenopodium album
- Go Botany / Native Plant Trust, Chenopodium album – Weißer Gänsefuß
- Minnesota Wildflowers, Chenopodium album - Lamb's-quarters
- Cornell University, Plants Poisonous to Livestock, Lambs Quarters (Chenopodium album); Internet Archive, 9. Juni 2026
- INPN / MNHN–OFB, Chenopodium album L., CD_NOM 90681, Originalnotiz; Internet Archive, 14. Februar 2023
- Tela Botanica, eFlore BDTFX, Chenopodium album L., offizieller nomenklatorischer Datensatz 16741
- Illinois Wildflowers, Lamb's Quarters (Chenopodium album)
- Encyclopaedia Britannica, Lamb's quarters
Häufig gestellte Fragen
Ist Weißer Gänsefuß giftig?
Sein Gewebe kann Nitrate anreichern, besonders auf übermäßig stickstoffreichen Böden. Für Vieh sind große Mengen Gänsefußheu nachweislich riskant. Bei Menschen senkt Kochen den Oxalsäuregehalt der Blätter deutlich; für angemessene Mengen sind keine Schäden dokumentiert.
Kann man Weißen Gänsefuß essen?
Ja. Junge Blätter lassen sich roh oder gekocht essen und schmecken ähnlich wie Spinat. Noch geschlossene Blütenstände werden gelegentlich wie Brokkoli zubereitet.
Warum sind die jungen Blätter weißlich?
Sie tragen einen mehligen Belag aus kleinen luftgefüllten Bläschen der Oberhaut. Dieser gab der Art ihren Namen und verliert sich allmählich beim Altern des Blattes.
Wie unterscheidet man Chenopodium album von verwandten Arten?
Am zuverlässigsten ist die Fruchtoberfläche. Chenopodium berlandieri zeigt dort deutlich sichtbare, abgerundete Zellen, die bei Chenopodium album mit seiner glatten Achäne fehlen.
Woher stammt Weißer Gänsefuß?
Sein ursprüngliches Areal liegt im gemäßigten Eurasien, vom indischen Subkontinent bis Westeuropa. Jahrtausende als Begleiter des Ackerbaus erschweren aber eine sichere Abgrenzung.
Ist Weißer Gänsefuß invasiv?
In Frankreich ist die Art heimisch und ein häufiges Wildkraut auf Äckern und Brachen. Andernorts, besonders in Nordamerika, ist sie in mehreren Agrargebieten als wirtschaftlich schädliches Unkraut dokumentiert.
Wie viele Samen bildet eine einzelne Pflanze?
Eine kräftige Pflanze kann mehr als 50 000 Samen bilden. Diese bleiben bis zu 40 Jahre im Boden keimfähig, weshalb der Samenvorrat über viele Vegetationsperioden erhalten bleibt.
Ähnliche Pflanzen
Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.







