Gurmar (Gymnema sylvestre, (Retz.) R.Br. ex Sm. 1811)

Gymnema sylvestre ist eine verholzende, ausdauernde Kletterpflanze der Apocynaceae aus den Tropen und Subtropen Afrikas, Asiens und Australienns. Ihre bitteren Blätter hemmen beim Kauen oder als Aufguss vorübergehend die Wahrnehmung von Süße. Darauf verweist der Hindi-Name Gurmar, „Zuckerzerstörer“. Seit Jahrhunderten wird sie in der ayurvedischen Medizin gegen Diabetes verwendet; ihre triterpenoiden Saponine, die Gymnemasäuren, werden weiterhin erforscht.

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Wissenschaftlicher NameGymnema sylvestre
GattungGymnema
OrdnungGentianales

Gurmar, Australian cowplant und Periploca of the woods

Identität
Toxizität
Keine Giftigkeit belegt; Vorsicht mit Insulin und oralen Antidiabetika
Pflegeaufwand
Niedrig
Pflanzenart
Blattart
Immergrün
Lebensdauer
Mehrjährig
Herkunft
IndienSri LankaChinaVietnamÄthiopienSüdafrikaAustralien
Lebensraum
Trockengebüsche, Waldsäume und buschige Savannen mit ausgeprägter Trockenzeit bis in mittlere Höhenlagen
Jahresverlauf
Blütezeit
FrühlingSommerHerbst
Wachstum
Ruhephase
Keine Ruhephase
Wuchsgeschwindigkeit
6/10
Reifezeit
Kletterwuchs nach 1 bis 2 Jahren, Blüte bei Wärme schon im ersten Jahr
Vermehrung
Aussaat, Stecklingsvermehrung von Stängeln mit Knoten
Klima & Wasser
Temperatur
Winterhärte
Windverträglichkeit
Ohne Stütze gering, abhängig von der umgebenden Vegetation
Luftfeuchtigkeit
40–60 %
Wasserbedarf
Sehr wenig
Wenig
Mittel
Hoch
Sehr hoch
Trockenheitsverträglichkeit
Ja
Boden
Boden-pH-Wert
Bodenarten
Entwässerter Boden, Leichter Sandboden
Salzhaltiger Boden
Wird nicht vertragen
Licht & Standort
Lichtverhältnisse

Volle Sonne

Täglich einige Stunden direkte Sonne ermöglichen, vorzugsweise morgens oder abends.

Volle Sonne bis leichter Halbschatten
Innenbereich
Veranda, Helles Zimmer
Abstand zum Fenster
Unter Glas etwa 40 cm von einem Südfenster entfernt
Außenbereich
Beet in voller Sonne, Trockene Veranda
Pflanzgefäße
Terrakotta, Abflusstopf
Erscheinungsbild
Höhe100–300 cmBreite100–200 cm
Blätter
Grün
Gymnema sylvestre: Herkunft und Verwendung — blätter 1
Gymnema sylvestre: Herkunft und Verwendung — blätter 2
Gymnema sylvestre: Herkunft und Verwendung — blätter 3
Gymnema sylvestre: Herkunft und Verwendung — blätter 4
Gymnema sylvestre: Herkunft und Verwendung — blätter 5
Blüten
GelbGröße0.5–1.5 cm
Früchte
GrünBraun
Gymnema sylvestre: Herkunft und Verwendung — früchte 1
Gymnema sylvestre: Herkunft und Verwendung — früchte 2
Gymnema sylvestre: Herkunft und Verwendung — früchte 3
Rinde
GrünBraun

Weltweite Verbreitung

Das natürliche Areal von Gymnema sylvestre umfasst weite Teile der tropischen und subtropischen Alten Welt, von Westafrika über Arabien, Indien und Südostasien bis Australien. Außerhalb davon wird die Pflanze vor allem zu Heil- oder Nahrungszwecken angebaut; eine Einbürgerung in gemäßigtem Klima ist nicht dokumentiert.

  • Heimisch7
  • Indien
  • Sri Lanka
  • Südchina
  • Vietnam
  • Äthiopien
  • Südafrika
  • Australie

Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1

Identität

Gymnema sylvestre (Gymnema sylvestre (Retz.) R.Br. ex Sm., 1811) ist eine ausdauernde, verholzende Kletterpflanze der Gattung Gymnema in der Familie Apocynaceae, Unterfamilie Asclepiadoideae. Der Gattungsname verbindet die griechischen Wörter gymnos, nackt, und nēma, Faden. Gemeint ist ein kahler, fadenförmiger Anhang der Blüte. Das lateinische Artepitheton sylvestre bedeutet „aus den Wäldern“. 1 2

Bei Nahrungsergänzungsmitteln ist vor allem der Name Gurmar gebräuchlich. Das Hindi-Wort bedeutet wörtlich „Zuckerzerstörer“: Gekaute Blätter hemmen die Wahrnehmung von Süße für 15 Minuten bis mehrere Stunden. Diese Wirkung steht hinter der mehr als zweitausendjährigen Verwendung der Pflanze in der ayurvedischen Medizin gegen Diabetes. 6

Erkennung

Mit verholztem Wurzelstock und dünnen Trieben wächst Gymnema sylvestre kletternd oder kriechend. An benachbarter Vegetation erreicht sie gewöhnlich 3 m Länge. Die graue Rinde trägt kurze Haare, die mit zunehmendem Alter verschwinden. Verletzte Pflanzenteile sondern reichlich Milchsaft ab. 3 5

Gegenständig angeordnete, einfache Blätter werden 2 bis 9 cm lang und 1 bis 5,5 cm breit. Sie sind eiförmig bis elliptisch, oberseits kahl und unterseits mehr oder weniger behaart. Die kleinen gelblichen, duftenden Blüten erreichen bis 1,5 cm Durchmesser. Sie stehen in doldenähnlichen Zymen in den Blattachseln und erscheinen im Tropenklima fast ganzjährig. 3

Eine lanzettliche Balgfrucht von 5 bis 10 cm Länge reift von Hellgrün zu Beige oder Braun. Darin liegen zahlreiche abgeflachte Samen mit einem weißen Haarschopf, wie er für viele Asclepiadoideae typisch ist. Das Laub allein sichert die Artbestimmung nicht, da mehrere verwandte Kletterpflanzen ähnlich aussehen. Eindeutig ist dagegen der Geschmackseffekt: Ein gekautes Blatt unterdrückt die Süßwahrnehmung für 15 Minuten bis mehrere Stunden. Keine dieser ähnlich aussehenden Kletterpflanzen zeigt dieselbe Wirkung. 8

Nützliche Taxonomie

POWO/WCVP erkennt Gymnema sylvestre (Retz.) R.Br. ex Sm. als Namen an. Die Kombination wurde 1811 auf Grundlage des Basionyms Periploca sylvestris Retz. veröffentlicht, das der schwedische Botaniker Anders Jahan Retzius beschrieben hatte. Zur umfangreichen Synonymie gehören folgende Namen für dieselbe Art:

  • Periploca sylvestris Retz., ursprünglicher Name
  • Asclepias geminata Roxb.
  • Marsdenia sylvestris (Retz.) P.I.Forst.
  • Gymnema alterniflorum (Lour.) Merr.
  • Gymnema affine Decne.
  • Cynanchum lanceolatum Poir.

Gelegentlich werden drei botanische Varietäten genannt: Gymnema sylvestre var. ceylanicum Hook.f., var. chinense Benth. und var. decaisneanum (Wight) Thwaites. Keine besitzt einen eigenständigen gärtnerischen Status. Der akzeptierte wissenschaftliche Name bleibt deshalb der verlässliche Bezugspunkt für die Pflanze und ihre Extrakte. 1 4

Lebensraum und Verbreitung

Von Westafrika bis zum Pazifik reicht das natürliche Areal. Es umfasst das tropische Afrika bis Äthiopien und ins südliche Afrika, die Arabische Halbinsel, den indischen Subkontinent, Sri Lanka, Südchina, die Ryūkyū-Inseln, Südostasien und das tropische Australien. 1 5

Trockengebüsche, Waldsäume und buschige Savannen in Regionen mit deutlicher Trockenzeit sind typische Standorte. Ohne Stütze bleibt die Pflanze niedrig und buschig. An einem benachbarten Strauch oder einer Rankhilfe wächst sie dagegen dem Licht entgegen in die Höhe. Außerhalb ihres Ursprungsgebiets wird sie vor allem kommerziell wegen der Blätter angebaut. In Japan werden jährlich etwa 50 Tonnen getrocknete Blätter zu Schlankheitszwecken verbraucht. 7 3

Lebenszyklus und Vermehrung

Eine eng begrenzte Blühsaison fehlt im Tropenklima. Sobald das vegetative Wachstum es erlaubt, entstehen fast das ganze Jahr über kleine gelbliche Blüten. Nach der Bestäubung entwickeln sich Balgfrüchte, die mehrere Wochen reifen. Beim Öffnen geben sie abgeflachte Samen frei, deren Haarschopf die Ausbreitung durch Wind erleichtert. 3

Für die Kultur überwiegen Triebstecklinge mit Knoten gegenüber der Aussaat. Ein während der Wachstumszeit geschnittener halbverholzter Steckling ergibt innerhalb weniger Monate eine kletternde Jungpflanze. Samen keimen nach 1 bis 3 Wochen, durchlaufen aber eine langsame Jugendphase, bevor die Pflanzen eine Stütze erklimmen. Zur Bewurzelung braucht Gymnema sylvestre Wärme und Feuchtigkeit. Im gemäßigten Klima überlebt sie nur im beheizten Gewächshaus oder in sehr hellen Innenräumen. 3

Nutzen und Risiken

Heil- und Nahrungszwecke prägen die Verwendung von Gymnema sylvestre. In Westafrika und weiten Teilen Asiens werden junge Blätter gekocht als bitteres Gemüse gegessen. In Namibia gehören geröstete, entkernte Früchte zur traditionellen Ernährung. 3

Die ayurvedische Medizin nutzt Blätter und Wurzeln seit mehr als zweitausend Jahren gegen Diabetes mellitus, Husten, Fieber, Schlangenbisse und zahlreiche weitere Beschwerden. Diese traditionellen Anwendungen sind überwiegend ethnobotanisch dokumentiert. Eine systematische klinische Bestätigung liegt nicht für jede der genannten Indikationen vor. 6 7

Bei traditionellen Dosierungen ist für Menschen und Haustiere keine Giftigkeit dokumentiert. Dennoch ist Vorsicht geboten: Gymnemasäuren können die Wirkung oraler Antidiabetika und von Insulin verstärken. Bei gemeinsamer Anwendung besteht dadurch das Risiko einer Unterzuckerung. Die Sicherheit während Schwangerschaft und Stillzeit ist nicht belegt. 7 6

Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen

Rund dreißig Arten umfasst die Gattung Gymnema. Einige werden ähnlich wie G. sylvestre medizinisch oder als Nahrung genutzt. Dazu zählen Gymnema inodorum, in Thailand als Blattgemüse angebaut, und Gymnema tingens, gelegentlich unter derselben Handelsbezeichnung verkauft. Ein Handelsname allein garantiert deshalb keine Identität. Laborgeprüfte Extrakte mit standardisiertem Gehalt an Gymnemasäuren bleiben bei solchen Ersatzprodukten der einzige verlässliche Anhaltspunkt. 7

Besonders irreführend ist der englische Name „miracle fruit“, der mitunter auch Gymnema sylvestre bezeichnet. Meist ist damit Synsepalum dulcificum, die eigentliche Wunderbeere, gemeint. Sie bewirkt genau das Gegenteil und lässt Saures süß schmecken. Die beiden Pflanzen gehören unterschiedlichen Familien an und beeinflussen den Geschmack auf verschiedene Weise. 6

Unter den gärtnerisch kultivierten Apocynaceae besitzen auch Hoya carnosa und Asclepias curassavica Milchsaft, Balgfrüchte und Samen mit Haarschopf. Ihr Laub ähnelt dem von Gymnema sylvestre, doch keine der beiden Pflanzen unterdrückt die Wahrnehmung von Süße. Der Geschmackseffekt lässt sich innerhalb einer Minute einfacher feststellen als die morphologischen Unterschiede zwischen den drei Blattformen.

Hauptquellen

Häufig gestellte Fragen

Ist Gymnema sylvestre giftig?

Für Menschen und Haustiere ist bei traditionellen Dosierungen keine Giftigkeit dokumentiert. Bei gleichzeitiger Anwendung von Insulin oder oralen Antidiabetika ist wegen möglicher Unterzuckerung dennoch Vorsicht geboten.

Ist Gymnema sylvestre dasselbe wie die Wunderbeere?

Nein. Der englische Name miracle fruit wird gelegentlich auch für Gymnema sylvestre verwendet, bezeichnet aber vor allem Synsepalum dulcificum. Diese andere Pflanze bewirkt das Gegenteil und lässt Saures süß schmecken.

Warum hemmen die Blätter die Wahrnehmung von Süße?

Die Blätter enthalten Gymnemasäuren, triterpenoide Saponine, die vorübergehend an Geschmacksrezeptoren auf der Zunge binden. Dadurch wird Süße mehrere Minuten bis mehrere Stunden lang nicht wahrgenommen.

Kann Gymnema sylvestre eine Diabetesbehandlung ersetzen?

Nein. Obwohl die ayurvedische Medizin sie seit Jahrhunderten gegen Diabetes einsetzt, rechtfertigen die verfügbaren wissenschaftlichen Übersichtsarbeiten keinen Ersatz einer ärztlich begleiteten Behandlung.

Woran erkennt man Gymnema sylvestre?

Die Kletterpflanze hat gegenständige ovale Blätter, reichlich Milchsaft, kleine gelbliche Blüten in Zymen und lanzettliche Balgfrüchte. Ein gekautes Blatt, das die Süßwahrnehmung ausschaltet, bestätigt die Bestimmung.

Lässt sich Gymnema sylvestre in gemäßigtem Klima im Zimmer halten?

Ja, mit viel Licht, Temperaturen über 10 °C im Winter und sehr durchlässigem Substrat. Außerhalb tropischen Klimas übersteht sie keinen Winter im Freien.

Wie lange beeinflusst Gymnema sylvestre den Geschmack?

Studien nennen meist 15 Minuten bis etwa eine Stunde. Je nach Konzentration und individueller Empfindlichkeit wird auch über eine längere Wirkung berichtet.

Ähnliche Pflanzen

Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.