Gewöhnlicher Andorn (Marrubium vulgare, )
Gewöhnlicher Andorn (Marrubium vulgare) ist eine bittere aromatische Staude aus der Familie der Lamiaceae. Er stammt aus Europa, Nordafrika und Westasien bis zum zentralen Himalaya. Erkennbar ist er am vierkantigen, weißwollig behaarten Stängel und an den zehn hakigen Zähnen seines Blütenkelchs. Diese bleiben am Fell von Tieren hängen und tragen so zur Ausbreitung der Samen bei.
WeiterlesenGewöhnlicher Andorn, Weißer Andorn, Gemeiner Andorn, White horehound, Andorn und Marrubio
Täglich einige Stunden direkte Sonne ermöglichen, vorzugsweise morgens oder abends.
Volle Sonne; leichter Schatten wird vertragen





© Foto
(c) gail, some rights reserved (CC BY-NC), uploaded by gail · cc-by-nc
iNaturalist User · cc0
Taken Jun 28, 2020 by Stephan T (cc-by-sa)
Taken Feb 26, 2015 by Tela Botanica − Liliane Roubaudi (cc-by-sa)
Taken Apr 3, 2021 by Ludovic Lavigne (cc-by-sa)
Taken Jan 22, 2022 by Annemarie Ahrens-Stehle (cc-by-sa)
© copyright of the Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew.
Weltweite Verbreitung
POWO nennt als natürliches Areal von Marrubium vulgare Makaronesien, Europa, Nordafrika und Westasien bis zum zentralen Himalaya. In Frankreich beschreiben Tela Botanica und das INPN die Art als häufig auf Ödland und trockenen Brachen, besonders im Süden. Außerdem hat sie sich in Nord- und Südamerika, im südlichen Afrika und in Australien eingebürgert, wo sie in mehreren Bundesstaaten als invasives Unkraut eingestuft wird.
- Heimisch4
- Eingeführt3
- Invasiv1
- Europäisches Frankreich
- Spanien
- Italien
- Marokko
- Vereinigte Staaten
- Argentinien
- Südafrika
- Australien
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Gewöhnlicher Andorn (Marrubium vulgare L., 1753), auch Weißer Andorn, Gemeiner Andorn oder kurz Andorn genannt, ist eine krautige Staude mit halbverholzter Basis. Er gehört zur Familie der Lamiaceae und zur Unterfamilie Lamioideae. POWO und GBIF führen ihn als akzeptierte Art der Gattung Marrubium, die Carl von Linné 1753 veröffentlichte. 1 2
Für den Gattungsnamen Marrubium wird eine Herkunft vom hebräischen marrob, bitterer Saft, vermutet. Diese Deutung wurde bereits in der Antike mit der Pflanze verbunden. Der Bezug ist nachvollziehbar: Die durch Marrubiin verursachte Bitterkeit steht noch heute hinter der traditionellen Nutzung bei Husten und Verdauungsbeschwerden. Das Artepitheton vulgare, gewöhnlich, beschreibt eine damals alltägliche Pflanze auf Europas Ödland, lange vor ihrer späteren Einbürgerung auf vier weiteren Kontinenten. 8
Ein weißer Wollfilz auf Stängel und Blattunterseiten erklärt den Namen Weißer Andorn. Bei Salbei oder Minze, zwei ebenfalls häufigen Lippenblütlern, fehlt dieser Flaum oder ist deutlich weniger dicht ausgeprägt. 5
Erkennung
30 bis 80 cm hoch wird die buschige Pflanze. Ihr aufrechter, vierkantiger Stängel verzweigt sich schon an der Basis und ist vollständig von weißlichen Haaren bedeckt. 5 6
Die gegenständigen Blätter sind rundlich bis oval, oberseits runzelig und am Rand unregelmäßig gekerbt. Ihre Unterseite ist deutlich weißlich. Beim Zerreiben entsteht ein bitterer, moschusartiger Geruch, weniger ausgeprägt als bei Salbei oder Minze. 5
Kleine weiße Blüten öffnen sich von Juni bis November in dichten Scheinquirlen in den Achseln der oberen Blätter. Jede Blüte sitzt in einem röhrigen Kelch mit zehn hakenförmig zurückgebogenen Zähnen. Dieses markante Blütenmerkmal ermöglicht eine schnelle Bestätigung der Bestimmung. 6 5
Nützliche Taxonomie
Für Marrubium vulgare verzeichnet WCVP ein natürliches Areal in Makaronesien, Europa und im Mittelmeerraum bis zum zentralen Himalaya. Das Gebiet ist groß, liegt aber durchgehend in gemäßigten Klimazonen. 1
In der historischen Synonymie begegnen weiterhin mehrere wissenschaftliche Namen:
- Marrubium apulum Ten., historisch verwendeter Name
- Marrubium vulgare var. vaillantii (Coss. & Germ.) P.Fourn., botanische Varietät
- Marrubium vulgare subsp. apulum (Ten.) H.Lindb., Unterartname
- Marrubium hamatum Kunth, historisch verwendeter Name
- Marrubium album Garsault, historisch verwendeter Name
Als verlässlicher Bezugspunkt dient der von POWO akzeptierte Name Marrubium vulgare L. 1 2
Lebensraum und Verbreitung
Für Frankreich beschreiben Tela Botanica und das INPN die Art als häufig auf Ödland, an Wegrändern und auf trockenen Brachen, besonders in der südlichen Landeshälfte. Ihr dortiger Erhaltungsstatus lautet „nicht gefährdet“. 3 4
Außerhalb seines natürlichen Areals hat sich Gewöhnlicher Andorn in Nordamerika, Südamerika, im südlichen Afrika und in Australien weiträumig eingebürgert. Mehrere australische Bundesstaaten führen ihn als invasives Unkraut auf Weiden und geschädigten Grasflächen. 7
Die erfolgreiche Ausbreitung des Andorns hängt wesentlich mit den hakigen Kelchzähnen zusammen. Sie bleiben in Schafwolle und anderem Tierfell hängen und transportieren Samen weit über die Mutterpflanze hinaus. In Kalifornien besiedelt die Art vor allem bereits gestörte Grasflächen, Buschland und Uferbereiche. Ihr Einfluss auf die heimische Flora gilt im Vergleich zu anderen mediterranen Unkräutern als begrenzt. Trockene, kalkhaltige oder steinige Böden und volle Sonne sind bevorzugt; Schatten und stauende Nässe schwächen die Pflanze deutlich. 7 5
Lebenszyklus und Vermehrung
Andorn blüht von Juni bis November und wird vor allem durch Bienen bestäubt. 5
Nach der Befruchtung entstehen aus jeder Blüte vier kleine Nüsschen, die im bleibenden Kelch eingeschlossen sind. Die hakigen Kelchzähne bieten nicht nur Schutz: Das Anhaften am Fell durchstreifender Tiere ist zugleich der wichtigste Ausbreitungsweg der Art. 7 6
Im Garten gelingt die Vermehrung durch Aussaat im Frühjahr. Auf durchlässigem Boden laufen die Samen nach zwei bis drei Wochen auf. Möglich ist auch die Teilung eines etablierten, noch gut teilbaren Horstes. Die Blüte beginnt häufig ab dem zweiten Jahr. 5
Nutzen und Risiken
Als traditionelle Heilpflanze wird Gewöhnlicher Andorn seit Langem als schleimlösendes Mittel bei Husten und Bronchitis verwendet. Die Europäische Arzneimittel-Agentur erkennt eine traditionelle Anwendung bei Erkältung für höchstens sieben Tage sowie bei leichten Verdauungsbeschwerden wie Blähungen an. 8
Für den bitteren Geschmack ist vor allem Marrubiin verantwortlich, ein für die Gattung Marrubium charakteristisches Diterpen. Es erklärt auch die in der pharmakologischen Literatur beschriebene Förderung der Gallenbildung. Klinische Studien sind jedoch nur begrenzt vorhanden. Die Anwendung bleibt deshalb eine traditionelle Arzneimittelnutzung ohne klinisch gesicherte therapeutische Indikation. 8
Bei Katzen, Hunden und Pferden ist keine Giftigkeit dokumentiert. Das sehr bittere Laub ist vor allem wenig schmackhaft für Nutztiere. Diese meiden es gewöhnlich, solange auf stark übernutzten Weiden noch anderes Futter verfügbar ist. Werden versehentlich große Mengen aufgenommen, können Milch oder Wolle der Nutztiere jedoch durch anhaltenden Bittergeschmack beeinträchtigt werden. Das ist eher ein wirtschaftliches als ein gesundheitliches Risiko. 7
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Weit verbreitete Ziersorten fehlen bei dieser Art. Noch gebräuchliche Namen wie Marrubium vulgare var. vaillantii bezeichnen botanische Varietäten, die als Synonyme geführt werden, und keine gärtnerischen Auslesen. 1
Mit mehreren wollig behaarten Gartenpflanzen sind Verwechslungen möglich:
- Stachys byzantina, der Wollige Ziest, hat ebenso weißliche Blätter, bildet aber weder einen hakigen Kelch noch einen so deutlich vierkantigen Stängel.
- Verbascum thapsus, die Kleinblütige Königskerze, wird wesentlich höher und bildet eine grundständige Rosette sowie gelbe Blüten in einem ährenartigen Blütenstand. Sie ist mit den Lamiaceae nicht näher verwandt.
- Andere Arten der Gattung Marrubium, die in Frankreich seltener sind, teilen den wolligen Haarfilz und den buschigen Wuchs.
Der Kelch mit zehn hakigen Zähnen bleibt das zuverlässigste Kennzeichen. Er ist beständiger als die Farbe des Haarfilzes oder der Blüten, die je nach Licht und Boden variieren können. Zusammen mit dem für Lamiaceae typischen vierkantigen Stängel und dem bitteren Geruch zerriebener Blätter bestätigt er die Bestimmung eindeutig. 6 5
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Marrubium vulgare L.
- GBIF Backbone Taxonomy, Marrubium vulgare L.
- Tela Botanica eFlore, Marrubium vulgare L.
- INPN / MNHN, Marrubium vulgare L., 1753
- Plants For A Future, Marrubium vulgare
- Royal Horticultural Society, Marrubium vulgare
- Weeds Australia, Horehound - White Hoarhound (Marrubium vulgare)
- PubMed Central, Marrubium vulgare L. — phytochemischer und pharmakologischer Überblick
Häufig gestellte Fragen
Ist Gewöhnlicher Andorn für Haustiere giftig?
Für Katzen, Hunde oder Pferde ist keine Giftigkeit dokumentiert. Das sehr bittere Laub wird vor allem ungern gefressen; Vieh meidet es gewöhnlich, außer auf stark übernutzten Weiden ohne anderes verfügbares Futter.
Wofür wird Gewöhnlicher Andorn traditionell verwendet?
Die Europäische Arzneimittel-Agentur erkennt eine traditionelle Anwendung als schleimlösendes Mittel bei verschleimtem Husten und Erkältung für höchstens sieben Tage sowie bei leichten Verdauungsbeschwerden an. Diese Nutzung beruht auf Überlieferung, nicht auf belastbaren klinischen Studien.
Warum ist Gewöhnlicher Andorn in Australien invasiv?
Die hakigen Kelchzähne bleiben in Schafwolle und im Fell anderer Tiere hängen, die die Samen wirksam über weite Strecken verbreiten. Zusammen mit der Trockenheitsverträglichkeit erklärt dies die Einstufung als invasives Unkraut in mehreren australischen Bundesstaaten.
Wie erkennt man Gewöhnlichen Andorn unter anderen wollig behaarten Pflanzen?
Der Blütenkelch mit zehn hakigen Zähnen ist das verlässlichste Merkmal; er fehlt bei Stachys byzantina und bei Königskerzen. Der für Lamiaceae typische vierkantige Stängel und der bittere Geruch zerriebener Blätter bestätigen die Bestimmung.
Lässt sich Gewöhnlicher Andorn leicht im Garten ziehen?
Ja, auf magerem, trockenem, gut durchlässigem Boden in voller Sonne. Zu nährstoffreicher oder zu feuchter Boden schwächt die Pflanze und fördert Wurzelkrankheiten statt einer guten Blüte.
Gibt es gärtnerische Sorten von Gewöhnlichem Andorn?
Weit verbreitete Ziersorten gibt es nicht. Einige botanische Varietäten wie Marrubium vulgare var. vaillantii werden von taxonomischen Referenzwerken lediglich in der Synonymie geführt.
Ähnliche Pflanzen
Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.






