Süße Granadilla (Passiflora ligularis, Juss. 1805)

Süße Granadilla (Passiflora ligularis) ist eine kräftige ausdauernde Liane der Passifloraceae aus den Anden und der mittelamerikanischen Landbrücke. Mit Ranken klettert sie mehrere Meter hoch. Ihre auffälligen Blüten öffnen sich nur einen Tag; danach entstehen ovale orangefarbene, weiß gepunktete Früchte mit duftendem Fruchtfleisch, das in tropischen Höhenlagen geschätzt wird.

Weiterlesen
Wissenschaftlicher NamePassiflora ligularis
GattungPassiflora
OrdnungMalpighiales

Süße Granadilla, Granadilla, Sweet granadilla und Sugarfruit

Identität
Toxizität
Vorsicht : Menschen, darunter Kinder · Unbekannt : Katzen, Hunde, Pferde und Tiere
Pflegeaufwand
Mäßig
Pflanzenart
Blattart
Immergrün
Lebensdauer
Mehrjährig
Herkunft
PanamaKolumbienVenezuelaEcuadorPeru
Lebensraum
Feuchte Bergwälder und kühle Waldränder, meist in 1.000 bis 3.000 m tropischer Höhenlage
Jahresverlauf
Blütezeit
FrühlingSommer
Erntezeit
SommerHerbst
Wachstum
Ruhephase
Keine Ruhephase
Wuchsgeschwindigkeit
8/10
Reifezeit
Blüte etwa 6 Monate nach Pflanzung, Fruchtreife etwa 70 Tage nach Bestäubung
Vermehrung
Aussaat, Steckling
Klima & Wasser
Temperatur
Winterhärte
Windverträglichkeit
Gering, flache Wurzeln sind ohne Stütze windempfindlich
Luftfeuchtigkeit
60–85 %
Wasserbedarf
Sehr wenig
Wenig
Mittel
Hoch
Sehr hoch
Trockenheitsverträglichkeit
Nein
Boden
Boden-pH-Wert
Bodenarten
Reicher Boden, Leicht saures bis neutrales drainiertes Boden, Feuchter Boden
Salzhaltiger Boden
Wird nicht vertragen
Licht & Standort
Lichtverhältnisse

Volle Sonne

Täglich einige Stunden direkte Sonne ermöglichen, vorzugsweise morgens oder abends.

Volle Sonne; bei großer Hitze leichter Schatten am Nachmittag willkommen
Innenbereich
Veranda, Warmhaus
Außenbereich
Beet in voller Sonne
Pflanzgefäße
Topf mit Pflanzstab, Großes Becken
Erscheinungsbild
Höhe300–800 cmBreite200–400 cm
Blätter
Grün
Süße Granadilla (Passiflora ligularis): Herkunft und Verwendung — blätter 1
Süße Granadilla (Passiflora ligularis): Herkunft und Verwendung — blätter 2
Süße Granadilla (Passiflora ligularis): Herkunft und Verwendung — blätter 3
Süße Granadilla (Passiflora ligularis): Herkunft und Verwendung — blätter 4
Süße Granadilla (Passiflora ligularis): Herkunft und Verwendung — blätter 5
Blüten
WeißRosaViolettGröße6–12 cm
Süße Granadilla (Passiflora ligularis): Herkunft und Verwendung — blüten 1
Süße Granadilla (Passiflora ligularis): Herkunft und Verwendung — blüten 2
Süße Granadilla (Passiflora ligularis): Herkunft und Verwendung — blüten 3
Süße Granadilla (Passiflora ligularis): Herkunft und Verwendung — blüten 4
Süße Granadilla (Passiflora ligularis): Herkunft und Verwendung — blüten 5
Früchte
GrünOrangeGelbGröße6–8 cm
Süße Granadilla (Passiflora ligularis): Herkunft und Verwendung — früchte 1
Süße Granadilla (Passiflora ligularis): Herkunft und Verwendung — früchte 2
Süße Granadilla (Passiflora ligularis): Herkunft und Verwendung — früchte 3
Süße Granadilla (Passiflora ligularis): Herkunft und Verwendung — früchte 4
Süße Granadilla (Passiflora ligularis): Herkunft und Verwendung — früchte 5
Wuchsform
Süße Granadilla (Passiflora ligularis): Herkunft und Verwendung — wuchsform 1
Süße Granadilla (Passiflora ligularis): Herkunft und Verwendung — wuchsform 2
Rinde
GrünBraun
Süße Granadilla (Passiflora ligularis): Herkunft und Verwendung — rinde 1
Süße Granadilla (Passiflora ligularis): Herkunft und Verwendung — rinde 2

Weltweite Verbreitung

Nach POWO reicht das natürliche Areal von Panama über Venezuela entlang der Andenhänge bis Peru. Gartenbauliche Literatur schließt oft Südmexiko und ganz Mittelamerika ein, wo die Art vor allem seit Langem angebaut wird. Die Einführung außerhalb dieses Gebiets ist jünger und teilweise problematisch.

  • Heimisch5
  • Eingeführt2
  • Invasiv3
  • Panama
  • Kolumbien
  • Venezuela
  • Ecuador
  • Peru
  • Hawaii
  • Indien
  • Australien
  • Haiti
  • Jamaika

Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1

Identität

Die Süße Granadilla (Passiflora ligularis Juss., 1805) ist eine ausdauernde Liane der Gattung Passiflora aus der Familie Passifloraceae. POWO akzeptiert diesen Namen; Antoine Laurent de Jussieu veröffentlichte ihn im Jahr 1805. 1 2

Im Namen Süße Granadilla bezeichnet das Wort süß den Unterschied zur deutlich säuerlicheren gewöhnlichen Passionsfrucht. Spanisch heißt die Frucht Granadilla, englisch Sweet granadilla oder Sugarfruit. Die Bezeichnungen betonen den Zuckergehalt des Fruchtfleischs, der auch für die Unterscheidung der Früchte im Handel wichtig ist. 3 5

Erkennung

Die am Grund verholzende Granadilla klettert mithilfe von Ranken, die sich an verfügbaren Stützen festhalten. An einem geeigneten Gitter oder einer Pergola werden die Triebe mehrere Meter lang und bilden dichtes Laub. Eiförmige bis herzförmige Blätter messen gewöhnlich 8 bis 22 cm in der Länge und 6 bis 17 cm in der Breite. Oberseits sind sie kräftig grün, unterseits graugrün; die Blattadern treten deutlich hervor. 3 4

Moschusartig duftende Blüten erreichen 6 bis 12 cm Durchmesser. Grünlich weiße Kelchblätter umgeben rosig weiße Kronblätter. Die blauviolett gestreiften Fäden der Nebenkrone machen die Blüte auch aus einiger Entfernung auffällig. Für die Fortpflanzung ist ihre kurze Öffnungsdauer entscheidend: Jede Blüte bleibt nur einen Tag offen. Bienen oder Hummeln müssen sie bestäuben, bevor sie sich am Tagesende schließt. 3

Ovale bis ellipsoidische Früchte werden 6 bis 8 cm lang und 5 bis 7 cm breit. Unreif sind sie grün mit purpurnen Flecken. Zur Reife werden sie orangefarben und weiß gepunktet. Dieses Umfärben zeigt die Genussreife zuverlässiger an als allein die Größe. Das weißliche bis orangefarbene Fruchtfleisch umgibt 250 bis 300 schwarze Samen und ist duftend und geleeartig. 3 4

Nützliche Taxonomie

Innerhalb der mehrere Hundert Arten umfassenden Gattung Passiflora werden nur wenige Obst liefernde Arten in großem Umfang angebaut. Für Passiflora ligularis führt POWO zwei botanische Varietäten auf:

  • Passiflora ligularis var. lobata Mast., aus Kolumbien beschrieben, mit stärker ausgeprägten Blattlappen
  • Passiflora ligularis var. ligularis, typische Varietät im gesamten natürlichen Areal

Der historische Name Passiflora ligularis var. geminiflora DC. ist als Synonym einer anderen Varietät desselben Komplexes zugeordnet. Gegen Verwechslungen im Handel hilft der vollständige wissenschaftliche Name, gegebenenfalls ergänzt um die Varietät. 1 2

Lebensraum und Verbreitung

Entlang der Andenhänge reicht das von POWO angegebene natürliche Areal von Panama über Venezuela bis Peru. Morton bezieht zusätzlich Südmexiko und ganz Mittelamerika ein. Diese Erweiterung beschreibt ein altes Anbaugebiet, das nicht vollständig mit dem ursprünglichen Vorkommen im engeren Sinn gleichzusetzen ist. 1 3

Feuchte tropische Bergwälder zwischen meist 1.000 und 3.000 m Höhe bilden den Lebensraum. Nachmittägliche Wolken mildern dort die Wärme. PFAF nennt je nach Jahreszeit eine Temperaturtoleranz von −1 bis 31 °C; junge Triebe können bereits bei 0 °C deutliche Schäden erleiden. 4

Für die Obstproduktion wurde die Art unter anderem nach Hawaii und Indien eingeführt. Anderswo hat sie sich auch eingebürgert und ist teilweise invasiv geworden. CABI nennt Australien, Haiti und Jamaika als Beispiele: Dort kann die Liane die Unterwuchsvegetation überwachsen und heimische Arten verdrängen. 8 7

Lebenszyklus und Fruchtbildung

Bei warmem Boden von 20 bis 30 °C beginnt die Keimung nach 15 bis 20 Tagen. Die etablierte Liane blüht ungefähr sechs Monate nach der Pflanzung. Je reichlicher Wärme und Licht zur Verfügung stehen, desto früher kann die Blüte einsetzen. 3

Weil jede Blüte nur einen Tag geöffnet ist, hängt ihre Bestäubung vollständig von den gerade anwesenden Insekten ab. Nach erfolgreicher Bestäubung reift die Frucht in ungefähr 70 Tagen. Sie verändert ihre Farbe von Grün über Purpur zum weiß gepunkteten Orange der Vollreife. 3

Zur Vermehrung dienen frische Samen oder Stecklinge junger Triebe, die in neutralem bis leicht saurem Substrat bewurzeln. Gelagerte Samen keimen langsamer, unter Umständen erst nach zwölf Monaten. Deshalb bevorzugen Erzeuger frisches Saatgut, wenn sie die Keimdauer begrenzen wollen. 4

Nutzen und Risiken

Vorwiegend wird die Süße Granadilla als Obst genutzt. Reife Früchte werden frisch ausgelöffelt oder in den Anbaugebieten zu Saft und Sorbet verarbeitet. Die vitamin-C-reiche Frucht ist besonders in tropischen Höhenlagen eine geschätzte Zwischenmahlzeit, wo die gewöhnliche Passionsfrucht weniger gut gedeiht. 3

Zur Giftigkeit genau dieser Art liegen nur begrenzte Daten vor. PFAF nennt Spuren potenziell reizender Verbindungen in Blättern und unreifen Früchten, ohne den Stoff genauer zu bestimmen. Vollreife Früchte werden dagegen in großem Umfang verzehrt, ohne dass dabei Probleme dokumentiert sind. 4

Im Anbau treten besonders zwei wiederkehrende Gefahren auf: Kahlfraß durch Raupen von Agraulis vanillae und Anthraknose bei zu lange feucht bleibendem Laub. Vernässter Boden erhöht zusätzlich das Risiko einer Wurzelhalsfäule. Wird der Wasserabzug nicht rechtzeitig verbessert, endet diese meist tödlich für die Liane. Das Woodiness-Virus verhärtet und verformt Früchte; CABI dokumentiert es als wirtschaftlich bedeutsame Gefahr auf Produktionsflächen. 8

Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen

Breit verbreitete, benannte Gartensorten fehlen bei Passiflora ligularis im Unterschied zu manchen anderen fruchttragenden Passionsblumen. Auslesen bleiben überwiegend regionale Produktionslinien, etwa aus Kolumbien, ohne internationale Registrierung als Sorte. 3

Bei Verwechslungen sind insbesondere vier Arten derselben Gattung zu beachten:

  • Passiflora edulis, die gewöhnliche Passionsfrucht, mit deutlich säuerlicherem purpurnem oder gelbem Fruchtfleisch;
  • Passiflora quadrangularis, die Riesengranadilla, deren Früchte erheblich größer sind;
  • Passiflora caerulea, die Blaue Passionsblume, vorwiegend als winterharte Zierpflanze und nicht wegen ihrer Früchte kultiviert;
  • Passiflora incarnata, die Fleischfarbene Passionsblume gemäßigter Gärten, vor allem wegen der Blüten und weniger wegen hochwertiger essbarer Früchte geschätzt.

Größe und Farbe reifer Früchte geben bei der Unterscheidung dieser vier Arten einen verlässlichen Anhaltspunkt. Die Blüte allein reicht dafür nicht aus, weil sich ihre Gestalt innerhalb der Gattung zwischen den Arten nur wenig unterscheidet. 1

Hauptquellen

Häufig gestellte Fragen

Sind die Früchte der Süßen Granadilla essbar?

Ja. Reife orangefarbene, weiß gepunktete Früchte werden meist ausgelöffelt; ihr Fruchtfleisch duftet und schmeckt leicht süß. Grüne Früchte werden nicht geschätzt, weil das Fruchtfleisch wenig Aroma hat und die Schale brüchig bleibt.

Was unterscheidet Süße Granadilla und gewöhnliche Passionsfrucht?

Die gewöhnliche Passionsfrucht stammt von Passiflora edulis und besitzt deutlich säuerlicheres purpurnes oder gelbes Fruchtfleisch. Passiflora ligularis hat süßeres Fruchtfleisch und eine glatte orangefarbene, weiß gepunktete statt runzeliger Schale.

Ist die Süße Granadilla für Katzen oder Hunde giftig?

Die Daten zu dieser Art sind begrenzt. PFAF nennt Spuren potenziell reizender Verbindungen in Blättern und unreifen Früchten. Reife Früchte werden dagegen häufig ohne dokumentierte Probleme gegessen.

Warum trägt meine Süße Granadilla keine Früchte?

Am häufigsten fehlen Bestäuber, denn jede Blüte öffnet sich nur einen Tag. Auch eine zu junge Pflanze oder zu viel Schatten mindern den Fruchtansatz.

Wo lässt sich Passiflora ligularis in gemäßigtem Klima kultivieren?

Außerhalb sehr milder geschützter Lagen vor allem im Gewächshaus oder Wintergarten, da sie Frost unter 0 °C fürchtet. Réunion bietet dagegen in tropischen Höhenlagen günstige Bedingungen für Freilandkultur.

Braucht diese Liane eine Kletterhilfe?

Ja. Wegen ihrer flachen Wurzeln und rankenden Triebe braucht sie bereits im ersten Jahr ein festes Gitter oder eine stabile Pergola. Ohne Halt brechen die Stängel bei Wind leicht.

Welche Arten werden mit der Süßen Granadilla verwechselt?

Häufig sind Passiflora edulis mit säuerlicheren Früchten und Passiflora quadrangularis betroffen. Deren Früchte sind erheblich größer als die der Süßen Granadilla.

Ähnliche Pflanzen

Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.