Fetid passionflower (Passiflora foetida, )
Passiflora foetida ist eine krautige Kletterpflanze der Passifloraceae aus dem tropischen und subtropischen Amerika. Ihre fadenförmigen, klebrigen Hochblätter fangen kleine Insekten um Blüten und junge Früchte; die Art gilt daher als protokarnivor. Durch Einführungen ist sie heute pantropisch verbreitet und in mehreren warmen Regionen invasiv.
WeiterlesenFetid passionflower und Running pop
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Weltweite Verbreitung
Passiflora foetida stammt aus dem tropischen und subtropischen Amerika, von den südlichen Vereinigten Staaten bis Nordargentinien. Seit dem 19. Jahrhundert in die meisten warmen Weltregionen eingeführt, ist die Art heute pantropisch verbreitet und örtlich invasiv, besonders auf Pazifikinseln und in Australien.
- Heimisch5
- Eingeführt4
- Invasiv2
- Mexiko
- Vereinigte Staaten (Texas, Arizona)
- Brasilien
- Argentinien
- Kuba
- Indien
- Vietnam
- Hawaii
- Réunion
- Fidschi
- Australien
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Passiflora foetida (L., 1753) ist eine krautige Kletterpflanze der Gattung Passiflora innerhalb der Familie Passifloraceae. Das lateinische Artepitheton foetida bedeutet stinkend. Es beschreibt den stechenden Geruch der Drüsenhaare, die Stängel und Blätter überziehen und beim Zerreiben der Blätter besonders auffallen. 1
Regional trägt die Pflanze sehr unterschiedliche Namen. Auf Réunion heißen ihre Früchte beziehungsweise Pflanzen poc-poc oder grenadille-caméléon; in mehreren französischen Überseegebieten ist marie-gougeat gebräuchlich. Im englischen Sprachraum finden sich fetid passionflower und running pop. Diese unterschiedlichen Namen spiegeln die pantropische Verbreitung wider: In den einzelnen Einführungsgebieten entwickelten sich jeweils eigene Bezeichnungen für dieselbe Art. 8
Erkennung
Geruch und Berührung liefern bei Passiflora foetida besonders deutliche Hinweise. Dünne Stängel, Ranken und Blätter tragen klebrige Haare, deren Enden eine zähflüssige Drüse bilden. Sie verursachen den unangenehmen Geruch, auf den der Artname verweist. Die wechselständigen Blätter besitzen je nach Varietät 1 bis 5 Lappen. 6
Die ungewöhnlich stark zerteilten Hochblätter bilden bei Passiflora foetida ein feines, fast spitzenartiges Fadennetz um die Knospe und später um die Frucht. Darin unterscheiden sie sich von den ganzrandigen Hochblättern von Passiflora edulis und Passiflora caerulea. Das Netz scheidet klebrigen Schleim mit Verdauungsenzymen, Proteasen und sauren Phosphatasen aus. Es fängt kleine pflanzenfressende Insekten im Umfeld der empfindlichen Fortpflanzungsorgane. Dieses protokarnivore Abwehrverhalten wurde bereits 1995 beschrieben. 7
Mit 2 bis 6 cm Durchmesser bleiben die Blüten kleiner als bei großblütigen Zierarten wie der Blauen Passionsblume. Ihre Farbe reicht von Weiß über Creme und Rosa bis zu blassem Violett. Die kugelige, 2 bis 4 cm breite Frucht wechselt während der Reife von Grün über Gelb zu Orange oder Rot. Durchscheinendes Fruchtfleisch umgibt zahlreiche schwarze Samen. 6
Nützliche Taxonomie
POWO akzeptiert den Namen Passiflora foetida L. Für die Zuordnung älterer Literatur sind auch die historischen heterotypischen Synonyme relevant:
- Tripsilina foetida (L.) Raf. (historisches Synonym)
- Dysosmia foetida (L.) M.Roem.
- Granadilla foetida (L.) Gaertn.
Mehr als dreißig botanische Varietäten dieser Art werden von POWO anerkannt. Dazu zählen Passiflora foetida var. hirsuta Mast. und var. nigelliflora (Hook.) Mast.; sie unterscheiden sich vor allem durch Behaarung und Zerteilung der Hochblätter. Gegenüber den örtlich wechselnden, manchmal mehrdeutigen Trivialnamen bietet Passiflora foetida L. für Gartenbau und Botanik einen überregional stabilen Bezugspunkt. 1 2
Lebensraum und Verbreitung
Von den südlichen Vereinigten Staaten mit Texas und Arizona bis nach Nordargentinien reicht das natürliche Areal von Passiflora foetida. Es umfasst tropische und subtropische Teile Amerikas einschließlich Mexikos, der Antillen und Mittelamerikas. POWO beschreibt sie als ein- bis zweijährige Kletterpflanze; unter gleichmäßig tropischen Bedingungen kann sie sich auch als kurzlebige Staude verhalten. 1
Handel und Gartenbau brachten die Art seit dem 19. Jahrhundert in die meisten warmen Regionen der Erde. Inzwischen ist sie in Afrika, Süd- und Südostasien sowie auf Pazifikinseln bis nach Hawaii eingebürgert. Ihr heutiges Vorkommen reicht damit deutlich über das ursprüngliche amerikanische Areal hinaus. 4
Auf gestörten Flächen bildet Passiflora foetida dichte Pflanzendecken. Diese verzögern oder verhindern sogar die Ansiedlung anderer Arten. Die weltweite Datenbank invasiver Arten verzeichnet sie für 27 Regionen, darunter Fidschi, Australien und mehrere pazifische Inselgruppen. 3
Unter dem akzeptierten Namen führt GBIF mehrere Tausend Beobachtungen aus aller Welt zusammen. Ihr Umfang ist erheblich größer, als allein aufgrund des amerikanischen Ursprungsgebiets zu erwarten wäre, und verdeutlicht die weiträumige heutige Verbreitung der Art. 2
Lebenszyklus und Vermehrung
Unter gleichmäßig tropischen Bedingungen blüht und fruchtet die Pflanze nahezu durchgehend, sobald die Temperatur 16 °C überschreitet. Kälte unter 3 °C kann sie zerstören. Die fast kontinuierliche Fortpflanzung unter warmen Bedingungen ist daher nicht mit einer entsprechenden Winterfestigkeit gleichzusetzen. 6
Bienen und andere von der gefransten Blüte angelockte Insekten übernehmen die Bestäubung, bevor sich die Frucht entwickelt. Frische Samen keimen am besten, wenn noch Fruchtfleisch anhaftet. Gelagerte Samen müssen 24 Stunden eingeweicht werden und können bis zu einem Jahr bis zur Keimung benötigen. Auch Triebstecklinge und Abmoosen sind als Vermehrungswege möglich. 6
Vögel fressen die reifen Früchte und verbreiten die Samen über große Entfernungen. Dieser Transport erklärt einen erheblichen Teil der raschen Besiedlung gestörter Flächen. Die Verbreitung erfolgt damit auch über den unmittelbaren Standort der Mutterpflanze hinaus. 3
Nutzen und Risiken
Nur vollreife, gelbe bis rotorange Früchte werden roh oder als Getränk verzehrt. In manchen tropischen Küchen werden außerdem junge Blätter gekocht gegessen. Daraus lässt sich keine allgemeine Unbedenklichkeit der Pflanze ableiten: Die noch grüne Frucht bleibt giftig und ist für den Verzehr ungeeignet. 6
Frische Blätter enthalten cyanogene Glykoside, deren Konzentration in der Trockenzeit höher liegt. In einem experimentellen Versuch mit Ziegen traten nach Aufnahme von 4 bis 8 g/kg frischer Blätter klinische Zeichen wie Herzrasen, Koordinationsstörungen und Pupillenerweiterung auf. Vergiftungen waren in der Trockenzeit deutlich häufiger (11 von 14 Ziegen) als in der Regenzeit (3 von 13). Die intravenöse Gabe von Natriumthiosulfat führte bei den behandelten Tieren zur vollständigen Genesung. 5
Neben der Nutzung als Nahrung wird die Pflanze in mehreren tropischen Ländern traditionell gegen Schlaflosigkeit, Husten und Verdauungsbeschwerden eingesetzt. Für diese volksmedizinischen Anwendungen besteht keine mit dem kulinarischen Gebrauch der reifen Frucht vergleichbare klinische Absicherung. 4
Die Gegensätzlichkeit von essbarer reifer Frucht und giftigem frischem Laub setzt der kulinarischen Verwendung klare Grenzen. Auch ihre weite geografische Verbreitung macht die übrigen Pflanzenteile oder unreifen Früchte nicht zu allgemein geeigneten Lebensmitteln. 6
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Der englische Name love-in-a-mist wird wegen des netzartigen Hochblattkranzes gelegentlich für Passiflora foetida verwendet. Zugleich bezeichnet er Nigella damascena, die Jungfer im Grünen, ein botanisch nicht verwandtes Hahnenfußgewächs. Bei solchen mehrdeutigen Trivialnamen klärt daher erst der wissenschaftliche Name, welche Pflanze gemeint ist. 4
Unter den kultivierten Passionsblumen bieten Passiflora edulis und Passiflora caerulea den anschaulichsten Vergleich. Beide tragen größere Blüten und kommerziell genutzte Früchte. Passiflora foetida bleibt vorwiegend ein tropisches Beikraut mit kleinen Blüten. Ihre klebrigen, fadenförmig zerteilten Hochblätter und der charakteristische Geruch trennen sie von diesen beiden Arten. 1 2
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Passiflora foetida L.
- GBIF Backbone Taxonomy, Passiflora foetida L.
- IUCN Global Invasive Species Database, Passiflora foetida
- Hawaiian Ecosystems at Risk (HEAR), Passiflora foetida species info
- Carvalho et al., Intoxicação experimental por Passiflora foetida em caprinos, Pesquisa Veterinária Brasileira, 2011
- Useful Tropical Plants Database, Passiflora foetida
- Radhamani, Sudarshana & Krishnan, Defense and carnivory (dual role of bracts in Passiflora foetida), Journal of Biosciences, 1995
- INPN / MNHN, Passiflora foetida L., 1753, Passiflore fétide, Marie-gougeat
Häufig gestellte Fragen
Sind die Früchte von Passiflora foetida essbar?
Nur vollreife, gelbe bis orangerote Früchte werden roh oder als Getränk verzehrt. Grüne Früchte bleiben giftig und dürfen nicht gegessen werden.
Warum riecht diese Passionsblume unangenehm?
Das lateinische foetida bedeutet stinkend. Der Geruch stammt von klebrigen Drüsenhaaren an Stängeln und Blättern und tritt besonders beim Zerreiben hervor.
Ist Passiflora foetida invasiv?
Ja, in mehreren tropischen und subtropischen Gebieten, in die sie eingeführt wurde. Die Pflanze bildet dichte Bestände, die andere Arten an der Ansiedlung hindern, besonders auf Pazifikinseln und in Australien.
Ist Passiflora foetida für Tiere giftig?
Frische Blätter enthalten cyanogene Glykoside. Vergiftungen sind bei Ziegen dokumentiert, vor allem während der Trockenzeit. Auch grüne Früchte sind betroffen.
Wozu dienen die klebrigen Hochblätter um die Blüten?
Sie scheiden enzymreichen Schleim aus, der kleine pflanzenfressende Insekten fängt. Dieses der Abwehr dienende Verhalten wird als protokarnivor bezeichnet.
Wie unterscheidet sie sich von Passiflora edulis oder der Blauen Passionsblume?
Diese Arten haben größere Blüten und kommerziell genutzte Früchte. Passiflora foetida ist vor allem ein tropisches Beikraut mit kleinen Blüten und klebrigen, fadenförmig zerteilten Hochblättern.
Woher stammt Passiflora foetida?
Das natürliche Areal reicht im tropischen und subtropischen Amerika von den südlichen Vereinigten Staaten bis Nordargentinien. Carl von Linné beschrieb die Art 1753.
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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.








