Baumstammkirsche (Plinia cauliflora, )
Baumstammkirsche (Plinia cauliflora), auch Jaboticaba genannt, ist ein immergrüner Obstbaum der Myrtaceae aus Südostbrasilien und dem östlichen Bolivien. Blüten und Früchte entstehen bei ihr unmittelbar am Stamm und an dicken Ästen. Diese als Kauliflorie bezeichnete Besonderheit unterscheidet sie von Obstbäumen, die an jungen Zweigen blühen.
WeiterlesenBaumstammkirsche, Jaboticaba, Brasilianischer Traubenbaum, Jaboticabeira, Brazilian grapetree und Jabuticaba
Täglich einige Stunden direkte Sonne ermöglichen, vorzugsweise morgens oder abends.
Volle Sonne bis lichter Halbschatten




© Foto
(c) Diego Monsores, some rights reserved (CC BY-NC), uploaded by Diego Monsores · cc-by-nc
Andrew J. Crawford · cc0
Douglas · cc-by
© copyright of the Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew.
Weltweite Verbreitung
Das genaue ursprüngliche Areal von Plinia cauliflora ist umstritten. POWO nennt Ostbolivien bis Brasilien, von Pernambuco bis Paraná. Manche Gartenquellen beschränken es auf Rio de Janeiro, Minas Gerais, Goiás und São Paulo am Rand des atlantischen Regenwaldes. Außerhalb dieses Gebiets ist keine invasive Einbürgerung dokumentiert.
- Heimisch2
- Eingeführt1
- Brasilien
- Bolivien
- Florida (Vereinigte Staaten)
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Baumstammkirsche (Plinia cauliflora (Mart.) Kausel, 1956), auch Jaboticaba, ist ein immergrüner Obstbaum der Gattung Plinia aus der Familie Myrtaceae. Während die meisten Obstbäume ihre Blüten und Früchte an jungen Zweigen tragen, entstehen sie bei dieser Art unmittelbar am Stamm und an den dicken Ästen. Dieses botanische Phänomen heißt Kauliflorie und prägt das Erscheinungsbild des fruchtenden Baums. 1 4
Carl Friedrich von Martius beschrieb die Art 1823 zunächst als Myrtus cauliflora. Nach mehreren Gattungswechseln ordnete Kausel sie 1956 der Gattung Plinia zu. Der gebräuchliche Name Jaboticaba stammt aus dem Tupi: îaboti bedeutet Schildkröte, während kaba in Wörterbüchern auch als Schildkrötenfett gedeutet wird. Die Deutung bezieht sich auf das weiße Fruchtfleisch. 2
Erkennung
Langsamer Wuchs führt ohne Schnitt gewöhnlich zu einem 10 bis 12 m hohen Baum. Die Krone wird ähnlich breit und kann bei alten Exemplaren 14 m Spannweite erreichen. Im Kübel oder als Bonsai bleibt die Baumstammkirsche deutlich kleiner als im Freiland. Diese Kultur ist in Taiwan und auf den Antillen verbreitet. 4
Weißlich gelbe Blüten sitzen in kleinen Büscheln direkt auf der Rinde von Stamm und Ästen. Aus ihnen entstehen runde Früchte mit dicker, purpurfarbener bis schwarzer Schale und etwa 2,5 bis 4 cm Durchmesser. Das weiße oder rosafarbene, gallertartige Fruchtfleisch umschließt ein bis vier große, harte Samen. 4 3
Der kompakte Wuchs und die Fruchtbildung unmittelbar am älteren Holz unterscheiden die Baumstammkirsche von den meisten in Frankreich angebauten Obstbäumen. Bei diesen sitzen Blüten und Früchte an den jungen Zweigen statt dicht am Stamm. Gerade die Anordnung der Früchte liefert deshalb einen besonders anschaulichen Bestimmungshinweis. 5
Nützliche Taxonomie
Dem akzeptierten Namen Plinia cauliflora werden mehrere Synonyme zugeordnet. Einige davon wurden lange als eigenständige Arten behandelt, bevor Autoren sie diesem Taxon anschlossen:
- Myrtus cauliflora Mart., Basionym von 1823
- Eugenia cauliflora (Mart.) DC.
- Myrciaria cauliflora (Mart.) O.Berg
- Eugenia jaboticaba (Vell.) Kiaersk.
- Myrciaria jaboticaba (Vell.) O.Berg
- Plinia jaboticaba (Vell.) Kausel
Der Handelsname Jaboticaba umfasst tatsächlich mehrere verwandte Plinia-Arten. Dazu gehört Plinia trunciflora, die gelegentlich als Jaboticaba-café unterschieden wird. Eine verlässliche Zuordnung verlangt daher den akzeptierten wissenschaftlichen Namen Plinia cauliflora. Die IUCN bewertete die Art 2019 als nicht gefährdet. 1 7
Lebensraum und Verbreitung
Über das genaue Ursprungsgebiet der Baumstammkirsche bestehen unterschiedliche Angaben. Plants of the World Online nennt ein natürliches Areal vom östlichen Bolivien bis Brasilien, von Pernambuco bis Paraná. Englischsprachige Gartenquellen begrenzen es eher auf die brasilianischen Bundesstaaten Rio de Janeiro, Minas Gerais, Goiás und São Paulo am Rand des atlantischen Regenwaldes. 1 3
Brasilianische Gärten und kleine Obstgärten kultivieren den Baum seit vorkolonialer Zeit. Sein Fruchtfleisch ist ausgesprochen verderblich: Bereits drei bis vier Tage nach der Ernte beginnt die Gärung. Diese geringe Haltbarkeit erklärt, weshalb die Früchte im internationalen Handel kaum vertreten sind, obwohl sie in ihrer Heimat geschätzt werden. 4
Außerhalb Brasiliens steht häufig der Zierwert im Vordergrund. In Florida wurde die Art eingeführt und verträgt dort kurze Fröste. Ein Anbauversuch in Kalifornien blieb bereits 1904 erfolglos. In Taiwan ist die Bonsaikultur verbreitet; auf Réunion und Guadeloupe wird sie im Kübel gehalten. Eine invasive Einbürgerung außerhalb des natürlichen Areals ist nicht dokumentiert. 4 5
Lebenszyklus und Vermehrung
Ganzjährig warmes und feuchtes Klima erlaubt einem im brasilianischen Freiland wachsenden Baum bis zu fünf oder sechs Blüh- und Fruchtphasen pro Jahr. Polyembryonische Samen bringen häufig vier bis sechs Sämlinge je Samen hervor. Sie keimen langsam und verlieren nach dem Austrocknen rasch ihre Keimfähigkeit, was die Verwendung frischer Samen entscheidend macht. 6 4
Bis zur ersten Ernte vergehen bei Sämlingen meist acht bis fünfzehn Jahre. Bei veredelten oder abgemoosten Bäumen verkürzt sich die Wartezeit auf ungefähr sieben Jahre. Annäherungsveredelung, Okulation und Abmoosen sind die zuverlässigen Wege, um die Eigenschaften einer ausgewählten Sorte unverändert zu erhalten. 4
Nutzen und Risiken
Vor allem das Obst begründet die Nutzung der Baumstammkirsche. Frische Früchte werden im Mund ausgedrückt; das Fruchtfleisch lässt sich außerdem zu Gelee, Saft, Likör und Jaboticaba-Wein verarbeiten. Die Weinbereitung besitzt in Brasilien Tradition. Auch italienischstämmige Gemeinschaften nutzten sie als Ersatz für Traubenwein, wenn örtlich keine Weinreben zur Verfügung standen. 4
Für Menschen, Katzen und Hunde ist keine Giftwirkung reifer Früchte dokumentiert. Bei Pferden fehlen weiterhin Angaben zur Verträglichkeit. Aufmerksamkeit verdient die Fruchtschale mit ihren adstringierenden Gerbstoffen. Traditionell werden Abkochungen gegen Durchfall oder Entzündungen verwendet. Vom häufigen und langfristigen Verzehr der Schale allein wird jedoch abgeraten. 4
Klimatische Grenzen bestimmen das wichtigste Anbaurisiko. Unterhalb von -3 °C werden junge Triebe geschädigt. Länger anhaltenden Frost und salzhaltige Gischt verträgt die Art nicht. In kühlen gemäßigten Gebieten kommt deshalb eine Kübelkultur mit geschützter Überwinterung infrage. Der Schutz im Winter ist für diese tropisch geprägte Obstkultur wesentlich. 3 5
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Brasilianische Auslesen unterscheiden sich in Fruchtgröße und Geschmack. Paulista besitzt große, leicht adstringierende Früchte. Ponhema ist sehr ertragreich und wird vor allem zu Gelee verarbeitet. Précoce fruchtet häufig, hat aber eine dünne, wenig belastbare Schale. Vermelha wächst niedrig und bildet weinrote Früchte. 4
Besonders häufig betrifft die Namensverwirrung Sabará, die als meistgepflanzte Sorte Brasiliens angeboten wird. Gemeint ist Plinia jaboticaba. Einige Autoren stellen sie als Synonym zu Plinia cauliflora, während andere brasilianische Botaniker sie als eigenständige Myrciaria jaboticaba behandeln. Deshalb können ähnlich aussehende Jaboticaba-Bäume je nach Autor oder Bestimmungswerk verschiedene wissenschaftliche Namen tragen. 1
Drei nahe Verwandte können ebenfalls Verwechslungen auslösen: Plinia trunciflora, als Jaboticaba-café bezeichnet, trägt kleinere Früchte; Plinia peruviana, die Jaboticaba cabinho, besitzt einen feineren Stiel; Myrciaria glazioviana, die gelbe Jaboticaba, bildet bernsteinfarbene statt purpurfarbene Früchte.
Zur Abgrenzung von den zahlreichen ähnlich benannten Verwandten sind mehrere Hinweise zusammen nötig: der akzeptierte wissenschaftliche Name, die unmittelbar beobachtbare Kauliflorie und Früchte mit etwa 2,5 bis 4 cm Durchmesser. Gemeinsam stützen diese Merkmale eine Bestimmung als Plinia cauliflora zuverlässiger als der Handelsname allein.
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Plinia cauliflora (Mart.) Kausel
- International Plant Names Index, Plinia cauliflora (Mart.) Kausel
- Missouri Botanical Garden, PlantFinder, Plinia cauliflora
- Julia F. Morton, Fruits of Warm Climates, jaboticabas (Purdue University New Crop Resource Online Program)
- NC State Extension, Plant Toolbox, Plinia cauliflora
- University of Hawaiʻi at Mānoa CTAHR, Jaboticaba (F&N-20)
- IUCN Red List, Bewertung von Plinia cauliflora 2019
- GBIF Backbone Taxonomy, Plinia cauliflora (Mart.) Kausel
Häufig gestellte Fragen
Ist die Baumstammkirsche für Tiere giftig?
Für Menschen, Katzen und Hunde ist keine Giftwirkung reifer Früchte dokumentiert. Für Pferde fehlen Angaben. Lediglich die gerbstoffreiche Schale sollte nur in Maßen gegessen werden.
Warum wachsen die Früchte der Baumstammkirsche am Stamm?
Dieses Merkmal heißt Kauliflorie. Blüten und Früchte entstehen direkt auf der Rinde des Stammes und der dicken Äste statt an diesjährigen Zweigen. Auch der Kakaobaum zeigt dieses Phänomen.
Lässt sich die Baumstammkirsche in kühlen gemäßigten Gebieten kultivieren?
Dort kommt nur ein Kübel mit Überwinterung im Wintergarten oder Warmhaus infrage. Junge Triebe werden bereits bei -3 °C geschädigt. Eine Freilandkultur bleibt sehr milden oder tropischen Bedingungen vorbehalten.
Wann trägt die Baumstammkirsche erstmals Früchte?
Ein Sämling benötigt häufig 8 bis 15 Jahre bis zur ersten Ernte. Bei veredelten oder abgemoosten Pflanzen verkürzt sich die Zeit auf etwa 7 Jahre.
Was unterscheidet die Baumstammkirsche von Sabará?
Sabará, die in Brasilien meistgepflanzte Sorte, entspricht Plinia jaboticaba. Manche Autoren führen sie als Synonym von Plinia cauliflora, andere als eigenständige Myrciaria jaboticaba. Daher unterscheiden sich die wissenschaftlichen Namen je nach Quelle.
Sind die Früchte der Baumstammkirsche essbar?
Ja. Das frische Fruchtfleisch wird direkt gegessen oder zu Gelee, Saft und Wein verarbeitet. Die Früchte gären nach der Ernte rasch, weshalb sie außerhalb der Anbaugebiete selten erhältlich sind.
Woher kommt der Name Jaboticaba?
Er geht auf die Tupi-Wörter îaboti, Schildkröte, und kaba zurück. Autoren deuten die Verbindung als Ort der Schildkröten oder Schildkrötenfett, Letzteres als Hinweis auf das weiße, fettreich wirkende Fruchtfleisch.
Ähnliche Pflanzen
Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.





