Kropf-Spitzklette (Xanthium strumarium, )
Kropf-Spitzklette (Xanthium strumarium) ist eine einjährige Asteraceae mit dicht hakigen Klettfrüchten. Sie ist in der Alten Welt weit verbreitet und heute auf mehreren Kontinenten eingebürgert. Als Ackerunkraut sollte sie sicher erkannt werden; insbesondere ihre Keimlinge bergen ein belegtes Vergiftungsrisiko für Nutztiere.
WeiterlesenKropf-Spitzklette, Gewöhnliche Spitzklette, Gemeine Spitzklette, Cocklebur und Cang er zi
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Weltweite Verbreitung
Das von Plants of the World Online anerkannte natürliche Areal reicht von Mittel- und Südeuropa bis China, Taiwan und Indochina sowie nach Nordwestafrika. Nordamerikanische Populationen, die lange demselben Namen zugeordnet wurden, gehören heute zur eigenständigen Art Xanthium orientale. Das erklärt teilweise zu weit gefasste Verbreitungsangaben in der allgemeinen Literatur.
- Heimisch6
- Eingeführt2
- Frankreich
- Spanien
- Italien
- China
- Taiwan
- Marokko
- Indien
- USA
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Kropf-Spitzklette (Xanthium strumarium L., 1753), auch Gewöhnliche Spitzklette oder Gemeine Spitzklette, ist eine akzeptierte Art der Gattung Xanthium in der Familie Asteraceae. Carl von Linné legte den Namen 1753 fest. Das Binomen schafft Klarheit, wo Trivialnamen sich überschneiden: Die französischen Namen „lampourde“ und „glouteron“ sowie das englische „cocklebur“ können auch Xanthium orientale und Xanthium spinosum bezeichnen. 1 2
Im Englischen heißt die Pflanze Cocklebur. Die traditionelle chinesische Medizin verwendet die getrocknete Frucht unter dem Namen Cang er zi in Zubereitungen gegen verstopfte Nase. Diese Arzneibezeichnung betrifft allein die verarbeitete Frucht; die frische Pflanze und besonders ihre jungen Keimlinge bleiben für Nutztiere giftig. 9 7
Ein gärtnerischer Zierwert fehlt Xanthium strumarium. Im Garten sollte das Unkraut erkannt und vor der Fruchtreife entfernt werden, besonders dort, wo Nutztiere oder Jungtiere an die Keimlinge gelangen könnten. 6
Erkennung
Aufrecht wächst Xanthium strumarium als einjähriges Kraut, meist 0,3 bis 1,2 m hoch; auf gut belichtetem, nährstoffreichem Boden kann es 2 m überschreiten. Der raue, braunpurpurn gefleckte Stängel trägt keine Dornen an den Knoten. Die bewehrte verwandte Art Xanthium spinosum bildet dagegen an jedem Knoten zwei Dornen. 3 4
Wechselständige, lang gestielte Blätter besitzen eine dreieckige bis eiförmige Spreite, unregelmäßig gezähnte Ränder und eine raue Oberseite, die an feines Sandpapier erinnert. Die Pflanze ist einhäusig: Unauffällige grünliche männliche Blüten stehen am oberen Stängelbereich, weibliche Blüten an der Basis der Zweige. 3
Die Klettfrucht misst 1,5 bis 3,5 cm in der Länge. Sie ist eiförmig, mit starren Haken besetzt, endet in zwei gebogenen Schnäbeln und enthält zwei Samen mit unterschiedlicher Keimruhe. Das erklärt die über mehrere Monate verteilte Keimung, die sich mit einem einzigen Durchgang der Unkrautbekämpfung schwer erschöpfen lässt. 3 4
Taxonomie und Namen
Mit Xanthium strumarium L. lässt sich die Art eindeutig benennen, während regionale Trivialnamen einander überschneiden. Plants of the World Online ordnet ihr mindestens drei asiatische Synonyme zu: Xanthium sibiricum Patrin ex Widder, Xanthium indicum J.Koenig ex Roxb. und Xanthium japonicum Widder. 1
Nordamerikanische Varietäten, die lange unter diesem Namen beschrieben wurden, etwa Xanthium strumarium var. canadense (Mill.) Torr. & A.Gray oder var. echinatum (Murray) A.Gray, gehören heute zur eigenständigen Art Xanthium orientale. Daher schreibt ein Teil der allgemeinen Literatur „cocklebur“ noch eine ausschließlich nordamerikanische Herkunft zu, obwohl neuere taxonomische Verzeichnisse das natürliche Areal von Xanthium strumarium auf die Alte Welt begrenzen. 1 5
Lebensraum und Verbreitung
Von Mittel- und Südeuropa bis China, Taiwan und Indochina sowie nach Nordwestafrika erstreckt sich das von Plants of the World Online anerkannte natürliche Areal. In Frankreich führt das Inventaire national du patrimoine naturel die Art als „lampourde glouteron“ und „herbe aux écrouelles“. 1 2
Außerhalb ihres natürlichen Areals hat sich die Pflanze weit eingebürgert, insbesondere in Indien und Nordamerika. Sie besiedelt dort Schuttplätze, Brachen und gestörte landwirtschaftliche Böden. 5 8
Stickstoffreiche, frische bis feuchte Böden an Flussufern oder auf Überschwemmungsflächen sind bevorzugte Standorte der Kropf-Spitzklette. Ihre Klettfrüchte werden im Tierfell oder mit der Strömung transportiert. So entstehen zum Teil isolierte Bestände weit entfernt vom ursprünglichen Keimort. 4 3
Lebenszyklus und Vermehrung
Eine warme Saison genügt für den gesamten einjährigen Zyklus von der Keimung bis zur Fruchtreife. Je nach Population laufen die Keimlinge von Mai bis September auf. Dieser Rhythmus hängt mit der unterschiedlichen Keimruhe der beiden Samen jeder Klettfrucht zusammen. 4
Jede Pflanze bildet nach der unauffälligen Blüte ohne Zierwert zahlreiche Klettfrüchte. Diese reifen im Spätsommer und bleiben oft nach dem Frost am Stängel. Die daraus entstehende Samenbank bleibt im Boden mehrere Saisons keimfähig und erschwert eine einmalige Beseitigung. 3
Giftigkeit und Sicherheit
Im Keimlingsstadium liegt bei Xanthium strumarium die höchste Giftigkeit: Die fleischigen Keimblätter enthalten Carboxyatractylosid, ein Diterpenglykosid, das direkt die Leber schädigt. Die erwachsene Pflanze ist rauer, weniger schmackhaft und deutlich weniger gefährlich, außer wenn zermahlene Samen ins Futter gelangen. 6 9
Nach der Aufnahme treten Depression, Schwäche, Muskelkrämpfe und Krampfanfälle auf. Bei besonders stark exponierten Schweinen, Rindern und Pferden kann binnen weniger Stunden der Tod eintreten. Das größte Risiko tragen Jungtiere auf einer mit Keimlingen besiedelten Weide, bevor das weniger schmackhafte erwachsene Laub überwiegt. 6
Versuche an Schweinen verorten die toxische Schwelle bei etwa 0,75 bis 3 % des Körpergewichts in frischen Keimlingen oder 20 bis 30 % der Futterration in zermahlenen Klettfrüchten. Dieser enge Spielraum erklärt, weshalb gelegentlich schon eine Verunreinigung des Erntefutters zu einer Vergiftung mehrerer Tiere führt. 10
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
Zwei nahe Arten verursachen die häufigsten Verwechslungen. Xanthium orientale umfasst die lange Xanthium strumarium zugeordneten nordamerikanischen Populationen; erst eine genaue taxonomische Prüfung, über eine einfache Feldbeobachtung hinaus, erlaubt eine Trennung. Xanthium spinosum ist dagegen an langen gelblichen Dornen an den Knoten sofort erkennbar. Bei Xanthium strumarium fehlen diese vollständig. 1 8
Aus der Ferne können auch andere haftende Klettfrüchte täuschen, besonders die größeren kugeligen Früchte der Großen Klette (Arctium lappa). Diese zweijährige Pflanze trägt große herzförmige Blätter. Im Gelände lässt sich das Vorhandensein oder Fehlen von Dornen am schnellsten durch Betasten der Stängelknoten feststellen, noch bevor ein Bestimmungsbuch aufgeschlagen wird. 7
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Xanthium strumarium L.
- INPN / MNHN, Xanthium strumarium L., 1753
- North Carolina Extension Gardener Plant Toolbox, Xanthium strumarium
- Iowa State University Extension, Gewöhnliche Spitzklette
- Purdue University Center for New Crops, Steckbrief Xanthium strumarium
- Merck Veterinary Manual, Lebergifte bei Großtieren
- Plants For A Future, Datenbankeintrag Xanthium strumarium
- USDA PLANTS Database, Pflanzenprofil Xanthium strumarium
- PMC, Traditionelle Nutzung, Botanik, Phytochemie und Pharmakologie von Xanthium strumarium L.
- PubMed, Spitzklettenvergiftung bei Schweinen, Übersicht und Neubestimmung des Giftstoffs
Häufig gestellte Fragen
Ist Kropf-Spitzklette giftig?
Ja, besonders als Keimling. Die Keimblätter enthalten konzentriertes Carboxyatractylosid. Dieses Glykosid schädigt die Leber und kann Schweine, Rinder und Pferde nach ausreichender Aufnahme binnen weniger Stunden töten.
Warum haften die Klettfrüchte so leicht?
Ihre starren Haken greifen in Tierfell und Kleidung. Dieser Ausbreitungsmechanismus erklärt, weshalb Pflanzen weit entfernt vom ursprünglichen Keimort vorkommen.
Mit welchen anderen Spitzkletten lässt sich Xanthium strumarium verwechseln?
Besonders häufig mit Xanthium orientale, zu der die lange unter demselben Namen geführten nordamerikanischen Populationen zählen, sowie mit Xanthium spinosum. Letztere trägt Dornen an den Knoten, die Xanthium strumarium fehlen.
Warum ist diese Pflanze auf Äckern problematisch?
Ihre Keimlinge laufen in zeitlich verteilten Wellen von Mai bis September auf, was eine einmalige Unkrautbekämpfung erschwert. Auf nährstoffreichem Boden wächst sie schnell und konkurriert direkt mit Frühjahrskulturen um Licht, Wasser und Stickstoff.
Werden Samen von Xanthium strumarium medizinisch genutzt?
Die getrocknete Frucht, cang er zi genannt, wird in der traditionellen chinesischen Arzneikunde gegen verstopfte Nase verwendet. Dieser betreute Einsatz betrifft weder die frische Pflanze noch ihre giftigen Keimlinge.
Woran erkennt man einen giftigen Keimling von Xanthium strumarium?
Die Keimblätter sind fleischig, länglich und haben noch nicht die raue Oberfläche des erwachsenen Laubs. Gerade dieses für Nutztiere gefährlichste Stadium muss vor dem Weidegang erkannt werden.
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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.







