Faulbaum (Frangula alnus, Mill. 1768)

Faulbaum (Frangula alnus) ist ein sommergrüner Strauch der Kreuzdorngewächse (Rhamnaceae) aus dem gemäßigten Europa und Westasien. Er wächst in feuchten Hecken, bewaldeten Mooren und an Gewässern. Seine Zweige sind dornenlos; unter der schwärzlichen Rinde liegt leuchtend gelbes Holz. Die früher als Abführmittel gesammelte Rinde wirkt frisch stark abführend und wird erst nach einem Jahr Trocknung verträglich.

Weiterlesen
Wissenschaftlicher NameFrangula alnus
GattungFrangula
OrdnungRosales

Faulbaum, Echter Faulbaum, Pulverholz, Schießbeere und Alder buckthorn

Identität
Toxizität
Bei Verzehr giftig (frische Rinde, unreife Beeren), stark abführend
Pflegeaufwand
Niedrig
Pflanzenart
Strauch · Feldhecke
Blattart
Laubabwerfend
Lebensdauer
Mehrjährig
Herkunft
FrankreichVereinigtes KönigreichDeutschlandSchweizRusslandMarokko
Lebensraum
Feuchte Hecken, Waldränder, bewaldete Moore und Gewässerufer; saure bis neutrale, frische bis nasse Böden
Jahresverlauf
Blütezeit
FrühlingSommer
Erntezeit
Herbst
Wachstum
Ruhephase
Winterruhe
Wuchsgeschwindigkeit
6/10
Reifezeit
Erste Blüte mit 2–4 Jahren möglich, regelmäßige Fruchtbildung ab 4–6 Jahren
Vermehrung
Aussaat, Steckling
Klima & Wasser
Tolerierter Temperaturbereich
Winterhärte
Windverträglichkeit
In Feldhecken gut, ohne besondere Ansprüche
Wasserbedarf
Sehr wenig
Wenig
Mittel
Hoch
Sehr hoch
Trockenheitsverträglichkeit
Nein
Boden
Bodenarten
Frischer bis feuchter Boden, Ton, Schluff oder Sand
Salzhaltiger Boden
Wird nicht vertragen
Licht & Standort
Lichtverhältnisse

Volle Sonne

Viel Umgebungslicht bieten, ohne direkte Sonne auf den Blättern.

Volle Sonne bis Halbschatten
Außenbereich
Feldhecke, Offener Boden
Erscheinungsbild
Höhe200–600 cmBreite200–400 cm
Blätter
Grün
Faulbaum (Frangula alnus): Herkunft und Verwendung — blätter 1
Faulbaum (Frangula alnus): Herkunft und Verwendung — blätter 2
Faulbaum (Frangula alnus): Herkunft und Verwendung — blätter 3
Faulbaum (Frangula alnus): Herkunft und Verwendung — blätter 4
Faulbaum (Frangula alnus): Herkunft und Verwendung — blätter 5
Blüten
WeißGrünGröße0.3–0.5 cm
Faulbaum (Frangula alnus): Herkunft und Verwendung — blüten 1
Faulbaum (Frangula alnus): Herkunft und Verwendung — blüten 2
Faulbaum (Frangula alnus): Herkunft und Verwendung — blüten 3
Faulbaum (Frangula alnus): Herkunft und Verwendung — blüten 4
Faulbaum (Frangula alnus): Herkunft und Verwendung — blüten 5
Früchte
GrünRotSchwarzGröße0.6–1 cm
Faulbaum (Frangula alnus): Herkunft und Verwendung — früchte 1
Faulbaum (Frangula alnus): Herkunft und Verwendung — früchte 2
Faulbaum (Frangula alnus): Herkunft und Verwendung — früchte 3
Faulbaum (Frangula alnus): Herkunft und Verwendung — früchte 4
Faulbaum (Frangula alnus): Herkunft und Verwendung — früchte 5
Wuchsform
Faulbaum (Frangula alnus): Herkunft und Verwendung — wuchsform 1
Faulbaum (Frangula alnus): Herkunft und Verwendung — wuchsform 2
Faulbaum (Frangula alnus): Herkunft und Verwendung — wuchsform 3
Faulbaum (Frangula alnus): Herkunft und Verwendung — wuchsform 4
Faulbaum (Frangula alnus): Herkunft und Verwendung — wuchsform 5
Rinde
BraunSchwarz
Faulbaum (Frangula alnus): Herkunft und Verwendung — rinde 1
Faulbaum (Frangula alnus): Herkunft und Verwendung — rinde 2
Faulbaum (Frangula alnus): Herkunft und Verwendung — rinde 3
Faulbaum (Frangula alnus): Herkunft und Verwendung — rinde 4
Faulbaum (Frangula alnus): Herkunft und Verwendung — rinde 5

Weltweite Verbreitung

Das natürliche Areal von Frangula alnus umfasst das gemäßigte Europa bis zum 68. Breitengrad in Skandinavien, reicht östlich bis Mittelsibirien und Xinjiang sowie südlich bis Nordmarokko, in die Türkei und den Kaukasus. Im 19. Jahrhundert als Heckenstrauch nach Nordamerika eingeführt, ist die Art dort weithin eingebürgert und bildet örtlich invasive Dickichte.

  • Heimisch6
  • Invasiv2
  • Frankreich
  • Vereinigtes Königreich
  • Deutschland
  • Schweiz
  • Russland
  • Marokko
  • Vereinigte Staaten
  • Kanada

Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1

Identität

Faulbaum (Frangula alnus Mill., 1768) ist ein sommergrüner Strauch der Gattung Frangula in der Familie Rhamnaceae. Linné beschrieb ihn 1753 als Rhamnus frangula. Philip Miller trennte ihn 1768 von Rhamnus ab: Seine zwittrigen Blüten mit fünf Kronblättern unterscheiden sich deutlich von den zweihäusigen, vierzähligen Blüten dieser Gattung. 1 10

Der Gattungsname Frangula geht auf lateinisch frangere, brechen, zurück und verweist auf das besonders brüchige Holz. Das Artwort alnus erinnert an die häufig mit Erlen geteilten Uferstandorte. Die Herkunft des französischen Namens „bourdaine“ bleibt unsicher: Das CNRTL führt ihn auf eine Abwandlung des altnormannischen borzaine zurück, ohne zwischen mehreren Deutungen zu entscheiden. 10 9

Erkennung

Als dornenloser Strauch oder kleiner Baum lässt sich Faulbaum unmittelbar vom dornigen Purgier-Kreuzdorn (Rhamnus cathartica) unterscheiden. Unbeschnitten erreicht er meist 2–6 m, vereinzelt werden 7 m gemeldet. In regelmäßig geschnittenen Hecken bleibt er meist unter 3 m. 2 4

Unter der dunkelbraunen bis schwärzlichen Außenrinde mit kleinen hellen Lentizellen liegt zitronengelbes Holz. Ein kleiner Messerschnitt macht dieses Merkmal sichtbar; bei den meisten benachbarten Heckensträuchern bleibt die Schnittstelle blass oder bräunlich. 7 10

Wechselständige, ovale Blätter von 3–7 cm Länge haben einen ganzrandigen, ungezähnten Rand und 7–12 Paare deutlich eingesenkte Seitenadern. Die winzigen, sternförmigen Blüten von 3–5 mm sind grünlich weiß und fünfzählig. Sie erscheinen von Mai bis Juli in kleinen Gruppen in den Blattachseln. Die 6–10 mm großen Beeren wechseln von Grün über Rot zu Violettschwarz; oft stehen mehrere Reifestadien am selben Zweig. 7 10

Nützliche Taxonomie

POWO/WCVP akzeptiert den Namen Frangula alnus Mill. Die ältere Bezeichnung Rhamnus frangula L. wird weiterhin verwendet, besonders in der Pharmakognosie, wo die getrocknete Rinde als Cortex Frangulae geführt wird. Zu den wichtigsten Synonymen gehören:

  • Rhamnus frangula L. (älterer wissenschaftlicher Name)
  • Frangula dodonei Ard. ex Soldano (wissenschaftliches Synonym)
  • Frangula vulgaris Hill (weiteres wissenschaftliches Synonym)
1

Gegenüber Rhamnus zeigt Frangula drei im Garten erkennbare Unterschiede. Bei Rhamnus sind die Blüten zweihäusig und vierzählig, die Zweige oft dornig. Frangula besitzt dagegen zwittrige, fünfzählige Blüten und stets glatte Zweige. Hinzu kommt die Blattstellung: gegenständig bei Rhamnus, wechselständig bei Frangula. 10

Lebensraum und Verbreitung

Vom fast gesamten Europa reicht das natürliche Areal von Frangula alnus bis zum 68. Breitengrad in Skandinavien, östlich bis Mittelsibirien und Xinjiang und südlich bis Nordmarokko, in die Türkei und den Kaukasus. Im französischen Mutterland wächst Faulbaum fast überall außer im engeren Mittelmeergebiet und auf Korsika, bis 1.000 m Höhe. 1 6

Frische bis nasse, saure bis neutrale Böden prägen seine Standorte: feuchte Hecken, Ränder bewaldeter Moore, Erlen-Weiden-Bestände sowie Bach- und Teichufer. Er verträgt zeitweilige Vernässung, die nur wenige Heckensträucher ertragen. Das erklärt seine regelmäßige Präsenz an Feuchtgebieten. 7 3

Nach Nordamerika gelangte Faulbaum im 19. Jahrhundert als Heckenstrauch. Er bürgerte sich ein und wurde durch Vögel verbreitet, die seine Beeren fressen und die Samen ausscheiden. Im Nordosten und Mittleren Westen der USA gilt er heute als invasiv: Dichte Dickichte behindern dort die natürliche Waldverjüngung. 4

Lebenszyklus und Vermehrung

Zwischen Mai und Juli liegt je nach Klima die Blütezeit. Anders als der zweihäusige Purgier-Kreuzdorn hat Faulbaum zwittrige Blüten, die von Insekten, besonders Bienen, bestäubt werden. Jede Blüte kann sich daher selbst befruchten oder Pollen einer Nachbarblüte aufnehmen; ein benachbartes Exemplar anderen Geschlechts ist nicht nötig. 10

Vom Spätsommer bis zum Herbst reifen die Beeren über Grün und Rot zu Violettschwarz. Jede enthält gewöhnlich zwei bis drei braune Samen. Fruchtfressende Vögel übernehmen den größten Teil der Samenverbreitung, auch weit außerhalb des natürlichen Areals. 10

Gärtnerisch erfolgt die Vermehrung durch Aussaat mit Kältestratifikation im Herbst oder durch halbverholzte Stecklinge im Sommer. Stecklinge erhalten die Eigenschaften der Mutterpflanze und wurzeln schneller. Samen keimen langsamer, ergeben jedoch genetisch unterschiedliche, auf feuchten Böden meist kräftige Pflanzen. 3

Nutzen und Risiken

Seit Jahrhunderten wird Faulbaumrinde als mildes Abführmittel verwendet, allerdings erst getrocknet und mindestens ein Jahr gelagert. Frisch wirkt sie stark abführend und kann heftige Bauchschmerzen verursachen. Ihr Gehalt von 3–7 % Anthrachinonen regt die Dickdarmwand etwa 8–12 Stunden nach der Einnahme an. 3

Unreife Beeren sind bei Menschen und Hunden bei Verzehr giftig und können Erbrechen und Verdauungsstörungen auslösen. Die aus dem Holz gewonnene Holzkohle war wegen ihrer raschen, gleichmäßigen Verbrennung lange ein geschätzter Bestandteil von Schießpulver. 2 10

Für feuchte Gartenstandorte eignet sich Faulbaum als Feldhecke. Seine Blätter ernähren die Raupen des Zitronenfalters (Gonepteryx rhamni), für den er in Europa zu den wenigen Wirtspflanzen gehört. 4

Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen

Aus der Wildart gingen mehrere Ziersorten hervor. Asplenifolia besitzt fein zerteiltes, farnähnliches Laub ohne Panaschierung. Columnaris, englisch tallhedge buckthorn, wächst schmal aufrecht und wird für kompakte Sichtschutzhecken verwendet. Fine Line, auch als Ron Williams verkauft, entstand aus beiden und verbindet Säulenwuchs mit zerteiltem Laub. 8

Besonders leicht kommt es zur Verwechslung mit dem Purgier-Kreuzdorn, Rhamnus cathartica. Dessen Zweige sind dornig, seine gegenständigen Blätter fein gezähnt und von zur Spitze gebogenen Adern durchzogen. Faulbaum besitzt dagegen wechselständige, ganzrandige Blätter. Die zweihäusigen Blüten mit vier Kronblättern ergänzen die Merkmale des Kreuzdorns. Beide Sträucher gehören derselben Familie an und wirken ähnlich abführend. Auch ihre bei Reife schwarzen Beeren ähneln sich; ähnliche volkstümliche Namen haben die Verwechslung lange begünstigt. 10

Hauptquellen

Häufig gestellte Fragen

Ist Faulbaum giftig?

Ja, bei Verzehr. Frische Rinde und unreife Beeren wirken bei Menschen und Hunden stark abführend. Nach Trocknung und einem Jahr Lagerung wird die Rinde zu einem milden Abführmittel, das lange in der Arzneikunde genutzt wurde.

Wie unterscheidet sich Faulbaum vom Purgier-Kreuzdorn?

Der Purgier-Kreuzdorn (Rhamnus cathartica) hat dornige Zweige, gegenständige Blätter mit gebogenen Adern und zweihäusige, vierzählige Blüten. Faulbaum ist stets dornenlos, hat wechselständige Blätter und zwittrige Blüten mit fünf Kronblättern.

Warum ist Faulbaum unter der Rinde gelb?

Ein kleiner Schnitt durch die schwärzliche Außenrinde legt zitronengelbes Holz frei. Dieser deutliche Gegensatz von dunkler Rinde und hellem Holz gehört zu den zuverlässigsten Erkennungsmerkmalen im Gelände.

Wo wächst Faulbaum wild?

Er wächst in feuchten Hecken, bewaldeten Mooren, Erlen-Weiden-Beständen und an Gewässerufern auf sauren bis neutralen Böden. In Frankreich kommt er fast überall außer im engeren Mittelmeergebiet und auf Korsika vor.

Ist Faulbaum invasiv?

In Europa ist er heimisch und gilt hier nicht als invasiv. Nach seiner Einführung als Heckenstrauch im 19. Jahrhundert wurde er im Nordosten und Mittleren Westen der USA invasiv. Vögel verbreiten seine Samen mit den gefressenen Beeren.

Kann Faulbaumrinde als Abführmittel verwendet werden?

Traditionell ja, aber ausschließlich getrocknet und mindestens ein Jahr gelagert. Frische Rinde wirkt stark abführend und verursacht heftige Bauchschmerzen. Die medizinische Anwendung bleibt geregelt und zeitlich begrenzt.

Welche Ziersorten gibt es?

Asplenifolia besitzt fein zerteiltes Laub, Columnaris einen schmal aufrechten Wuchs und den englischen Namen tallhedge buckthorn. Fine Line ist aus beiden hervorgegangen und verbindet Säulenwuchs mit zerteiltem Laub.

Ähnliche Pflanzen

Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.