Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum, L. 1753)

Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum) ist ein sommergrüner Strauch der Caprifoliaceae, der von weiten Teilen Europas bis Mittelsibirien und in die nordöstliche Türkei heimisch ist. Auf Kalkboden bildet er dichte Feldhecken. Seine weißen Frühlingsblüten vergilben mit dem Alter, im Sommer folgen glänzend rote Beeren. Das Holz zählt zu den härtesten Europas; darauf spielt der Artname an. Die Beeren sind beim Verzehr für Menschen und mehrere Tierarten giftig.

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Wissenschaftlicher NameLonicera xylosteum
GattungLonicera
OrdnungDipsacales

Rote Heckenkirsche, Gewöhnliche Heckenkirsche, Fly honeysuckle und Dwarf honeysuckle

Identität
Toxizität
Beim Verzehr für Menschen und mehrere Tierarten giftig (Saponine)
Pflegeaufwand
Niedrig
Pflanzenart
Strauch · Heckenstrauch
Blattart
Laubabwerfend
Lebensdauer
Mehrjährig
Herkunft
FrankreichDeutschlandPolenVereinigtes KönigreichRusslandTürkei
Lebensraum
Feldhecken, lichte Waldränder und Kalkgebüsche im Tiefland und Mittelgebirge
Jahresverlauf
Blütezeit
Frühling
Erntezeit
Sommer
Wachstum
Ruhephase
Winterruhe
Wuchsgeschwindigkeit
6/10
Reifezeit
Erste Blüten ab 2–3 Jahren möglich, ausgewachsener Wuchs nach etwa zehn Jahren
Vermehrung
Steckling, Aussaat
Klima & Wasser
Temperatur
Winterhärte
Windverträglichkeit
Gut, niedriger und biegsamer Strauch für exponierte Lagen
Wasserbedarf
Sehr wenig
Wenig
Mittel
Hoch
Sehr hoch
Trockenheitsverträglichkeit
Ja
Boden
Boden-pH-Wert
Bodenarten
Kalkboden, Entwässerter Boden, Freies Land
Salzhaltiger Boden
Wird vertragen
Licht & Standort
Lichtverhältnisse

Volle Sonne

Täglich einige Stunden direkte Sonne ermöglichen, vorzugsweise morgens oder abends.

Volle Sonne bis Halbschatten
Außenbereich
Feldhecke, Beet in voller Sonne, Offener Boden
Erscheinungsbild
Höhe100–400 cmBreite100–400 cm
Blätter
Grün
Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum): Herkunft und Verwendung — blätter 1
Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum): Herkunft und Verwendung — blätter 2
Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum): Herkunft und Verwendung — blätter 3
Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum): Herkunft und Verwendung — blätter 4
Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum): Herkunft und Verwendung — blätter 5
Blüten
WeißGelb
Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum): Herkunft und Verwendung — blüten 1
Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum): Herkunft und Verwendung — blüten 2
Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum): Herkunft und Verwendung — blüten 3
Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum): Herkunft und Verwendung — blüten 4
Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum): Herkunft und Verwendung — blüten 5
Früchte
RotGelb
Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum): Herkunft und Verwendung — früchte 1
Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum): Herkunft und Verwendung — früchte 2
Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum): Herkunft und Verwendung — früchte 3
Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum): Herkunft und Verwendung — früchte 4
Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum): Herkunft und Verwendung — früchte 5
Wuchsform
Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum): Herkunft und Verwendung — wuchsform 1
Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum): Herkunft und Verwendung — wuchsform 2
Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum): Herkunft und Verwendung — wuchsform 3
Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum): Herkunft und Verwendung — wuchsform 4
Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum): Herkunft und Verwendung — wuchsform 5
Rinde
GrünBraun
Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum): Herkunft und Verwendung — rinde 1
Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum): Herkunft und Verwendung — rinde 2
Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum): Herkunft und Verwendung — rinde 3
Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum): Herkunft und Verwendung — rinde 4
Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum): Herkunft und Verwendung — rinde 5

Weltweite Verbreitung

POWO/WCVP nennt Europa mit Ausnahme des Mittelmeerraums und des äußersten Nordostens bis Mittelsibirien (Altai) und zur nordöstlichen Türkei als natürliches Areal. In Nordamerika wurde die Art als Zierstrauch eingeführt und ist in mehreren Staaten des Nordostens und Mittleren Westens eingebürgert. Dort gilt sie als potenziell invasiv und wird für Gärten nicht empfohlen.

  • Heimisch6
  • Eingeführt1
  • Invasiv1
  • Europäisches Frankreich
  • Deutschland
  • Polen
  • Vereinigtes Königreich
  • Russland (Westsibirien)
  • Türkei (Nordosten)
  • Kanada
  • USA (Nordosten und Mittlerer Westen)

Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1

Identität

Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum L., 1753), auch Gewöhnliche Heckenkirsche, bezeichnet einen sommergrünen Strauch der Caprifoliaceae. Das Epitheton xylosteum verbindet griechisch xylon (Holz) und osteon (Knochen). Es spielt auf das gelbliche, besonders harte Holz an, aus dem früher Holznägel, Spindeln und Pfeifenrohre gefertigt wurden. 1 9

Mit 1 bis 3 m, unter günstigen Bedingungen auch 4 m Höhe bildet die Art ein dichtes Gebüsch. Die vierkantigen Zweige sind zunächst grau und nehmen mit zunehmendem Alter einen rotbraunen Farbton an. Junge Triebe sind hohl und unterscheiden sich dadurch von der Schwarzen Heckenkirsche (Lonicera nigra) mit ausgefülltem Mark. Die eingeführte Tataren-Heckenkirsche (Lonicera tatarica) besitzt dagegen kahle Blätter. 2 3

Erkennung

Gegenständige, eiförmige bis elliptische Blätter erreichen 3 bis 7 cm Länge. Ihre Unterseite ist dicht behaart, die Oberseite trägt nur vereinzelte Haare. Dieser Unterschied lässt sich oft schon ertasten. 9

Zwischen April und Juni erscheinen paarweise in den Blattachseln röhrenförmige, zweilippige Blüten von etwa 1 bis 1,5 cm Länge. Sie öffnen sich weiß und werden beim Altern gelb, sodass an einem Zweig mehrere Blütengenerationen gleichzeitig erkennbar sind. 2 9

Kugelige, leuchtend rote und glänzende Beeren messen 6 bis 8 mm im Durchmesser. Je zwei sind am Grund miteinander verwachsen. Die seltenere, als xanthocarpa beschriebene Form trägt gelbe statt rote Früchte. 3 2

Taxonomie und Namen

POWO/WCVP erkennt Lonicera xylosteum L., 1753, innerhalb der Caprifoliaceae an. Die Synonymie umfasst mehrere einst gesondert beschriebene Formen und Varietäten. Dazu gehören die gelbfrüchtige Lonicera xylosteum var. xanthocarpa DC. und die weniger behaarte Lonicera xylosteum f. glabrescens Zabel. 1

Historische wissenschaftliche Bezeichnungen wie Caprifolium xylosteum und Chamaecerasus xylosteum werden heute als Synonyme behandelt. 9

Französische Namen wie „chèvrefeuille des haies“, „chèvrefeuille à balais“ und „camérisier des haies“ überschneiden sich teilweise mit Bezeichnungen anderer Lonicera-Arten. Der wissenschaftliche Name ist daher die verlässlichste Zuordnung. „Camérisier“ bezeichnet auch Lonicera caerulea mit essbaren blauen Beeren. Ähnliche Namen erlauben somit keinen Rückschluss auf die Giftigkeit. 8

Lebensraum und Verbreitung

Von Europa, ausgenommen der Mittelmeerraum und der äußerste Nordosten, reicht das natürliche Areal laut POWO/WCVP bis Mittelsibirien (Altai) und in die nordöstliche Türkei. Dort besiedelt die Art Feldhecken, lichte Waldränder und Kalkgebüsche im Tiefland wie im Mittelgebirge. 1 9

Als Zierstrauch nach Nordamerika gelangt, ist Lonicera xylosteum in mehreren Staaten des Nordostens und Mittleren Westens eingebürgert. Der Missouri Botanical Garden bezeichnet sie als potenziell invasiv und rät von einer Pflanzung in Gärten dieser Region ab. 3

Lebenszyklus, Ökologie und Kultur

Überwiegend Fliegen bestäuben die Blüten; darauf bezieht sich der englische Name fly honeysuckle. Später fressen Vögel die roten Beeren und verbreiten die Samen, ohne durch die für Menschen giftigen Früchte Schaden zu nehmen. 3 9

Kreide-, Ton-, Lehm- und Sandböden werden in Kultur ebenso vertragen wie volle Sonne und Halbschatten. Die Frosthärte bis −20 °C macht nach dem ersten Standjahr einen Winterschutz entbehrlich. Vermehrt wird die Rote Heckenkirsche durch krautige Sommerstecklinge oder ausgereifte Herbststecklinge. Ein leichter Schnitt unmittelbar nach der Blüte schont die Knospen des folgenden Jahres. 2 2

Nutzen und Risiken

Für frei wachsende Feldhecken wurde die Rote Heckenkirsche früher häufiger gepflanzt. Ihr kräftiges Wachstum, Wurzelausläufer und der begrenzte Zierwert nach der Blüte erklären, warum sie für Schnitthecken heute selten empfohlen wird: Gegenüber anderen Gehölzen ist der Pflegeaufwand unverhältnismäßig hoch. In belasteten Stadtlagen bleibt ihre Toleranz gegenüber Luftverschmutzung und salzhaltiger Gischt jedoch ein Grund, vorhandene Sträucher zu erhalten. 9 9

Die Beeren sind beim Verzehr giftig. Ihre Saponine können bereits nach fünf Beeren Brustschmerzen und Verdauungsbeschwerden auslösen; nach etwa dreißig sind schwere Vergiftungen mit Erbrechen, Fieber und kaltem Schweiß beschrieben. Bei Kaninchen kann eine Handvoll Beeren eine tödliche Lähmung verursachen. Auch Pferde, Hasen und mehrere Nagetierarten sind gefährdet. 9 7 9

Sorten und Verwechslungen

Weit verbreitete Handelssorten von Lonicera xylosteum fehlen heute, anders als bei verwandten Arten wie Lonicera caerulea. Die wichtigste Abweichung ist die gelbfrüchtige Form, die in der WCVP-Synonymie als xanthocarpa geführt wird. Sie tritt eher spontan auf und ist selten in Baumschulen zu finden. 1

Im Gelände trennen hohle Zweige Lonicera xylosteum von der Schwarzen Heckenkirsche (Lonicera nigra) mit schwarzen Beeren und ausgefülltem Mark. Kahle Blätter kennzeichnen dagegen die eingeführte Tataren-Heckenkirsche (Lonicera tatarica). Allein rote Früchte reichen zur Bestimmung nicht aus: Der Gewöhnliche Schneeball (Viburnum opulus) aus einer anderen Familie trägt vergleichbare Beeren, besitzt aber deutlich gelappte statt eiförmige Blätter. 8

Hauptquellen

Häufig gestellte Fragen

Ist die Rote Heckenkirsche giftig?

Ja. Die roten Beeren enthalten Saponine, die beim Verzehr für Menschen, Pferde, Hasen und mehrere Nagetiere giftig sind. Erste Verdauungsbeschwerden treten bereits nach fünf Beeren auf; schwere Vergiftungen sind nach etwa dreißig beschrieben.

Wie unterscheidet sich die Rote von der Schwarzen Heckenkirsche?

Die jungen Zweige der Roten Heckenkirsche sind hohl, während Lonicera nigra ein ausgefülltes Mark besitzt. Auch reife rote statt schwarze Früchte sind ein verlässliches Merkmal.

Warum wechseln die Blüten ihre Farbe?

Die Blüten der Roten Heckenkirsche öffnen sich weiß und werden mit zunehmendem Alter gelb. So lassen sich an einem Zweig oft gleichzeitig verschiedene Blütengenerationen erkennen.

Ist die Rote Heckenkirsche invasiv?

In Frankreich ist sie heimisch und gilt dort nicht als invasiv. In Nordamerika wurde sie als Zierstrauch eingeführt und ist in mehreren Staaten des Nordostens und Mittleren Westens eingebürgert, wo sie als potenziell invasiv gilt.

Warum wird die Art kaum noch für Schnitthecken empfohlen?

Starker Wuchs und zahlreiche Wurzelausläufer verursachen viel Pflege, während ihr Zierwert nach der Frühlingsblüte begrenzt ist. Andere Heckengehölze liefern vergleichbare Ergebnisse mit weniger Aufwand.

Was bedeutet der Artname xylosteum?

Er verbindet griechisch xylon, Holz, und osteon, Knochen. Gemeint ist das gelbliche, äußerst harte Holz älterer Zweige, aus dem früher etwa Holznägel und Spindeln gefertigt wurden.

Welcher Boden eignet sich für die Rote Heckenkirsche?

Sie verträgt Kreide, Ton, Lehm und Sand, bevorzugt aber durchlässige, neutrale bis kalkhaltige Böden. Auch städtische Luftverschmutzung und salzhaltige Gischt werden vertragen.

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Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.