Sibirische Zirbelkiefer (Pinus sibirica, )
Sibirische Zirbelkiefer (Pinus sibirica) ist ein Nadelbaum aus der Familie der Pinaceae und eine nahe Verwandte der alpinen Zirbelkiefer. Sie prägt weite Teile der sibirischen Taiga. Ihre Nadeln stehen zu fünft und sind länger als bei der alpinen Verwandten. Die fast geschlossenen Zapfen enthalten flügellose Samen, deren Verbreitung nahezu vollständig vom Tannenhäher abhängt.
WeiterlesenSibirische Zirbelkiefer, Sibirische Zeder, Siberian pine und Siberian stone pine



© Foto
(c) ugraland, some rights reserved (CC BY) · cc-by
Фая Баландина · cc0
Oleg Kosterin · cc0
Weltweite Verbreitung
Das natürliche Areal umfasst große Teile des russischen Sibiriens, vom Ural bis zur Halbinsel Kola und weiter nach Osten, sowie Nordkasachstan, die Nordmongolei und Nordwestchina. Die Art besiedelt etwa 450.000 km² Taiga und zählt zu den prägenden Nadelbäumen des kontinentalen sibirischen Klimas.
- Heimisch4
- Russland
- Kasachstan
- Mongolei
- China
Sechsecke: Regionen, in denen die Pflanze vorkommt. Grüne Punkte: natürliches Verbreitungsgebiet.1
Identität
Sibirische Zirbelkiefer (Pinus sibirica Du Tour, 1803), im Handel auch Sibirische Zeder, ist ein Nadelbaum der Familie Pinaceae und nahe mit der alpinen Zirbelkiefer (Pinus cembra) verwandt. Das russische kedr hat dieselbe Wurzel wie das altgriechische kedros und das lateinische cedrus. Daraus entstand eine alte Verwechslung im Handel: Der Baum gehört nicht zur Gattung Cedrus der echten Zedern. 3 4
Weite Gebiete der sibirischen Taiga werden von diesem Baum geprägt. Seine als „sibirische Zedernüsse“ verkauften Samen dienen dort seit Langem als Nahrung und liefern ein fettsäurereiches Öl. 8 2
Erkennung
Wie bei der alpinen Zirbelkiefer stehen die Nadeln von Pinus sibirica zu fünft. Mit 6 bis 11 cm, gelegentlich 13 cm, sind sie aber deutlich länger als die 4 bis 9 cm von P. cembra. Sie bleiben zwei bis vier Jahre am Zweig und tragen auf beiden Innenseiten feine weiße Spaltöffnungslinien. 8 3
Eiförmig bis kegelförmig sind die 7 bis 10 cm langen Zapfen; gelegentlich erreichen sie 12 cm bei 4 bis 8 cm Breite. Während des Wachstums erscheinen sie blaugrün bis violett, zur Reife braun. Am Baum bleiben sie geschlossen oder öffnen sich nur einen Spalt. Die 10 bis 14 mm langen Samen besitzen keinen Flügel. 8
An jungen Bäumen ist die Rinde glatt und hellbraun, im Alter grau, schuppig und rissig. Üblich sind 35 bis 40 m Höhe, bei gelegentlich mehr als 1,5 m Stammdurchmesser. Am Kedrowy-Pass im Altai wurde ein Baum mit 48 m gemessen. Außerhalb des Heimatklimas überschreitet die Art in Kultur selten etwa 30 m. 8 2
Nützliche Taxonomie
Unter Pinus sibirica Du Tour führt POWO/WCVP die Art als akzeptiert. Der französische Naturforscher Du Tour de Salvert veröffentlichte den Namen 1803. Sie gehört zur Untergattung Strobus und zur Sektion Quinquefoliae, den fünfnadeligen Kiefern. 4 1
Historische Synonyme ordneten die Art überwiegend der alpinen Zirbelkiefer zu:
- Pinus cembra var. sibirica (Du Tour) G.Don
- Pinus cembra subsp. sibirica (Du Tour) Krylov
- Pinus cembra var. sibirica (Du Tour) A.E.Murray
- Pinus sibirica var. hingganensis (H.J.Zhang) Silba, Population aus dem Großen Hinggan in China
An hingganensis zeigt sich die Bedeutung dieser Unterscheidung: Die in China zunächst als eigene Varietät beschriebene Population wird heute ohne getrennten botanischen Status der Art zugeordnet. Für den Vergleich mit Pinus cembra bleiben längere Nadeln und Zapfen mit dünneren Schuppen sowie drei Harzkanäle pro Nadel statt zwei die zuverlässigeren Merkmale. 1 3
Lebensraum und Verbreitung
Über große Teile des russischen Sibiriens erstreckt sich das natürliche Areal, vom Ural bis zur Halbinsel Kola und weiter nach Osten. Hinzu kommen Nordkasachstan, die Nordmongolei und Nordwestchina mit Heilongjiang, der Inneren Mongolei und Xinjiang. In Russland reicht die Verbreitung etwa von 55° bis 125° östlicher Länge. 8 3
Rund 450.000 km² kontinentale Taiga besiedelt die Art. Im Norden wächst sie in Ebenen auf 100 bis 200 m Höhe, im Süden bis auf 2.400 m im Gebirge an der oberen Waldgrenze. In kontinentalen Nadelwäldern wächst sie häufig zusammen mit Lärchen, Birken, Tannen und Fichten. 8
Trotz örtlicher Holznutzung und Samenernte stuft die Weltnaturschutzunion IUCN Pinus sibirica als nicht gefährdet ein. Innerhalb ihres etwa 450.000 km² großen ursprünglichen Taigaareals ist sie weiterhin weit verbreitet. 6
Lebenszyklus und Vermehrung
Männliche und weibliche Zapfen sitzen bei der einhäusigen Pinus sibirica auf demselben Zweig eines Baumes. Der Wind verbreitet den Pollen der männlichen Zapfen. Reife Samenzapfen bleiben geschlossen oder öffnen sich nur wenig, sodass ihre flügellosen Samen sich nicht selbst verbreiten können. 8
Den größten Teil der Samenausbreitung übernimmt deshalb der Tannenhäher (Nucifraga caryocatactes). Er entnimmt die Samen, trägt sie fort und vergräbt viele als Wintervorrat. Vergessene Verstecke keimen im Frühjahr und ermöglichen neue Bestände in größerer Entfernung vom Mutterbaum. 8
In sämtlichen Entwicklungsstadien wächst dieser Baum langsam, auch unter günstigen Bedingungen. Dazu kommt eine bemerkenswerte Langlebigkeit: In der Mongolei ist mindestens ein nahezu 1.200 Jahre altes Exemplar dokumentiert, ein selbst für langlebige Nadelbäume seltenes Alter. 2 8
Nutzen und Risiken
Als sibirische Zedernüsse werden die seit Jahrhunderten örtlich geernteten Samen verkauft. Sie sind das wichtigste genutzte Erzeugnis dieser Art; im Altai erreichen Ernten in manchen Jahren bis zu 300 kg Samen je Hektar. Chemische Analysen des Samenöls ergeben mehr als 90 % ungesättigte Fettsäuren, darunter 66 % mehrfach ungesättigte. Diese Zusammensetzung begründet seine Verwendung in Lebensmitteln und Kosmetik. 8 7
Weiches, leichtes und rosafarben getöntes Holz wird in Sibirien für Gebäude und Möbel, seltener für Schnitzarbeiten verwendet. Aus dem Harz wird gelegentlich Terpentin gewonnen. 8
Für Katzen und Hunde gilt die Sibirische Zirbelkiefer nicht als giftig. Harz und Sägemehl können bei empfindlichen Menschen jedoch Reizungen oder eine Kontaktdermatitis auslösen, wie bei den meisten harzreichen Nadelbäumen. 2
Sorten, Verwechslungen und verwandte Pflanzen
In spezialisierten Nadelgehölzbaumschulen werden mehrere Zwergformen angeboten. Ihre Benennung ist weniger gefestigt als bei der alpinen Zirbelkiefer und deren Sorten „Stricta“ oder „Glauca“. Den Handel bestimmt weiterhin die durch Aussaat oder Veredelung vermehrte Wildart. 8
Verwechslungen entstehen vor allem mit anderen fünfnadeligen Kiefern:
- Pinus cembra, die alpine Zirbelkiefer, hat kürzere Nadeln und Zapfen sowie zwei Harzkanäle je Nadel statt drei bei Pinus sibirica;
- Pinus koraiensis, die Korea-Kiefer, ist ein weiterer großer fünfnadeliger Baum aus Ostasien mit essbaren Samen;
- Pinus pumila, eine niedrige, kriechende Kiefer aus Nordostasien, unterscheidet sich durch ihren Wuchs vom aufrechten Stamm von Pinus sibirica.
Fünf Nadeln pro Büschel schließen zwei- und dreinadelige Kiefern unmittelbar aus. Gegenüber der nah verwandten alpinen Zirbelkiefer bieten Nadellänge, Zapfenlänge und Zahl der Harzkanäle die verlässlichsten Unterscheidungsmerkmale. 3 1
Hauptquellen
- Plants of the World Online / Kew, Pinus sibirica Du Tour
- Plants For A Future, Pinus sibirica (Pinus cembra sibirica)
- Trees and Shrubs Online, Pinus sibirica
- USDA GRIN Global Taxonomy, Pinus sibirica Du Tour
- Integrated Taxonomic Information System (ITIS), Pinus sibirica Du Tour, TSN 822573
- IUCN Red List of Threatened Species, Farjon A. 2013, Bewertung von Pinus sibirica
- European Journal of Lipid Science and Technology, chemische Zusammensetzung der Samenöle von Pinus sibirica
- The Gymnosperm Database (conifers.org), Pinus sibirica
Häufig gestellte Fragen
Ist die Sibirische Zirbelkiefer eine echte Zeder?
Nein. Die Bezeichnung Sibirische Zeder geht auf das russische kedr zurück, das dieselbe Wurzel wie das lateinische cedrus hat. Die Art gehört jedoch zur Gattung Pinus und ist keine echte Zeder der Gattung Cedrus.
Wie unterscheidet sich die Sibirische Zirbelkiefer von der alpinen Zirbelkiefer?
Pinus sibirica wurde lange als Varietät der alpinen Zirbelkiefer behandelt. Sie besitzt längere Nadeln und Zapfen sowie drei Harzkanäle je Nadel, während die alpine Zirbelkiefer zwei aufweist.
Warum öffnen sich ihre Zapfen fast nie?
Die flügellosen Samen können sich nicht selbst mit dem Wind verbreiten. Die fast geschlossenen Zapfen überlassen die Verbreitung überwiegend dem Tannenhäher, der Samen entnimmt und einen Teil als Vorrat vergräbt.
Ist die Sibirische Zirbelkiefer für Katzen und Hunde giftig?
Nein, sie ist für diese Tiere nicht als giftig eingestuft. Harz und Sägemehl können bei empfindlichen Individuen jedoch Reizungen oder eine Kontaktdermatitis hervorrufen.
Sind die Samen der Sibirischen Zirbelkiefer essbar?
Ja. Als sibirische Zedernüsse werden sie seit Langem örtlich geerntet. Aus ihnen entsteht ein an ungesättigten Fettsäuren reiches Öl für Lebensmittel und Kosmetik.
Wie alt wird eine Sibirische Zirbelkiefer?
Sie gehört zu den langlebigsten Nadelbäumen ihres Areals. Natürliche Bestände sind mehrere Jahrhunderte alt; in der Mongolei ist mindestens ein nahezu 1.200 Jahre altes Exemplar dokumentiert.
Ist die Sibirische Zirbelkiefer gefährdet?
Nein, die IUCN stuft sie als nicht gefährdet ein. Trotz örtlicher Nutzung von Holz und Samen bleibt die Art in einem großen Taigaareal weit verbreitet.
Ähnliche Pflanzen
Bei Fragen zur Giftigkeit einer Pflanze helfen eine botanische oder tierärztliche Beratung weiter.



